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FS Sonne - KuramBio

Mittwoch, 22. August 2012 - 33.Expeditionstag

29.09.2012, 12:08

Würmer

 

Würmer sind sehr weit verbreitete Organismen. Wir haben fast auf jeder Videoaufnahme des OFOS Spuren von Würmern gesehen, aber wir wissen mehr über Tiefsee-Foraminiferen (Kammerlinge) und Weichtiere als über Tiefseewürmer, weil sie in der Regel sehr zart und fragil sind und oft kaputt oder unvollständig sind, wenn wir sie an Deck holen. Es ist dann  oft unmöglich diese Körperfragmente zu identifizieren, wenn sie aus den Greifern oder Schleppnetzen kommen. Modernere Probenahmemethoden ermöglichen uns heute, die Tiere teilweise lebend an Bord zu studieren und sie mit all ihren Farben in ihrem Lebensraum (z. B. Großkastengreifer) zu analysieren, das alles erzählt uns sehr viel über diese Tiere.

Foto 1: Spritzwurm in Foraminiferenröhre (Kammerling). © Anastassya Maiorova

Foto 1: Spritzwurm in Foraminiferenröhre (Kammerling). © Anastassya Maiorova

Bis jetzt haben wir Würmer aus ganz verschiedenen Tiergruppen gesammelt – Fadenwürmer, Hakenrüssler, Schnurwürmer, Priapswürmer, Borstenwürmer, Eichelwürmer, Bartwürmer und Spritzwürmer. Die Borstenwürmer sind die dominante Wurmgruppe in den Tiefseegemeinschaften. Bisher haben wir 25 Familien der Borstenwürmer (Polychaeten) gefunden und schätzen die Gesamtzahl der Arten in dieser Region auf mehr als 100.

Die Familie Spioniden ist am häufigsten in unserem Material, aber wir haben auch andere interessante Familien gefunden, die bisher im Flachen nicht gefunden worden sind – Fauveliopsidae. Eichelwürmer sind ebenfalls sehr häufig in unseren Proben – sackartige Würmer mit durchsichtiger Haut und einem spatenförmigen Rüssel. Vor kurzem wurde nachgewiesen, dass diese Würmer sehr nahe verwandt mit den Borstenwürmern sind. Der russische Zoologe Lev Zenkevitch hat bereits sehr viele abyssale und hadale Eichelwürmer vom Kurilen Kamchatka Graben beschrieben, und wir haben jetzt nach 50 Jahren die wunderbare Gelegenheit, lebende Echiuriden für die Genetik und für Fotos zu sammeln.

Spritzwürmer sind ebenfalls nahe mit den Ringelwürmern verwandt, zu denen auch die Borstenwürmer zählen. Es gibt in den Weltozeanen viele Arten, die auch sehr häufig sind. Dennoch sind alle Spritzwürmer sehr einfach gebaut und haben sehr viele urtümliche Merkmale seit dem Kambrium beibehalten. Bisher haben wir fünf Arten dieser Spritzwürmer gefunden, die sich oft in verschiedenen Verstecken aufhalten, wie in Röhren von Foraminiferen oder Borstenwürmern oder auch in Molluskenschalen. Ein anderer sehr interessanter Typ von Würmern, die wir auf dieser Expedition gefunden haben, sind die Schnurwürmer (Nemertinen).

Foto 2: Schnurwurm. © Anastassya Maiorova

Foto 2: Schnurwurm. © Anastassya Maiorova

Bisher sind ca. 1300 Arten beschrieben, es sind aber nur 14 bodenlebende Arten aus Tiefen über 1000 m beschrieben worden. Der bisher am tiefsten beschriebene Schnurwurm kam aus 3590 m Tiefe. Wir haben nun auf dieser Expedition diese Würmer aus 5000-6000 m Tiefe nachgewiesen. Besonders erwähnenswert ist eine symbiontische Schnurwurmart von ca. 4 cm Länge, die sich in der Kiemenhöhle einer Tiefsee-Seescheide der Gattung Culeolus befand.

Anastassya Maiorova, Alexei Chernyshev, und Inna Alalykina (A.V. Zhirmunsky Institut für Marine Biologie, Wladivostok)




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