FS Sonne - KuramBioSonntag, 26. August 2012 - 37.Expeditionstag29.09.2012, 13:14
Ich arbeite in dem Multicorer-Team, da ich marine, freilebende Nematoden (Fadenwürmer) untersuche (wer mehr über den Multicorer und Nematoden wissen möchte sollte die Bordtagebücher vom 02.08.2012, 10.08.2012, und 19.08.2012 lesen). Meiobenthos-Organismen sind sehr klein und besiedeln alle möglichen Habitate, sie werden als die häufigsten multizellulären Organismen unseres Planeten eingestuft. Marine Nematoden sind nicht nur sehr häufig, sondern auch sehr divers (siehe z. B. Abbildung 1). Heute sind ca. 5000 Arten mariner Nematoda bekannt, aber die geschätzte Artenzahl liegt bei mehreren zehn- oder gar hunderttausend Arten. In der Tiefsee sind bisher jedoch nur ca. 700 Arten bekannt, obwohl die Tiefsee 91 % unseres Ozeanbodens einnimmt. Nematoden sind bisher in der Tat sehr schlecht untersucht. Wenn wir alle Meiobenthosproben zusammen addieren, die bisher aus der Tiefsee analysiert wurden, so würde der untersuchte Tiefseemeeresboden mehrere hundert Quadratmeter nicht überschreiten. Unsere Expedition wird weitere 1.5 m² zu dieser Fläche hinzufügen :). Die Artendiversität (Anzahl der Arten pro Anzahl der Individuen) der Tiefsee-Nematoda ist sehr hoch. Sie ist vergleichbar mit der Anzahl der Nematoden, die tropische Korallenriffe besiedeln. Das ist der Grund, warum wir sogar mehrere hundert Nematodenarten in einer Tiefseeprobe eines Multicorers finden können, und 95% davon können unbekannt sein! Das klingt unglaublich, besonders für Zoologen, die Säugetiere oder Vögel bearbeiten. Wenn jemand von diese Forschern jemals eine neue Art findet und beschreibt, dann ist das ein einzigartiger Moment in ihrem Forscherleben und sogar Zeitungen berichten darüber! Für einen marinen Nematologen ist das Beschreiben neuer Arten jedoch Routine. Wenn ich mir vornehmen würde alle neuen Arten der Nematoden zu beschreiben, die wir auf dieser Expedition gefunden haben, so würde die Dauer meines Lebens dafür nicht ausreichen. Das ist auch der Grund dafür, dass wir unglücklicherweise nur die häufigsten oder phylogenetisch oder biogeographisch interessanten Arten beschreiben können. Dmitry Miljutin (Senckenberg, DZMB, Wilhelmshaven, Deutschland)
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