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IceAGE-Blog

04.09.2011 - 10. Expeditionstag

09.10.2011, 22:38, Kommentare 1 Kommentar

Seit etwa einer Woche läuft die IceAGE-Expedition nun. Und das Gefühl für die Zeit und das Datum ist wie auf solchen Reisen üblich, bereits verloren. Allein die sich wöchentlich wiederholende Abfolge der Mahlzeiten (z.B. Freitags Fisch, Samstags Eintopf, kaltes Buffet Sonntags) gibt einem Orientierung. Wir haben seitdem mehrere Gebiete im Islandbecken beprobt und uns dabei aus der Tiefsee auf den Schelf südlich der Stadt Vík vorgearbeitet. Meistens spielte das Wetter mit aber wir bekamen auch stürmische See zur Probe.

Resting Blue Whales. © Senckenbreg am Meer/T.Riehl

Resting Blue Whales. © Senckenbreg am Meer/T.Riehl

Die Expedition war bisher großartig: viele gute Proben, Freunde und Kollegen wiedersehen und neue Bekanntschaften machen, eine Mannschaft, die gut gelaunt ist und gute Laune verbreitet. Sehr viele Vögel und Wale haben wir bereits bestaunen dürfen und die See an sich bietet täglich einen neuen, bemerkenswerten Anblick. Ich fühle mich geehrt und bin dankbar, dass ich einer der wenigen auserwählten Menschen sein darf, die das erleben dürfen. Heute allerdings war für mich der aufregendste Tag der Reise – auf gute, wie schlechte Weise.

Der Arbeitstag began kurz nach Mitternacht, als wir das bisher flachste Forschungsgebiet, mit Tiefen zwischen 250 und 300 m, erreichten. Wegen der geringen Tiefe wurden die Geräte in schneller Abfolge eingesetzt und mit der Verarbeitung der Proben mussten wir sehr schnell sein. Der Meeresboden in diesem Gebiet ist sehr felsig un daher haben wir eine etwas andere Geräteauswahl eingesetzt. Der kleine aber robuste Van-Veen-Greifer kam zum ersten Mal zum Einsatz. Davon erhofften wir uns, ein Urteil über das Sediment treffen zu können. Davon sollte dann die Entscheidung abhängig gemacht werden, ob die etwas empfindlicheren Geräte, wie der Multicorer ebenfalls eingesetzt werden sollten. Aufgrund der nächtliche Stunde und der Veränderten Gerätefolge gab es zunächst einige Abstimmungsprobleme auf dem Deck und zwischen Deck und Brücke. Es dauerte aber nicht lange bis wir die erste erfolgreiche Probe an Bord und die Ordnung wieder hergestellt hatten.

Zu diesem Zeitpunkt etwa wurde mir erzähl, dass man Polarlichter sehen könne. Vom Helideck aus konnte man zunächst lediglich einen klaren Sternenhimmel erkennen und einen helleren Bereich, der wie Bewölkung anmutete. Diese Wolken wandelten sich aber seh schnell und kurz darauf erstreckte sich ein gewellter und pulsierender Vorhang über den ganzen Himmel und wurde immer klarer. Es sah genauso aus, wie man es von Postkarten kennt. Es war zwar nicht grün, sondern blass weiß – wahrscheinlich weil wir noch so weit südlich waren. Aber es war einfach unglaublich schön!

Epibenthic sledge with video and still cameras to be deployed. © Senckenberg am Meer/V.Borges

Epibenthic sledge with video and still cameras to be deployed. © Senckenberg am Meer/V.Borges

Ein mit Photo- und Videokamera ausgestatteter Epibenthosschlitten (ein Schlitten, der Kleinlebewesen vom Meeresboden fängt) wurde auf dieser Station ebenfalls eingesetzt. Da es sich um einen ziemlich neuen Type von Schlitten handelt und die Handhabung der elektronischen Geräte daran kompliziert zu handhaben sind, waren wir alle sehr auf die Ergebnisse dieses Einsatzes gespannt. Am Ende der Station hatten wir alle gute Proben, die uns den Rest des Tages beschäftigt haben. Der Schlitten hat sogar ein paar schöne Fotos und Videosequenzen vom Meeresboden mit hoch gebracht. Mit einer schlaflosen Nacht, Narben am Schlitten und einem zerrissenen Netz vom Agassiztrawl haben wir für diese Proben bezahlt, aber es hat sich gelohnt!

Etwa eine Stunde vorm Abendessen habe ich in der Ferne eine riesige Blasfontaine eines Wales gesehen. Um besser schauen zu können bin ich mit denen, die um mich standen, auf das Peildeck gegangen. Wir kamen geradewegs auf mehrere kleine Gruppen von insgesamt etwa 12 Bartenwalen zu.

Gerade als wir den Kurs geändert hatten - aufgrund eines Krankheitsausfalles mussten wir leider umdrehen und nach Reykjavic zurück fahren - drifteten zwei Wale direkt neben unserer Route. Bei näherer Betrachtung erkannten wir, dass es sich um ausgewachsene Blauwale handelte! Gerade, als wir sie erreicht hatten, ließen sie sich tiefer sinken, um zwei Minuten später hinter der Meteor wieder zu erscheinen. Es war unglaublich!

Heute wurde mir erneut klar, wie glücklich wir uns schätzen können hier an Bord – allein, weil wir die Gelegenheit bekommen haben, die Natur so direkt zu erleben und zu erforschen. Es wurde mir aber auch klar, wie isoliert vom Rest der Welt wir hier draußen auf See eigentlich sind. Da wir weit entfernt von unserem vetrauten zu Hause sind möchte ich daher diesen Blog nutzen, um denen, die uns lieb und teuer sind zu sagen, dass wir euch nicht vergessen, dass wir an Euch denken und euch lieb haben!

Torben Riehl



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1 Kommentar zu "04.09.2011 - 10. Expeditionstag"

Edna schrieb am 20.02.2012 um 11:23
den Rahmen hier nicht zu sperngen mochte ich auf den kompletten Artikel auf advisign.de verweisen var addthis_pub = ''; var addthis_language = 'de';var addthis_options = 'email,

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