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Isla del Coco Expeditions-Blog

Endemische Echse Nr. 2: Kleiner Kugelfinger

19.12.2013, 00:04 von Benutzer Sebastian Lotzkat

Die zweite endemische Echse der Kokosinsel entdeckt man tagsüber selten, wenn man nicht gezielt nach ihr stöbert. Um den Pazifischen Kugelfingergecko ohne größeren Aufwand zu sehen sollte man sich Zeit lassen bis nach Sonnenuntergang...

fleckig
Heller verzweigter Rückenzweig oder dunkle Flecken? So ähnlich sahen die Exemplare aus, anhand derer Sphaerodactylus pacificus 1903 beschrieben wurde.

blass       gestreift
Dieses "typische" Muster kann auch bis zur Unkenntlichkeit verblassen...                         ...oder ganz fehlen und durch Längsstreifen ersetzt sein.

.

 

Zwei Jahre nach der Beschreibung von Townsends Saumfingerechse erhielt der amerikanische Herpetologe Leonhard Stejneger von Paul Biolley, der gemeinsam mit Henri Pittier zweimal die Kokosinsel besucht hatte, einige dort gesammelte Echsen. Unter diesen fanden neben den bereits beschrieben Anolis auch fünf kleine Geckos, die keiner beschriebenen Art zugeordnet werden konnten. Stejneger beschrieb die Tiere 1903 als Sphaerodactylus pacificus (zu deutsch Pazifischer bzw. Kokosinsel-Kugelfingergecko).

Kugelfinger
Fuß von unten: Die Krallen ragen seitlich aus den kompliziert gebauten
"Fingerkugeln" heraus. Deren weiße Haftfelder sind gut zu erkennen.

Kugelfingergeckos (Gattung Sphaerodactylus) sind kleine, sehr zierliche Reptilien. In der Tat beinhaltet die hauptsächlich im Karibikraum verbreitete Gattung einige der kleinsten Echsen- und damit Reptilienarten überhaupt. Ihre schlanken Finger enden in einem namengebenden, entfernt kugelförmigen Gebilde aus Schuppen, welches die Kralle bei Nichtgebrauch umschließt und an der Unterseite eine kleine Haftfläche aufweist. Der Kokosinsel-Kugelfingergecko S. pacificus ist die größte bekannte Art dieses Verwandtschaftskreises. Wie die tagaktive Saumfingerechse ist auch er ein sehr guter Kletterer, mit seinen kurzen Beinchen aber eher zum schnellen Schreiten als zu weiten Sprüngen befähigt.

 

 

Ei       Zunge
Da ist wirklich ein Wirbeltier drin! Weibchen von S. pacificus legen nur ein Ei.                Die breite Zunge hält Augen und Gesicht sauber.

 

Nachts sind die kleinen Geckos unterwegs, wobei sie ihren Schwanz um Zweige und Blattränder legen und so als zusätzliche Kletterhilfe benutzen. Bei Gefahr springen die Tiere einfach von ihrer Unterlage bzw. lassen sich von dieser fallen. Wir fanden Sphaerodactylus pacificus in allen besuchten Vegetationstypen auf Blättern, Zweigen oder Lianen bis mehrere Meter über dem Boden. An den Gebäuden in Bahía Wafer und Bahía Chatham halten sich zahlreiche Kugelfingergeckos an Wänden und Dächern auf – so wie man es von Geckos in südlichen Ländern kennt.

auf Farn
Endemischer Gecko auf endemischem Baumfarn (Cyathea alfonsiana): Ein Vertreter der Zeichnungsvariante mit weißen Flecken und Streifen.

 

Nur eines fanden wir nicht: einen Sphaerodactylus auf dem Boden (es sei denn er war vorher dort hingesprungen). Dabei ist er laut Literatur ein "ground gecko", also ein Bodenbewohner. Dem können wir nach unseren Beobachtungen nur widersprechen. Es gibt allerdings auch nur drei Publikationen in denen mehr als ein paar Sätze über diese Art geschrieben steht. Nach unserer ausgiebigen Beschäftigung mit den Kokos-Kugelfingern können wir diesen nun eine weitere hinzufügen.

auf Blatt
Gibt's da was? Die Grille im Hintergrund ist wohl zu groß.

tags
Individueller Farbwechsel: Am Tag darauf ist das gleiche Tier wesentlich dunkler.

 

Denn über Sphaerodactylus pacificus ist im Grunde genommen noch weniger bekannt als über Anolis townsendi. Auch im Falle dieser Art erweitert unser Material die Kenntnis der arttypischen Variabilität, also unser Verständnis dessen, "was diese Art ausmacht". Beispielsweise fanden wir neben Tieren mit der "typischen" Rückenzeichnung aus einem mittleren Längsstreif mit angrenzenden Fleckenreihen viele Exemplare mit einem ganz anderen Rückenmuster: dieses besteht aus mehreren Längsstreifen und wurde für die Art noch nicht beschrieben.


von Sebastian Lotzkat und Joseph Vargas

 

Augenaufschlag
Ist er nicht süß? Auch andere fanden diesen kleinen Gecko schon zum Anbeißen, wie der gerade regenerierende Schwanz beweist.



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