Senckenberg LogoSENCKENBERG
world of biodiversity

Blogansicht

FS Sonne - KuramBio

Sonntag, 19. August 2012 - 30.Expeditionstag

17.09.2012, 20:51

Heute ist Sonntag, aber wegen der hohen Expeditionskosten und unserem Forscherdrang ist klar, dass auch Sonntags gearbeitet werden muss! Neben der Crew sind inzwischen alle Wissenschaftler vertraut mit den Tiefsee-Probennahmen und dem Zusammenleben an Bord. Zum Glück lernt man das Jonglieren zwischen Arbeit, Schlafen und sozialen Kontakten schnell, so wie das Jonglieren mit Bällen – besonders interessant ist es für jene, die diese Erfahrungen zum ersten Mal machen. Knifflig wird es auch, wenn Kabinenpartner unterschiedliche Arbeitsschichten haben. Ich teile meine Kabine mit dem Doktoranden Nikolaus Elsner, der genauso beschäftigt ist wie ich, wenn nicht sogar noch mehr, da er für die Datenbank und viel Papierarbeit zuständig ist. Wenn ich schlafe, arbeitet er und andersrum. So ist es schwer, in die Kabine zu kommen ohne den schlafenden Freund zu wecken.

Ich habe Glück, Mitglied des Multicorer-Teams zu sein. Mit diesem Gerät können die Proben schnell genommen werden und sie haben eine hohe Qualität, da das Sediment relativ ungestört an Deck geholt werden kann. Während meine Kollegen Stunden damit verbringen, groβe Mengen an Schlamm zu sieben, muss ich lediglich einen 30 cm langen Sedimentkern aus dem Rohr schieben. Dieser liefert einen fantastischen Einblick in das in situ Leben in Tiefsee-Sedimenten (Abbildung 1). Die aufrechte Röhre auf dem Foto ist ein groβes Exemplar einer Foraminifera – eine sehr vielseitige aber häufig nicht beachtete Gruppe der Protisten.

Andere Probenahmegeräte bringen auch für mich verwertbare Proben an Deck (Abbildung 2). Zum Beispiel habe ich in einem einzigen Löffel von einer Probe aus dem Epibenthosschlitten die meisten lebenden und diversesten Foraminifera gesammelt (ca. 400 fixierte Exemplare für morphologische und genetische Untersuchungen).

Abbildung 1. Ungestörte Tiefsee-Sedimentoberfläche in einem Multicorer-Rohr mit einer Foraminifere. © Franck Lejzerowicz

Abbildung 1. Ungestörte Tiefsee-Sedimentoberfläche in einem Multicorer-Rohr mit einer Foraminifere. © Franck Lejzerowicz

 Für den Fahrtleiter, der solch eine groβe Fahrt plant, ist es eine herausfordernde Aufgabe, ein effizientes Team zusammenzustellen, denn die Biodiversität des Tiefseebodens ist viel höher als die Anzahl an Wissenschaftlern, die auf ein Forschungsschiff passen. Die Verteilung der Plätze an Bord ist abhängig von dem wissenschaftlichen Schwerpunkt, der verfügbaren Ausrüstung und dem persönlichen Terminkalender. Von drei Expeditionen, an denen ich Dank unserer Fahrtleiterin Prof. Dr. Angelika Brandt teilnehmen konnte, war ich zweimal allein dafür zuständig, die Gruppe der Foraminifera zu bearbeiten (SoJaBio und KuramBio Expeditionen). Während der letzten Expedition im Südpolarmeer konnte ich mit dem Experten Tomas Cedhagen zusammenarbeiten, von dem ich sehr viel gelernt habe. Deshalb möchte ich gerne an alle Fahrtleiter eines von Tomas liebsten Zitaten richten: “ Das Leben ist eine lange Reihe von Kompromissen.”

Abbildung 2. Eine groβe, agglutinierte Foraminifere aus dem Agassiz trawl – Astrorhiza sp. © Franck Lejzerowicz

Abbildung 2. Eine groβe, agglutinierte Foraminifere aus dem Agassiz trawl – Astrorhiza sp. © Franck Lejzerowicz

Nach der harten Arbeit an Deck, dem Sortieren am Binokular und dem täglichen Papierkram, ist man jedoch immer willkommen mit anderen Filme anzuschauen, einen heiβen Kakao zu trinken oder sich einfach zu entspannen, eine nette Belohnung vor dem nächsten Arbeitstag. Unsere liebe “Sonne” (Forschungsschiff Sonne) strahlt wunderbar und erleuchtet die Augen interessierter junger Master-Studenten und Doktoranden  – oder ist es eher die Ermutigung erfahrener Wissenschaftler?

Franck Lejzerowicz, University of Geneva, Department of Genetics and Evolution

 

 

 



Vorheriger Eintrag | Nächster Eintrag

Eigenen Kommentar hinzufügen




Kommentar absenden