Blogansicht

Mongolei-Blog

07.09.2016 DORF AM IH ONGOT UUL

13.10.2016, 14:11

Nach nur zwei Nächten in der Hauptstadt führt uns unsere Suche nach der Hausmaus in ein kleines Dorf am Ih Ongot Uul (Uul = Berg) in der Nähe der Stadt Saikhan. Gute Freunde von Lkhagva leben hier vom Gemüseanbau und nehmen uns herzlich für ein paar Tage bei sich auf. Es ist mein Geburtstag, den ich in der Transsib "reinschlafe" und wie immer wissen wir nicht, wann wir am Zielbahnhof ankommen. Gegen 04:30 Uhr werden wir von der Zugbegleiterin hektisch zum Aussteigen bewegt, um kurzer Hand später auf dem kleinen, dunklen Bahnsteig von Shinee abgeholt zu werden. In völliger Dunkelheit kurven wir mit dem Auto die Feldwege entlang und können zufällig einen kurzen Blick auf eine flüchtende Springmaus erhaschen. Ohne viel von unserem neuen Fangort zu erkennen, fallen wir drei sehr bald wieder in den Schlaf bis uns am Morgen gegen 09:00 Uhr das rege Treiben von Solongo, Shinee’s Frau, weckt.

Wir machen uns bekannt, frühstücken und fangen gleich damit an unsere Fallen auf dem Hof und in der Nachbarschaft zu verteilen. Dank der Hilfe von Solongo gelingt uns dies zügig und wir sind sehr zuversichtlich ein paar gute Stellen gefunden zu haben. Es ist schon etwas über die Mittagszeit als Solongo Tsuivan für alle kocht. Wir helfen beim Gemüseschälen und Kleinschneiden. Nach dem Essen packt Solongo den Rest ein und wir fahren raus aufs Karottenfeld, um die fleißigen Feldarbeiter zu versorgen. Auch die Kinder sind dabei und fangen gleich an ihre Späße mit uns zu treiben. Wir helfen noch ein wenig bei der Ernte bis es für die kleine Ikhsaran Zeit für ihren Mittagsschlaf wird. Auch wir werden nach Hause geschickt um uns auszuruhen. Dieses Angebot nehmen wir zunächst widerwillig, dann aber dankend an und schlafen noch ein wenig. Mit neuen Kräften beschließen wir einen ersten Fallenkontrollrundgang vorzunehmen und prompt haben wir die erste Maus – und zwar Mus musculus – in der Kartoffelscheune. Wir schaffen es gerade so, sie bis Sonnenuntergang zu präparieren und kommen etwas verspätet zum Abendessen.

(c) K. Lammers

(c) K. Lammers

Das Ergebnis nach der ersten Fangnacht übertrifft unsere Erwartungen bei Weitem. Wir können acht Hausmäuse verbuchen und sind deshalb sehr lange mit Präparieren beschäftigt. Zwischenzeitlich werden wir mit einem interessanten Fund überrascht. Ein Gerbil (Meriones unguiculatus) scheint wohl der Mittagshitze im Wäschekorb von Solongo zu entfliehen.

Die Familie nutzt den Tag um Kartoffeln zu sortieren und Säcke zu befüllen; wir helfen mit, nachdem wir mit unserer Arbeit fertig sind. Spät und im Dunkeln kommt schließlich der Laster, der die Ernte nach Ulaanbaatar fahren wird. Die starken Männer hieven die schweren Kartoffelsäcke auf die Ladefläche. Auch wenn Rico und ich nicht viel tragen können, geben wir doch unser Bestes und sind zusammen mit einem älteren Mann ein gutes Dreiergespann. Wir waschen uns noch am Brunnen den Staub von der Haut und schlüpfen geschafft in unsere Schlafsäcke.

Unsere Arbeit am nächsten Tag ist schneller erledigt, denn nur vier Mäuse sind uns in die Falle gegangen. Heute sind wir auf uns allein gestellt, denn die ganze Familie ist auf den Kartoffelfeldern mit der Ernte beschäftigt. Wir nutzen den Rest des Tages mit einer kleinen Erkundungstour und können von einem Hügel ein paar Bilder vom Dorf schießen. Wie wir am Abend feststellen müssen, sind wir auch die Nacht über allein. Das ist uns vorher nicht so richtig klargeworden, da die Kommunikation mit Händen und Füßen solche Details nicht zu offenbaren vermag. Das zeigt aber auch, wie groß das Vertrauen uns gegenüber bereits nach so kurzer Zeit des Kennenlernens zu sein scheint.

(c) K. Lammers

(c) K. Lammers

Unser letzter Tag hier im Dorf bricht an und beim Einsammeln der Fallen findet sich diesmal nur noch eine Maus. Zum anderen müssen wir feststellen, dass eine Nachbarfamilie ebenfalls zur Erntearbeit rausgefahren ist und nicht vor unserer Abreise am heutigen Abend zurückkommt. Die Fallen werden uns in die Hauptstadt nachgeschickt, das ist nicht das Problem. Nur leider müssen wir uns nun mit dem Gedanken anfreunden, dass eventuell in der Falle sitzende Mäuse die Zeit nicht überstehen werden. Das gefällt uns gar nicht. Wir lenken unsere Gedanken auf den Abschied von Shinee und den Rest seiner Familie.

(c) K. Lammers

Sowohl in Hinblick auf unsere Masterarbeit über die Hausmaus, als auch auf die persönlichen Erfahrungen, die wir hier sammeln konnten, war dieser Ort ein großer Erfolg und für uns beide ein kleines Highlight auf unserer bisherigen Mongolei-Reise. Wir werden diese liebe Familie und die vielen freundlichen Menschen in der Nachbarschaft in Erinnerung behalten.



Vorheriger Eintrag | Nächster Eintrag

Eigenen Kommentar hinzufügen




Kommentar absenden

https://die-welt-baut-ihr-museum.de