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Isla del Coco Expeditions-Blog

Invasiver Neuzugang

27.12.2013, 18:31 von Benutzer Sebastian Lotzkat

Schon am Morgen unserer Ankunft hatte man uns erzählt, dass seit einigen Monaten "noch ein anderer Gecko" auf der Insel gesichtet wird. Unser Verdacht, um wen es sich bei diesem Neozoon wahrscheinlich handeln würde, wurde gleich am ersten Abend durch sein vertraut wirkendes Gackern erhärtet...

Bald nachdem sie akustisch bemerkbar gemacht hatten sahen wir sie auch schon an den Wänden unseres Wohnhauses, der bunt bemalten Casa de Voluntarios: Sehr hell, ja fast weiß gefärbte Geckos, die robuster und größer waren als die zierlichen Kugelfinger. Nach dem Fang eines Individuums verschafften wir uns Gewissheit: Es handelte sich um den Asiatischen Hausgecko Hemidactylus frenatus, der mit seinen breiten Haftlamellen wahrhaftig an scheinbar jeder Oberfläche "klebt". Diese genügsame Echse hat im Gefolge des Menschen quasi alle tropischen Regionen unseres Planeten besiedelt – nun also auch die Isla del Coco.

female
Nomen est omen: Der Asiatische Hausgecko fühlt sich an und in Häusern pudelwohl und bewegt sich souverän auf allen Oberflächen.

 

Auf dem mittelamerikanischen Festland sind diese Geckos inzwischen fast überall in Siedlungsbereichen anzutreffen. In Costa Rica wurden sie nach derzeitigem Wissensstand zwar erst in den 1990er Jahren eingeschleppt, gehören aber in den tropisch-warmen Tieflagen bereits wie selbstverständlich zur Lebewelt der Menschen. Ganz ihrem Namen entsprechend lassen sich Asiatische Hausgeckos meist in Häusern nieder und profitieren dort von dem Ungeziefer, das wir mit Licht und Lebensmitteln anziehen. Als biologische Schädlingsbekämpfer im Haushalt genießen sie vielerorts einen ausgezeichneten Ruf – sofern sie nicht abergläubisch gefürchtet werden.

left hand
Die breiten, weißlichen Haftlamellen sind unter der linken Hand gut sichtbar.

Wie und wann genau der Asiatische Hausgecko hier angekommen ist bleibt unklar. Ein trächtiges Weibchen, das vor dem Verladen in Puntarenas in eine Kiste mit Bananen oder Ersatzteilen geschlüpft ist und diese erst auf der Insel wieder verließ, hätte im Prinzip schon ausgereicht. Fest steht: Er ist hier angekommen und hatte offenbar einen guten Start. Zum Zeitpunkt unserer Ankunft lebten bereits mindestens dreißig Individuen in der Casa de Voluntarios und waren teilweise schon auf nahegelegene Beton- und Stahlkonstruktionen vorgedrungen. Einzelne Tiere hielten sich zudem in "La Villa" weiter landeinwärts auf.

 

juvenile
Besonders Jungtiere sind oft kontrastreich gemustert.

 

Der Fall Hemidactylus steht stellvertretend für einen gewichtigen Faktor im natürlichen System Kokosinsel: die Vielzahl vom Menschen eingeführter, natürlicherweise nicht hier vorkommender Arten (Neobiota). Ob absichtlich ausgesetzt wie die Schweine oder versehentlich mitgeschleppt wie die Ratten – einige dieser Neubürger beeinflussen die Ökosysteme der Insel nachhaltig. Der vermehrungsfreudige und konkurrenzstarke Asiatische Hausgecko findet auf der Kokosinsel beste Lebensbedingungen und hat im Zweifelsfall das Zeug dazu, sich zwischen diesen invasiven Arten einzureihen.

 

routine
Unseren eingeschleppten Mitbewohnern widmeten wir uns natürlich auch
gerne nebenbei oder nach Feierabend mit großem Interesse.

 

Angesichts des beobachteten Reproduktionserfolges – wir fanden während unseres gesamten Aufenthaltes immer wieder frisch geschlüpfte Jungtiere – ist von einer weiteren Zunahme der Individuenzahl auszugehen, für die die beiden genannten Gebäude nicht mehr genug Raum bieten werden. Inwiefern sich das negativ auf die Populationen des einheimischen Kugelfingergeckos auswirkt bleibt abzuwarten. Die gleichzeitige Nutzung der Wände der Casa de Voluntarios lässt allerdings bereits gewisse Konfliktpotentiale erahnen, die von vergleichbaren Konstellationen auf dem Festland nicht unbekannt sind.


von Sebastian Lotzkat und Joseph Vargas

 

 

 

 

 



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