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31.08.2011 - 6. Expeditionstag

30.09.2011, 20:31

Wie trinkt man Bier mit einem Bein?

 

Zweiter EBS, Gewicht von 500 kg. © Senckenberg am Meer-DZMB/V. Borges

Zweiter EBS, Gewicht von 500 kg. © Senckenberg am Meer-DZMB/V. Borges

„Auf einem Fuß kann Mann nicht stehen…“ Zum ersten Mal hörte ich diesen Spruch auf der FS Polarstern (der Zusammenhang ist nicht wichtig, aber beinhaltet meinen Versuch, anstatt ein ganzes Bier nur ein halbes zu trinken). Ich denke, um auf See arbeiten zu können, sind mehr als zwei Füße nötig, um erfolgreich stehen zu können – in den letzten Tagen hat also jedes Team gelernt, wie sie ihre Füße an dieser Anstrengung beteiligen und gemeinsam (nur) als Gruppe zusammenarbeiten können. Mit dem vorsichtigen Schneiden der wertvollen Zylinder (Multicorrer Team), gefüllt mit Tiefseeschlamm, in einzelne Schichten bis zum Abschrauben und Anhängen eines Gerätes vom Draht, verbessert sich unsere Choreographie und wir fangen wir an, ohne zu sprechen,  zu verstehen was der eine oder andere braucht.

Da wir nach einem 24-Stunden-Programm arbeiten, ist es schwer zu sagen, wo man anfängt über einen "Tag" zu berichten. In den frühen Morgenstunden haben wir den zweiten EBS (Epibenthosschlitten) eingesetzt um lebende Organismen, die in den oberen Schlammschichten leben, zu sammeln und bekamen einen weiteren großen Fang mit vielen Tieren, aber wenig Schlamm. Bei den besten Proben, die mit den beschriebenen Geräten genommen werden, ist der Schlamm durch das Schleppen und Einholen fast komplett weggespült, was viel weniger Arbeit für das engagierte Team macht, die das Sediment durch verschiedene Siebgrößen siebt  (und die zwischen ihm lebenden Tiere).

Heute war auch der erste Tag an dem die gesammelten Proben lang genug fixiert waren um unter dem Mikroskop untersucht werden zu können. Das Agassiz Team begann das Schleppnetz gerade auszusetzen, als die Sonne aufging, und auch sie haben einige tolle Tiere, darunter viele Ophiuriden (nahe Verwandte der Seesterne), eine Vielfalt von Seeigeln und mehrere Seegurken  (die, obwohl sie mit ihren vielen Beinchen ein bisschen wie kleine Schweine aussehen, eigentlich aber auch Verwandte der Seesterne sind).

Tiefseequalle Periphylla periphylla, Unternimmt eine Reise auf dem MUC. © Senckenberg am Meer-DZMB/D.Fiege

Tiefseequalle Periphylla periphylla, Unternimmt eine Reise auf dem MUC. © Senckenberg am Meer-DZMB/D.Fiege

Nach dem CTD Einsatz kam an diesem Nachmittag eine Überraschung, als ein sehr unwahrscheinlicher Organismus auf dem Multicorrer ritt. Obwohl dieses Gerät mit 12 Rohren auf dem Boden gelassen wird und dann diese in den Boden gedrückt werden, und anschließend Sediment hochbringt, hatte sich irgendwie eine Tiefseequalle an das Gerät gesetzt und wurde den ganzen Weg mit nach oben transportiert. Wahrscheinlich ein Exemplar von Periphylla periphylla , dieser Organismus hatte mindestens einen Durchmesser von 30 cm und hatte, verteilt über den größten Teil des Körpers und seinen Tentakeln, große Flecken von einem tiefen, schönen Rot. Viele Wissenschaftler standen Schlange, um Bilder von unserem neuen Prominenten zu machen, und ich konnte nicht umhin daran zu denken, dass unser Gast keine Ahnung davon hatte, wo sein endgültiges Ziel auf dem Multicorrer hinführen würde, als er sich darauf setzte.

Mit fortschreitendem Abend wurde die See immer rauer, der Zeitplan für unsere Einsätze musste erneuert werden, damit jedes Team seine Proben bekommen konnte, noch bevor die Wellen zu hoch wurden. Wenn das Wetter zu extrem wird, geht die Sicherheit vor und das Programm der Probennahme wird nach hinten verschoben... aber jetzt bereiten wir erstmal unsere Füße vor, um gemeinsam anzupacken.

Rob Jennings

deutsche Übersetzung: Valeska Borges



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