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Der Newcomer Blog „Neu entdeckt“

Der Frosch, der verloren gehen könnte

21.10.2013, 14:44

Nur zufällig ist das Forscherteam des Senckenberg Forschungsinstituts Dresden bei Untersuchungen in den Wäldern Zentralguyanas über den winzigen Frosch gestolpert. Und vielleicht ist die Bekanntschaft nur von kurzer Dauer. Denn die Wissenschaftler prophezeien ihm keine rosige Zukunft. Sie gaben ihm den Artnamen ‚amissibilis’ – das bedeutet soviel wie: „der, der verloren gehen könnte“.

Frosch
Allobates amissibilis, neu entdeckte
mikroendemische Froschart 
(Bild: M. Hölting & R.Ernst/Senckenberg)

Der Frosch ist daumennagelgroß, unauffällig braun und kommt nur in einem kleinen Verbreitungsgebiet vor. Außerdem hat Allobates amissibilis wie nahezu alle Froscharten einen einzigartigen Ruf. Wie das Fröschlein lebt, darüber ist nur wenig bekannt. Es ist tagaktiv und die Männchen locken am liebsten bei Regen die Weibchen mit ihren Rufen. Doch das haben sie mit vielen anderen Fröschen gemeinsam. Alles andere bewegt sich im Reich der Spekulationen:

Tagaktiv am Tapirkot

Ist es Zufall, dass die Forscher die Frosch-Individuen immer in der Nähe von Tapirkot gefunden haben? Profitieren die Frösche von den Insekten in Kotnähe? Oder legen die Frösche ihre Kaulquappen in den Spuren der schweren Tapire ab, die sich während der Regenzeit mit Wasser füllen?

Diese und andere Fragen zur Lebensweise des Frosches wollen die Forscher nun klären. Sie erwarten Spannendes. Denn die nahe Verwandtschaft des Frosches in Guyana ist bekannt für ihr interessantes Fortpflanzungsverhalten: Der Kuckucksfrosch A. spumaponens platziert Kuckuck-like seine Eier in fremden Schaumnestern, um den Nachwuchs vor Austrocknung zu schützen. Die Weibchen von A. femoralis legen die Eier in die Laubstreu. Das Männchen befruchtet sie dort und trägt dann die heranwachsenden Kaulquappen Huckepack zur nächsten Wasserstelle.

Auch warum der Frosch nur in einem so eng begrenzten Gebiet vorkommt, ist noch ein ungelöstes Rätsel. Das Verhängnis solcher sogenannter Mikroendemiten ist, dass sie durch Störungen und Veränderungen des Lebensraumes besonders gefährdet sind. Und die wird es geben, wenn das Gebiet wie geplant ein ökotouristisches Reiseziel wird. Sein Artname soll diese Gefährdung zum Ausdruck bringen. Bleibt zu hoffen, dass die Wissenschaftler nicht nur die Geheimnisse um Allobates amissibilis lüften, sondern auch dazu beitragen können, dass der Frosch doch nicht verloren geht.

Ein kleiner Etappensieg wurde bereits erreicht: Allobates amissibilis hat es auf die "Top-New-Species-List" 2013 geschafft. Viel Aufmerksamkeit für ein nur daumennagelgroßes Fröschchen!

 http://news.mongabay.com/2013/1223-top-new-species-2013.html

Martina Lauber



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