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Mongolei-Blog

11.09.2016 NATIONALPARK KHUSTAI

13.10.2016, 14:18

Wir kommen morgens gegen 07:00 Uhr in Ulaanbaatar an und werden von Davka am Bahnhof abgeholt und in unser Dormitory gefahren. Dort bleiben wir allerdings nicht lange, denn Lkhagva hat schon die nächste Tour für uns organisiert. Wir haben die wunderbare Gelegenheit in den Nationalpark Khustai zu fahren und dort bei seinem Freund unterzukommen. Khustai ist vor allem bekannt für die Wiedereinbürgerung der Wildpferde (Equus ferus przewalskii) – auch Takhi genannt. Heute befindet sich neben der Forschungseinrichtung auch ein Touristencamp, was den Nationalpark als einzige NGO in der Mongolei finanziert.

Auf der Hinfahrt lernen wir im Furgon Tsagga kennen, der erst zwei Monate zuvor als Informatiker in der Forschungseinrichtung angestellt wurde. Da er relativ gut Englisch spricht, können wir uns gut unterhalten und ihm erzählen, was unser Anliegen ist. Am Abend lädt er uns zu sich zum Essen ein und hilft anschließend die Fallen in den Mitarbeiter-Ger auszulegen. Wie immer erhaschen wir reges Geschmunzel, andererseits sind die Mitarbeiter auch froh, dass wir ihnen ein paar Mäuse wegfangen; gesichtet wurden allemal welche.

Rico und ich wohnen nicht in einer Ger, sondern sind bei Usukhuu und Jagaa im Haus untergebracht. Usukhuu, ebenfalls Biologe, ist auf Tagungsfahrt im Altai als wir Khustai besuchen, aber seine liebe Frau Jagaa, Managerin des Touristencamps, kümmert sich und zeigt uns alles. Wir können uns frei bewegen im Nationalpark und erkunden die Gegend jeden Tag, den wir dort verbringen.

Unsere Fangergebnisse bezüglich Hausmaus sind gar nicht mal so schlecht. An fünf Tagen erbeuten wir immerhin fünf Mäuse, verteilt auf zwei Ger, einer Abstellkammer und im Restaurant des Touristencamps hinter der Heizungsverkleidung.

Nach getaner Arbeit gehen wir also im Nationalpark wandern, mit Jagaas Info im Hinterkopf, wo man am ehesten Takhi antreffen könnte. Wir gehen eigentlich davon aus, dass wir so schnell keine Wildpferde sehen werden, doch zu unserer Überraschung treffen wir nach einer guten Stunde wandern und nur wenigen Höhenmetern schon auf eine kleine Gruppe Wildpferde, bestehend aus einem Hengst und zwei Stuten. Die drei tauchen so plötzlich auf, dass wir den vorgeschriebenen Mindestabstand von 200 m nicht einmal einhalten können. Und als würde der schöne Hengst unsere Gedanken lesen, starrt er uns zunächst neugierig an und trabt im nächsten Augenblick auf uns zu. Unser Bauchgefühl sagt uns gleich: Rückzug! Und zwar schnell. Wir laufen den Weg zurück, den wir gekommen sind; etwas den Berghang hinunter und machen uns ganz klein und warten. Nach ein paar Minuten in der Deckung bemerken wir, dass wir nicht mehr verfolgt werden und versuchen die kleine Gruppe wieder ausfindig zu machen. Der Wind steht gut, zu unseren Gunsten. Die Takhi bemerken uns zwar bald erneut, aber diesmal sind wir weit genug entfernt und werden von ihnen geduldet. Mit Fernglas und Kamera bewaffnet verfolgen wir ihr ausgiebiges Sandbaden und die neuen Reviermarkierungen des Hengstes.

(c) K. Lammers

(c) K. Lammers

Leider ist meine Kamera für solche Distanzen nicht ausgelegt und man erkennt die Takhi auf den Bildern nur undeutlich. Nichtsdestotrotz bin ich froh welche im Kasten zu haben.

Am dritten Tag fangen wir drei Hausmäuse, doch auch diesmal sind wir bis zum frühen Nachmittag fertig mit Präparieren, sodass wir wieder durch den Nationalpark wandern können. Wir nehmen eine andere Route und wollen Murmeltiere beobachten. Schon nach kurzer Zeit sehen wir in der Ferne eine Murmeltierfamilie (Marmota sibirica) hektisch in Richtung ihrer Kolonieeingänge davonlaufen. Sie haben uns natürlich viel eher bemerkt als wir sie, doch dadurch, dass sie keine besonders schnellen Läufer sind, haben wir noch ein paar Minuten um sie durch das Fernglas zu beobachten. Wir sind überrascht, wie viele Murmeltierfamilien wir hier später noch zu sehen bekommen, wo wir sie doch die ganze vorherige Zeit im Norden der Mongolei nie antrafen. An diesem sonnigen Nachmittag sehen wir außerdem noch ein wunderschönes Rubinkehlchen-Männchen (Luscinia calliope).



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