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IceAGE-Blog

01.09.2011 - 7. Expeditionstag

30.09.2011, 20:41

Schlechte Wetterkonditionen

 

Die Wetterbedingungen werden immer schlechter, die Wellen werden höher und höher und der Wind weht kräftig über  turbulentes Wasser. Die Prognosen sind sehr schlecht. Jeder spricht über "Irene", eine Störung, die sich von Nord-West nach Süd-Ost bewegt. Sie ist sehr schnell, und wir fahren direkt hinein.

Heute bin ich sehr früh aufgestanden, unser Einsatz ist um 6 Uhr. Ich bin sehr müde, da die letzte Nacht eine Katastrophe war. Die Wellen haben das Schiff durchgeschüttelt, und ich rollte so sehr in meinem Bett hin und her, dass ich mich irgendwie verletzt habe. Manchmal versetzt mich dieses Rollen vom Schiff in einen tiefen Schlaf, aber manchmal ist es sehr grob und heftig und schüttelt mich wach.

Bearbeitung der MUC Proben. © Senckenberg am Meer-DZMB/V. Borges

Bearbeitung der MUC Proben. © Senckenberg am Meer-DZMB/V. Borges

Als ich nach unten auf das Deck  kam, war die Sicht auf den Ozean außergewöhnlich. Sie war immer noch gut, aber was war das für ein Nebel fern am Horizont, was den Himmel mit der Meeresoberfläche verschmelzen ließ – jetzt ist es hier! ... Bringt Wind und Regen mit sich und lässt mich daran denken, dass in jeder Minute der Himmel über dem Meer zusammenbrechen will.

5 Meter hohe Wellen spülen über die Seite des Schiffes, bis über das Deck und waschen alles aus. Wellen scheinen von überall zu kommen, das Wasser hat eine Farbe zwischen Grau und Grün, und sie sind so hoch, dass man die weiße Gischt  sieht, die durch den Wind immer höher gezogen wird.

 

© Senckenberg am Meer-DZMB

© Senckenberg am Meer-DZMB

Nur die Eissturmvögel scheinen perfekt an diese Bedingungen angepasst zu sein: In der Tat scheinen sie es zu mögen mit dem Wind zu spielen oder auf den Wellen zu schwimmen, im Wettkampf mit den anderen. Jedoch ist es schwierig auszumachen, wer der beste ist. Wir müssen unsere Proben nehmen. Zum Glück ist das Wetter nicht allzu schrecklich!

Die CTD ist wieder an Bord, und in dem AGT haben sich eine Menge sehr interessanter Tiere, wie weiße Fische, kleine Tintenfische, eine Menge Schnecken und Schlangensterne gesammelt. Nun ist der MUC an Bord gekommen und jeder zeigt ein enttäuschtes Gesicht: Er ist leer! Ein weiterer Versuch mit dem MUC ist riskant, weil die Bedingungen immer schlechter werden. Also ist es besser, zuerst den Großkastengreifer (GKG) so schnell wie möglich zu fahren.

Ich fühle eine Art Sensation. Die Atmosphäre ist sehr angespannt und hat eine Menge Energie. Es scheint tatsächlich, dass die Kraft des Meeres direkt auf uns übertragen wird. Das Schiff schaukelt sehr und wir müssen wach und konzentriert sein. Bereits das Anbringen des GKG an den Windendraht ist ziemlich gefährlich. Dies ist eine sehr schwere Ausrüstung, die mehr als 1 Tonne wiegt. Die Schwierigkeit der Probenahme liegt an den Wellen: Wenn das Gerät den Boden erreicht, könnte es schräg aufkommen und nicht in das Sediment einsinken. Doch trotz dieser Bedingungen erhalten wir eine gute Probe, und wir sind bereits in der Lage, ein paar schöne große Amphipoden von dem Rest der Probe zu trennen.

Das Sediment ist sehr kompakt: Wir müssen es zerbrechen, bevor wir es sieben können. Am Ende sind wir alle erschöpft, aber zum Glück noch rechtzeitig fertig, um Mittag zu essen! Auf den heutigen Tag, wie jeden Donnerstag, fällt "der Seemanns-Sonntag", aus diesem Grund ist unsere Mahlzeit besonders gut. Vielleicht ist es sogar besser, dank unseres Hungers und, wie es traditionell so ist, bekommen wir heute auch ein Eis!

Jetzt ist das Wetter wirklich schlecht. Wir müssen warten, bis es besser wird: Vielleicht heute Nacht, vielleicht morgen. Warten ist lang. Manchmal vergeht die Zeit wie im Fluge, aber manchmal vergeht sie langsam und der Tag scheint endlos. Glücklicherweise sind die Crew und die Kollegen sehr herzliche Menschen, und können mich schon mit einem Lächeln oder einem Blick ermuntern.

Dario Fiorentino

deutsche Übersetzung: Valeska Borges



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