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Isla del Coco Expeditions-Blog

Unsere gefiederten Freunde

07.01.2014, 11:48 von Benutzer Sebastian Lotzkat

Nach der Lektüre des vorangegangenen Blogs könnte man meinen, die Vogelfauna der Kokosinsel bestünde fast nur aus Tölpeln...

charadrius
Der Amerika-Sandregenpreifer brütet in Nordamerika. Im Winter sucht er auf der Kokosinsel nach Nahrung und erfüllt die Buchten nicht nur bei Regen mit seinen Pfiffen.

Numenius
Schön warm hier: Auch der Regenbrachvogel ist ein regelmäßiger Wintergast.

 

Doch weit gefehlt! Insgesamt sind um die 130 Vogelarten von der Kokosinsel bekannt. Damit sind die Vögel hier die artenreichste Wirbeltiergruppe oberhalb des Meeresspiegels und prägen alle terrestrischen Lebensräume. Dank ihrer reichen Ressourcen bildet die Insel einen perfekten Rastplatz für viele Zugvögel und ein Saisonquartier für andere. Davon kann man sich quasi vor der Haustür auf den Wiesen und am Strand der Bahía Wafer überzeugen: Besonders während der Vogelzüge im Frühjahr und Herbst füllen hier diverse Zugvogelarten in scheinbar wöchentlich wechselnder Besetzung ihre Nahrungsvorräte auf.

Halbstarke
Die Kinder vom Krachmacherfelsen: Gerade gemauserte jugendliche Tölpel gehen selbst noch nicht fischen. Ihre Freizeit verbringen sie, wie hier auf der Isla Manuelita, sehr gerne mit der gemeinsamen Erprobung ihrer Stimmleistung.

Küken
Süß solange sie klein sind: ein Rotfußtölpel-Küken wartet im Nest auf Futter.

 

 

Als einziger Flecken Land im Umkreis von 500 Kilometern ist die Kokosinsel ein natürlicherweise prominenter Fixpunkt für Meeresvögel. Die meisten der gut 30 nachgewiesenen Arten verbringen als Zugvögel lediglich einen Teil des Jahres hier, während andere (wie etwa der Galapagos-Albatros) nur gelegentlich mal vorbeischauen. Ganze acht Seevogelarten brüten auf der Insel – was uns unweigerlich wieder zu den Tölpeln bringt.

 

Sula sula
Irgendwann ist Schluss mit putzig: beim Heranwachsen verliert sich das flauschige Daunenkleid, wie bei dieser Rotfußtölpel-Familie zu sehen.

Sula leucogaster
Weißbauchtölpel brüten bodenständiger und sehen auch sonst ernster aus.
Das weibliche Gegenstück zu dem hier abgebildeten Männchen ist im vorigen
Eintrag beim Beschatten seiner Eier zu sehen.

 

Denn neben den selten hier auftauchenden Blaufußtölpeln und einer kleinen Kolonie von Maskentölpeln sind es vor allem die bereits im vorigen Kapitel angesprochenen Rotfuß- und Weißbauchtölpel, die mit mehreren hundert bis tausend Brutpaaren das Bild der hiesigen Vogelwelt prägen. Während die Weißbauchtölpel (Sula leucogaster) eher auf dem Boden der vorgelagerten Felsinseln und der Felsküsten nisten, bauen die häufigeren Rotfußtölpel (Sula sula) ihre Nester in Bäumen. Dies tun sie in großer Zahl auch entlang bewaldeten Hänge in Küstennähe und verleihen dort durch ihre irgendwie prähistorisch anmutenden Laute dem Regenwald einen besonders urtümlichen Flair.

 

Fregata
Kleptoparasitismus: Ein hungriger Fregattvogel verfolgt einen Tölpel.

