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FS Sonne - KuramBio

09. August 2012 - 20.Expeditionstag

05.09.2012, 19:36

Heute dampfen wir von Station B1 zu B2. Gestern haben wir die Stationsarbeit in der russischen 200-Meilen-Zone beendet und werden nun unsere weitere Stationsarbeit in internationalen Gewässern aufnehmen. Innerhalb der vergangenen 10 Arbeitstage haben wir vier Stationen erfolgreich abgearbeitet – bereits ein sehr gutes Ergebnis. Aber während dieser Expedition nehmen wir nicht nur Proben und fixieren sie für spätere Analysen, z.B. unser Epibenthosschlitten (EBS)-Team hat bereits begonnen die Supranetz-Proben der ersten EBS Fänge auf FS Sonne zu sortieren. Die Daten werden uns am Ende der Expedition einen Überblick über die Zusammensetzung, Abundanz und Verbreitung der Makrobenthos-Organismen geben. Heute beenden wir die Sortierung des Supranetzes der zweiten Station.

Die Netzbecher der beiden ersten Stationen sind unglaublich reichhaltig an Tiermaterial, es ist ein harter „Aschenputtel“-Job die unzähligen nur Millimeter großen Kreaturen aus dem Foraminiferen Dschungel herauszusuchen. Die dominante Gruppe der Makrobenthos-Gemeinschaften hinsichtlich Artenreichtum und Diversität sind die peracariden Krebse, welche die Ordnungen Isopoda (Meeresasseln), Amphipoda (Flohkrebse), Cumacea (Schlickkrebse), Tanaidacea (Scherenasseln) und Mysidacea (Schwebgarnelen) umfassen.

Foto 1: Asellote Meeresassel der Gattung Betamorpha (Munnopsidae). © Ivan Marin

Foto 1: Asellote Meeresassel der Gattung Betamorpha (Munnopsidae). © Ivan Marin

Foto 2: Die Klappenassel Chaetarcturus bathybialis (Birstein, 1963). © Anastassya Maiorova

Foto 2: Die Klappenassel Chaetarcturus bathybialis (Birstein, 1963). © Anastassya Maiorova

Unser EBS-Team ist eine „Isopoden-Mafia“, wir haben bereits erste vorläufige Ergebnisse und können sagen, dass z. B. in der ersten Probe ca. 50 Isopodenarten der Asellota (eine Unterordnung der Meeresasseln, die in der Tiefsee dominant ist) zu finden waren.

Dies ist eine unglaubliche Diversität, besonders wenn man berücksichtigt, dass diese ersten Stationen im Vergleich zu den Grabenstationen im Kurilen Kamchatka Graben eher noch etwas individuen- und artenärmer waren. Mit Hilfe der anderen Geräte (Großkastengreifer und Multicorer) haben wir weitere gut erhaltene Tiere gefunden: zwei große Individuen der Munnopsidae (Betamorpha sp. 1, Foto 1), einem Vertreter der schwimmfähigen Meeresasseln.

Diese Tiere lagen oben auf dem Greifer und waren völlig intakt, sie besaßen noch ihre langen Antennen und Laufbeine. In einem Probenrohr des Multicorers saß ein hübscher Chaetarcturus bathybialis (Foto 2) auf einer riesigen Foraminifere von mindestens 9 cm Länge wie ein Vogel auf einem Ast. Dieses Tier und eine andere Arcturidenart, Astacilla cf. anophtalma (Foto 3), waren die einzigen Meeresasseln, die nicht zu den dominanten Tiefsee-Asellote gehören. Olga und Angelika haben sich über diese Funde besonders gefreut. Von dem ersten Supranetz sind nun alle Meeresasseln weitestgehend auf Gattungs- und Artniveau sortiert. Die schwimmfähigen Munnopsiden sind die diverseste Familie mit 6 Unterfamilien, 12 Gattungen und 17 Arten. Von den weiteren 10 Isopodenfamilien wurden ca. 30 Arten identifiziert. Eines unserer Ziele ist es neue Arten zu finden, aber auch schlecht beschriebene Arten der ehemaligen Vitjaz Expedition, die vor ca. 50 Jahren stattfand, wiederzufinden.

Mein persönliches Interesse galt der winzigen (1.5 mm langen) Art Microcope ovata, die von Birstein, 1963 in der Gattung Eurycope beschrieben worden war. Ich habe mich auch mit südpolaren Tiefsee-Meeresasseln beschäftigt und habe zwei neue Arten dieser neuen, von mir eingeführten Gattung aus dem Weddellmeer beschrieben zu der Microcope ovata (Birstein, 1963) heute gehört.

Unglücklicherweise konnte ich das Typusmaterial nicht studieren und vergleichen, da es im Zoologischen Museum in Moskau unauffindbar war. Nun haben wir viele Individuen dieser Art gesammelt.

Foto 3: Die Meeresassel Astacilla cf. anophtalma. © Ivan Marin

Foto 3: Die Meeresassel Astacilla cf. anophtalma. © Ivan Marin

Wir hoffen, dass wir auch andere der schlecht beschriebenen Arten von Birstein wieder entdecken und nachbeschreiben können. Torben (Taxonom und Genetiker) nimmt DNA-Sequenzen einiger Schlüsselarten unseres gesammelten Materials. Seine Ergebnisse sollen helfen die stammesgeschichtlichen Beziehungen der Gattungen und Familien zu beleuchten. Gleichzeitig sortiert und identifiziert Torben die Arten seiner Lieblingsfamilie, den Macrostylidae. Er beschäftigt sich mit der Weltfauna dieser Gruppe und wird vielleicht auch einige der Arten revidieren, die ehemals von Birstein beschrieben worden waren und die wir nun im Kurilen Kamchatka Material wiederentdeckt haben. Torben hat bereits sechs Arten an unserer ersten Station nachgewiesen.

Marina V. Malyutina A.V. Zhirmunsky Institut für Marine Biologie, FEB RAS, Wladiwostok


 



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