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IceAGE-Blog

18.09.2011 - 25. Expeditionstag

15.10.2011, 19:25

Neues und Altes (wieder-) entdecken!

 

Sortierung der Organismen aus der Tiefsee.

Sortierung der Organismen aus der Tiefsee.

 

Diskussionen über einige seltsame Tiere unter dem Mikroskop.

Diskussionen über einige seltsame Tiere unter dem Mikroskop. 

Das Wetter hier im hohen Norden ist immer noch sehr schön. Wir befinden uns auf 68°14‘ N, ziemlich genau zwischen Island und Jan Mayen, aber unglücklicherweise zu weit weg, um Jan Mayen zu sichten.
Die Wasseroberflächentemperatur beträgt ungefähr 6°C, was im Hinblick auf die arktische Lage recht hoch ist! Das lässt sich dadurch erklären, dass warmes Wasser des Atlantiks über Islands und Norwegens Küsten in die Arktis strömt. Andernfalls wäre diese Region für Menschen unbewohnbar.

In der letzten Nacht lag unsere Tiefseestation in 2160 Metern Tiefe. Deshalb benötigen wir sehr viel Drahtseil für unsere Schlitten, die hinter dem Schiff hergezogen werden. An diesem Tag benötigten wir 3300 m Seil, was gleichzeitig eine lange Schleppdauer für nur eine Probenahme bedeutet: Ungefähr 3,5 Stunden! Der Ozean ist so tief! Die größten Tiefen liegen bei ca. 11000 m. Denkt daran, wenn ihr das nächste Mal mit dem Flugzeug über den Atlantik oder Pazifik fliegt. Das ist nämlich ungefähr die gleiche Distanz zur Wasseroberfläche!

Ich war froh, als ich die Organismen aus der Probe sah, da mir einige sehr bekannt vorkamen. Während meiner Doktorarbeit, die schon einige Jahre zurück liegt, habe ich mich mit der arktischen Tiefseefauna beschäftigt. Dabei habe ich zum ersten Mal einige Organismen beschrieben. Jetzt erscheint es mir fast so, als ob ich alte Freunde wieder sehe.

Diese Tiere führen ein erstaunliches Leben; die Temperatur am Grund der nordischen und arktischen Ozeane kann bis zu -0,9° betragen, wobei ein Einfrieren des Wassers durch den hohen Salzgehalt verhindert wird. Aber auch die Organismen müssen eine Substanz in ihrem Körper haben, die das Einfrieren des Körpers verhindert. Sie haben die gleichen Probleme wie wir, wenn wir im nächsten Winter wieder Frostschutzmittel für unser Auto nutzen müssen!

Auf der „Meteor“ zu sein, ist ein großes Abenteuer. Mit einer Gruppe von 28 Wissenschaftlern gibt es immer wieder neue Diskussionsthemen in den verschiedensten Bereichen. Man hört von den neuesten Entdeckungen von Arten und bekommt neue Erkenntnisse zu deren Lebensweise.

Kapitän und Crew sind großartig, sowohl bei der Arbeit als auch uns gegenüber. Es ist eine erstaunliche Wissenschaftsplattform und ich bin sehr stolz darauf, die Chance der Teilnahme bekommen zu haben.

Jörundur Svavarsson

Wissenschaftler mit gerade gesammelten Holothurien aus dem Agassiz-Trawl.

Wissenschaftler mit gerade gesammelten Holothurien aus dem Agassiz-Trawl.



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