Andere nicht zu übersehende Seevögel sind beispielsweise diverse Arten von Seeschwalben – darunter die rein weiße Feen-Seeschwalbe, die leider immer zu weit von unseren Kameras entfernt blieb (dafür ist sie im Frankfurter Museum ausgestellt). Die unbestrittenen Herrscher im Luftraum der Insel aber sind die rund zwei Meter Spannweite erreichenden Fregattvögel, unter denen der Bindenfregattvogel (Fregata minor) mit mehr als 1000 Brutpaaren vorherrscht. Diese Luftakrobaten ernähren sich ausschließlich im Flug – von "fliegenden" oder sonstwie oberflächennahen Fischen und Kalmaren und von der Beute der Tölpel, die durch heftiges Malträtieren zum Fallenlassen derselben gezwungen werden. Da mutet es geradezu zynisch an, dass sich die Fregattvögel mitten in den Tölpelkolonien zum Brüten niederlassen.

Kuckuck
Triefnass, zerzaust und seltsamerweise ohne die langen Schwanzfedern,
aber immerhin: Ein Kokoskuckuck im Nebelwald des Cerro Pelón.

 

Die überwältigende Mehrzahl der knapp 100 nicht-marinen Vogelarten sind Zugvögel. Nur fünf Arten brüten auf der Insel – von diesen kommen aber immerhin drei ausschließlich auf der Kokosinsel vor. Der etwa meisengroße Kokosinsel-Fliegenschnäpper (Nesotriccus ridgwayi) fängt, wie für Fliegenschnäpper üblich, Fluginsekten aus der Luft und ist dabei so flink und unstet unterwegs, dass uns partout kein Foto dieser recht häufigen Art gelingen wollte. Ein seltener Anblick im Geäst des Waldes ist der wesentlich größere Kokosinsel-Kuckuck (Coccyzus ferrugineus), zu dessen Hauptnahrung unser tagaktives Studienobjekt Anolis townsendi gehört.

 

Der Landvogel schlechthin aber ist der Kokosfink!
Dieser ebenfalls für die Kokosinsel endemische Brutvogel mit dem klangvollen wissenschaftlichen Namen Pinaroloxias inornata ist der einzige Vertreter der so genannten Darwinfinken (ja, auch er wurde in Darwins evolutionstheoretische Überlegungen einbezogen) außerhalb des Galapagos-Archipels. Wie der Kokos-Saumfinger unter den Echsen oder der Rotfußtölpel unter den Seevögeln ist der Kokosfink unter den Landvögeln der Insel diejenige Art, die tagsüber wirklich ständig und allerorten problemlos in großer Zahl zu beobachten ist.

Pinaroloxias w           Pinaroloxias m
Kokosfinken-Weibchen (an dem noch gelben Schnabel erkennt man, dass es sich                           ...während ihre Männchen vollkommen schwarz daherkommen.
um ein junges Exemplar handelt) sind in unverschiedenen Brauntönen gesprenkelt...

Blütenbesuch
Vielseitiges Vögelchen: Kokosfinken besuchen auch gerne Blüten, um an deren
Nektar zu kommen, wie hier am Strand von Wafer.

 

Während diese putzigen Gesellen in kleinen Trupps herumziehen, suchen sie jedes nur erdenkliche Versteck nach Nahrung ab. Da werden Blätter umgedreht und Steinchen beiseite gerollt um darunter versteckte Insekten aufzustöbern, aber auch verschütteter Kaffee (bevorzugt mit Milch und/oder Zucker) und am Flaschenrand angetrocknete Chili-Sauce (obwohl ungezuckert) nicht verschmäht. Dabei zeigen die Vögelchen kaum Scheu vor uns Menschen und dringen ohne Zögern jederzeit in Gebäude vor, aus denen sie regelmäßig verjagt werden müssen um nicht beispielsweise über Nacht in der Küche eingeschlossen zu werden.

Vater werden ist nicht schwer...
...Vater sein dagegen sehr: Sobald ein junger Kokosfink (rechts) flügge ist verfolgt er seinen Vater (links) auf Schritt und Tritt. Durch ständiges Flügelschlagen und nervtötende, etwa alle halbe Sekunde ausgestoßene Tschirp-Laute wird der Erzeuger dabei pausenlos an seine Fürsorgepflicht erinnert.

 

 

von Sebastian Lotzkat und Joseph Vargas



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