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Tiefsee-Expedition im antarktischen Weddellmeer

ANT-XXVIII SYSTCO II, Expeditionsbericht Nr. 2.

24.01.2012, 22:47

Abb6_Seegurke_andere Art_FotoTomas Cedhagen_21-01-12

Abb6_Seegurke_andere Art_FotoTomas Cedhagen_21-01-12

Abb7_Seegutken aus d AGT_FotoAngelika Brandt_20-01-12

Abb7_Seegutken aus d AGT_FotoAngelika Brandt_20-01-12

Momentan ist die Stimmung hier an Bord und in unserer Benthos-Gruppe sehr gut. Das Wetter ist meistens schön, öfters sonnig sogar, und die See weitgehend ruhig. Kleine „Stürme“ von 8-9 Bft. und Wellen von 4-5 m nehmen wir gar nicht mehr wirklich zur Kenntnis. Einen richtigen Sturm bis zu 11 Bft. und hohem Seegang von 7-8 m hatten wir Anfang der Woche allerdings auch schon, und das war weniger angenehm, weil für einen Tag alle Arbeiten eingestellt werden mussten, da das Arbeitsdeck, wo die Wellen einschlugen, vorübergehend gesperrt war. Ein richtig heftiger Sturm bedeutet, außer der erzwungenen Arbeitspause, dass auch das tägliche  Fittnesstraining  schwer fällt.

Gerade jetzt läuft aber alles gut. Wir befinden uns jetzt bei 53o S an der Südpolarfront, die erste große Station haben wir fast geschafft, und alle unsere Geräte konnten erfolgreich eingesetzt werden: Der kleine Multicorer („Der Kleine MUC“, Gerät zur Entnahme kurzer Sedimentkerne ), der Epibenthosschlitten (EBS) und das große Agassiztrawl (AGT).

Für das Letztere trage ich während dieser Fahrt die Verantwortung und vor dem ersten Einsatz, war ich schon etwas nervös: Habe ich alles korrekt notiert, und stimmen die Berechnungen? Zum Glück ist der erste Offizier und sehr erfahrene Nautiker, Uwe Grundmann, immer zur Stelle, das beruhigt ungemein.

Das große AGT misst 3,5 m in der Breite und  ist 500 kg schwer, sein Einsatz in 4000 m Tiefe dauert ca. 7 Stunden. Damit das AGT in der Tiefsee stabil auf dem Meeresboden liegt und gleichmäßig fahren kann, muss wesentlich mehr Kabel als die Wassertiefe (etwa 1,5 x) ausgelegt werden; bei 4000 m Tiefe fieren wir somit 6000 m Kabel aus.

Unsere Berechnungen, wo das AGT tatsächlich auf dem Meeresboden aufsetzen soll,  müssen möglichst genau stimmen, da wir die Fanggeräte alle auf etwa derselben Strecke fahren wollen, um vergleichbare Ergebnisse zu erzielen. Glücklicherweise ist auf dieser ersten großen Station alles gut gegangen.

 Abb8_AGT kommt hoch_Foto DorteJanussen 20-01-12

Abb8_AGT kommt hoch_Foto DorteJanussen 20-01-12

ABB9_ca 2 mm kleiner Raubschwammaus EBS_mit Beute mehrerer Krebstiere_Foto Tomas Cedhagen_19-01-2012

Abb9_ca 2 mm kleiner Raubschwammaus EBS_mit Beute mehrerer Krebstiere_Foto Tomas Cedhagen_19-01-2012

Abb10_Buntes ausPlanktonnetz_Ostracoden-Garnelen_Medusen_Foto DJanussen 22-01-12

Abb10_Buntes ausPlanktonnetz_Ostracoden-Garnelen_Medusen_Foto DJanussen 22-01-12

Wir haben eher kleine, aber feine, Fänge ohne  viel Sediment, aus allerlei Meerestieren bestehend: Ein paar große Fische, Seegurken, Schlangensterne, Mollusken, Borstenwürmer, Seeanemonen und in der feinen Fraktion jeden Menge Kammerlinge (Foraminiferen). So sind alle Spezialisten für Tiefseetiere an Bord schon ganz zufrieden.

Zu meiner besonderen Freude hat der EBS einen winzigen Schwamm aus der Familie der Raubschwämme (Cladorhizidae) gefangen, offensichtlich als er gerade dabei war, sich mehrere kleine Krebstiere einzuverleiben. Als Schwammspezialistin schlägt mir das Herz hoch, wenn wir einen Vertreter dieser recht seltenen, speziell an die Tiefsee angepassten Gruppe erwischen, auch deshalb weil über die Hälfte der gesammelten Arten für die Wissenschaft neu sind.

 

Fazit: Bisher gab es noch keinen riesengroßer Fang, aber den hatten wir hier auch nicht erwartet, und weniger ist manchmal mehr. Die Expedition hat ja auch gerade erst begonnen.

Dorte Janussen

 

 

 

 

 

 



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