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IceAGE-Blog

08.09.2011 - 14. Expeditionstag

10.10.2011, 20:35

Unerwartete Funde

 

Zum ersten Mal seit einigen Tagen kam der AGT vor Mitternacht an Deck, weshalb sich noch relativ viele neugierige Beobachter an Deck befanden, um unseren Fang zu betrachten. Unglücklicherweise wurde heute erneut unser Netz von einem großen Stein eingerissen. Während der letzten drei Einsätze wurde je ein Netz zerstört. Dies bedeutet, dass uns für den Rest der Expedition nur noch drei unbeschädigte Netze zur Verfügung stehen. Die Schaulustigen an Deck wurden dennoch nicht enttäuscht. Trotz der großen Beschädigung des Netzes hatten wir eine wirklich eindrucksvolle Probe. Seegurken mit einer violett-grünlich schillernden Haut, dutzende rosa farbene Schlangensterne und Tiefseefische mit offenen Mund sowie hervorstehenden Augen kamen zum Vorschein.

Der Star dieses Abends war jedoch eine riesige Seespinne, Colossendeis proboscidea. Seespinnen, oder Pycnogoniden, sind Cheliceraten, verwandte terrestrischer Spinnen mit kleinen Körpern und langen Gliedmaßen. Bisher haben wir lediglich Exemplare mit weniger als 5 cm Größe auf unserer Reise gefangen, aber dieses Exemplar hatte eine Spannweite von 40 cm von einer Beinspitze bis zur anderen.

Die Schaulustigen gingen langsam zu Bett, während sich das AGT-Team daran machte die Probe zu sortieren und katalogisieren. Wir waren überrascht, als wir zusätzlich noch das geschälte Exoskelett der Seespinne im Netz fanden. Bei der Sichtung der Steine waren wir erneut von der Diversität der Arten an den unterschiedlichen Stationen beeindruckt. Jeder Fang des AGT ist einzigartig, da es stets neue Arten und Überraschungen bereithält. Obwohl die Steine am Meeresboden inzwischen drei von unseren sechs Netzen zerstört haben ist unser Team sehr glücklich.

Während die Sonne scheint und der Seegang sich steigert wird die Arbeit am Mikroskop zur Herausforderung. Die Proben befinden sich in ständiger Bewegung und geraten so dauernd aus dem Blickfeld. Das Sortieren unter diesen Bedingungen stellt selbst für Diejenigen, die nicht sehr anfällig für Seekrankheit sind, eine große Beanspruchung dar. Deshalb haben sich einige Mitglieder des Sortierlabors heute dazu entschieden es sich an Deck mit einem Buch bequem zu machen oder das Schiff zu erkunden.

Nina und ich haben von oben zugesehen wie die CTD und der MUC in die Wellen gelassen wurden. Von oben erscheinen die Teammitglieder neben dem riesigen Kran mit ihren Schutzhelmen ganz klein.

Einsatz von MUC und CTD. © Auburn University/J.Cannon

Einsatz von MUC und CTD. © Auburn University/J.Cannon

Morgen früh um 4 Uhr hat das AGT Team seinen nächsten Einsatz. Bei dieser Station wird die Menge der Schaulustigen wohl eher klein ausfallen. Aber ich bin davon überzeugt, dass auch diese nächste Station wieder viele faszinierende Organismen zum Vorschein bringen wird. Drückt uns die Daumen!

Johanna Cannon
deutsche Übersetzung: Alexandra Ostmann und Sarah Schnurr



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