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Mongolei Expeditions-Blog

Freitag der 13.

13.08.2010, 16:46

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Das Camp im Takhital

Freitag, der 13., beginnt tatsächlich mit einem Unglück. Während wir beim Frühstück sitzen, kommt ein Motorrad mit zwei Rangern und bittet uns, die Station aufzuschließen, damit sie vom Satellitentelefon aus telefonieren können. Ein Motorrad mit 3 Personen (keine ungewöhnliche Transportform in der Mongolei) ist in der Nacht oder am frühen Morgen verunglückt und man will einen Arzt aus Ulan Baator holen. Wie schon mehrfach zuvor funktioniert das Satellitentelefon aber nicht. So nimmt man per E-Mail Kontakt zu einem Arzt auf. Wir wollen helfen und geben Medikamente, Verbandszeug und Wundauflagen mit. Wir würden gern mehr tun, aber das scheitert an der Sprachbarriere.

Nach dem Frühstück fahren die Studenten raus, um die Lebendfallen umzusetzen. Anschließend  holen wir mit einer Gruppe Barberfallen ins Labor zurück  und geben eine Einweisung, wie man den Inhalt der  Fallen aufbereitet und die verschiedenen Taxa  für die spätere Bestimmung vorsortiert. Dazu gehört eine Einführung in die Habitustypen der wichtigsten epigäischen Arthropodengruppen. Hermann  und Margit kümmern sich derweil um die Lebendfallenfänge und die Präparation. Sie zeigen den Studenten  weitere Methoden, wie man Kleinsäuger und Vögel  balgt und für die Sammlung vorbereitet.  Nach dem Mittagessen erläutert Sebastian für die Arthropodengruppe von heute, wie man verschiedene Insekten präpariert und dokumentiert. Danach können die Studenten Käfer und andere Insekten nadeln, was für die meisten eine neue Erfahrung ist. Um 16.00 Uhr stelle ich für alle die apterygoten und die hemimetabolen Insekten (ohne die Paraneoptera) vor. Ziemlich viel, zumal Laghvaa nicht da ist und es heute Nachmittag keine Übersetzung gibt. Aber die Studenten kommen inzwischen besser mit dem Englischen klar.

Aagii, der nach Altai gefahren war und uns Lebensmittel mitbringen wollte, ist noch nicht zurückgekommen. Und unsere Lebensmittelvorräte gehen zur Neige. Es gibt noch keinen dramatischen Versorgungsengpass, aber Samiya beschließt, ein Schaf zu kaufen und zu schlachten, um für die nächsten Tage Fleisch zu haben. Die Nachbarn und Rangerfamilien unterstützen uns und so gibt es am Abend für jeden einen Teller Schlachtewurst und gekochte Innereien. Ich schlage vor, zumindest die Leber anzubraten, aber mein Wunsch findet kein Gehör. Es schmeckt auch so gut, aber es ist ernährungsmedizinisch nur als Mahlzeit für extrem Untergewichtige wirklich vertretbar, sprich: Es ist sehr fett.

Gegen 22.30 Uhr startet wie fast jeden Abend eine Studentengruppe, um mit dem Kescher Kleinsäuger zu fangen. Diesmal sind Sebastian und ich dabei. Laghvaa, der den Furgon heute Nacht fährt,  eröffnet uns zu Beginn, dass er weiter fahren möchte als bisher, insgesamt 80 km durch die westliche Gobi B. -nachts. Ich lasse das GPS einpacken und dann geht es los. Ich kann mich während der ganzen Fahrt des Gefühls nicht erwehren, dass Laghvaa nicht wirklich weiß, wo wir gerade sind. Aber ich habe Unrecht. Nach etwas mehr als drei Stunden und einer erfolgreichen Jagd kommen  wir wieder im Camp an. Punktgenau!

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Muki, Saya, Getsii und Laghvaa nach einem erfolgreichen Nachfang

Wir fahren zunächst auf den Fahrspuren der Rangerfahrzeuge, aber dann werden diese immer undeutlicher. Wenn in den Scheinwerferkegeln Springmäuse auftauchen, halten wir an und die Jungs springen, bevor wir noch richtig stehen, blitzschnell aus dem Auto und jagen mit ihren Keschern im Schein der Kopflampen hinter den Springmäusen her. Das sieht alles chaotisch und wild aus. Die Scheinwerferkegel hüpfen auf und ab oder peitschen schräg durch die Saxaul-Steppe. Aber die Jagd ist erfolgreich. Fast jedes Mal haben sie nach einer Minute eine Springmaus oder einen Lemming im Netz. Sebastian und ich  laufen  - manchmal etwas orientierungslos,  aber stets mit viel gutem Willen  – hinterher und bekommen das eine oder andere Tier für ein Foto vor die Linse.  Nach dem Fang steigen wir wieder ein und weiter geht die Fahrt. Auch die Mädchen wollen sich einmal als Fänger probieren, bleiben aber – trotz der Anfeuerungen ihrer Kommilitonen – erfolglos.

 

Insgesamt  fangen Ganbar, Butschi und Muki  gut 10 Tiere aus sechs Arten:

Raufuß-Springmaus (Dipus sagitta)

Stylodipus sungorus (Gattung Dickschwanz-Springmäuse)

Mongolischer Pferdespringer (Allactaga sibirica)

Fünfzehen-Zwergspringmaus (Cardiocranius paradoxus)

Dickschwanz-Dreizehenzwergspringmaus (Salpingotus crassicauda)

Gelber Steppenlemming (Eolagurus luteus)

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Mongolischer Pferdespringer

 

 

 

 

 

 

 

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Ein besonders niedlicher Langohrigel

Ganz am Ende steht noch ein Langohrigel (Hemiechinus auritus) am Weg, seine kleinen Augen  beiderseits des Schnauzenkegels reflektieren unsere Scheinwerfer wie zwei Minispiegel. Wir halten an und beobachten ihn, wie er durch die Steppe wackelt. Er ist nicht so schnell wie die Springmäuse und  deshalb ein besonders  ergiebiges  Fotomotiv. Außerdem ist er mit seinen überdimensionierten Ohren und der spitzen Schnauze der Liebling der Mädchen. Er  wird nicht gefangen und trollt sich am Ende ins Dunkel. Ein Tolaihase (Lepus tolai) entkommt uns (trotz einer spektakulären Hechtrolle von Butschi, die Oliver Kahn zur Ehre gereicht hätte). Wir sehen noch je eine Gruppe Mongolenantilopen und Kamele, sie gehören aber nicht in unser Beutespektrum. Gegen 2.30 Uhr kommen wir wieder im Camp an. Und es war eine tolle Erfahrung. Müde verschwinden wir in unserer Ger.

Willi Xylander

 

 

 

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