Blogansicht

Mongolei-Blog

05.08.2016 - Beute und gesalzener Milchtee

20.09.2016, 13:23

Die Tage am Khuvsgul Nuur vergehen wie im Flug, denn wir haben viel zu präparieren. Der Standort hält, was er unserer Einschätzung nach verspricht. Schon nach der ersten Fangnacht haben wir 28 Tiere in den Fallen. Darunter sind ein ausgewachsener Pfeifhase (Ochotona vermutl. alpina) und drei Wühlmausarten (Microtus oeconomus, Microtus mongolicus und Myodes rutilus), die alle möglichst schnell durch Chloroformbegasung eingeschläfert und anschließend präpariert werden müssen. Nur die Hausmäuse scheinen ausgezogen zu sein. Die Fallen an der Ger bleiben leer.

Am Morgen des dritten Fangtages können wir doch tatsächlich einen Pfeifhasen kauend und in der Sonne sich wärmen sehen. Bei der späteren Fallenkontrolle sitzt ein Jungtier, derselben Kolonie zugehörig wie jener am Morgen, in einer der Fallen. Wir lassen es wieder frei, denn für aussagekräftige Merkmale ist es noch zu klein.

(c) K. Lammers (c) K. Lammers

 

Neben der aktiven Kleinsäugererkundung findet sich zwischendurch auch immer etwas Zeit für eine gesunde Vogelbeobachtung. In der Ferne schwimmen Streifengänse (Anser indicus), Schwanengänse (Anser cygnoides), Rostgänse (Tadorna ferruginea), Reierenten (Aythya ferina) und Prachttaucher (Gavia arctica). Im Wald wurde der europäische Kleiber (Sitta europaea) gesichtet und am Camp der Isabell-Steinschmetzer (Oenenthe isabellina). Außerdem legt die Alpenkrähe (Pyrrhocorax pyrrhocorax) mit ihrem wunderschönen Lauten mehrere spektakuläre Saltos hin, wie ich sie noch nie gesehen habe.

Die benachbarte Familie beschenkt uns mit frischem Brot, Yak-Butter und –Milch, Sahne und Käse. Es sind liebevolle Menschen, das erkennt man auch daran, wie sowohl Mutter als auch Vater mit den Kindern und Enkelkindern umgehen. Wir trinken in ihrer Ger den berühmten Suutei tsai (leicht gesalzener Milchtee) und bekommen Aaruul (getrocknetes Quarkerzeugnis) gereicht. Die fünf kleinen Kinder spielen auf dem Boden das mongolische Würfelspiel Shagai mit den vier Schafsknöcheln. Sie haben jede Menge davon.

Nun heißt es aber Abschied nehmen, denn es warten noch weitere tolle Standorte auf uns. Ich werde diese herzliche Familie in Erinnerung behalten. Der Großvater stolz auf seinem Pferd sitzend, die Großmutter bei den vielen Kindern in der Ger; ihre Gesichter freundlich und zufrieden, gezeichnet durch die mongolische Sonne und das Leben als Nomadenfamilie.

(c) K. Lammers

(c) K. Lammers

 



Vorheriger Eintrag | Nächster Eintrag

https://die-welt-baut-ihr-museum.de