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Isla del Coco Expeditions-Blog

Das große Krabbeln

18.01.2014, 00:20 von Benutzer Sebastian Lotzkat

Da wir ihnen während unseres Camps in den Llanos noch näher als sonst kamen, möchten wir noch eine letzte Gruppe nicht-herpetologischer Inselbewohner vorstellen...

Landkrabbe
"Ich tu' Dir was, wenn Du mir was tust": statt gleich zu flüchten machen große Landkrabben im Regenwald gerne erstmal ihren Standpunkt deutlich.

Einsiedlerkrebs
Bei näherem Hinsehen prägen Einsiedlerkrebse das Bild des Küstenstreifens.

 

Und das ist auch nur recht und billig so, denn schließlich sind sie die arten- und wohl auch individuenstärkste Tiergruppe dieser Erde: die Gliederfüßer. Dieser Tierstamm mit dem gleichbedeutenden wissenschaftlichen Namen Arthropoda beinhaltet neben den sechsbeinigen Insekten noch die Hundert- und Tausendfüßer, Krebse und Spinnentiere. Selbstredend quellen die tropisch-feuchten Lebensräume der Kokosinsel nur so über von verschiedensten Vertretern aller genannten Gruppen.

 

 

Grille            Schabe
Grillen sind überall im Wald in Massen unterwegs...                                                                                                        ...prinzipiell eher sympathische Waldschaben auch.

Stabheuschrecke
Stabheuschrecke auf einem zwar nahrhaften, aber verräterischen Untergrund.

 

 

Direkt an der Küste sind verschiedene Krabben unmöglich zu übersehen. Einige ihrer Verwandten leben allerdings auch mitten im Wald, während sich Krebse und Garnelen in den Bächen der Insel tummeln.

 

Rüsselkäfer
Rüsselkäfer haben ihren Namen nicht von ungefähr.

 


 

Wer eine Weile im Wald wohnt kann sich über mangelnde Möglichkeiten zur Insektenbeobachtung keineswegs beklagen – am allerwenigsten wenn es wie an unserem ersten Abend im Llanos-Camp kontinuierlich regnet und die bunte Vielfalt dieser Tierchen den trockenen Bereich unter der Plastikplane für sich entdeckt... dann kann man noch mehr Vertreter von noch mehr verschiedenen Insektenordnungen als sonst üblich bei sich begrüßen.

 

Wichtige Gegenspieler der Insekten sind seit jeher die Spinnentiere. Hier auf der Insel faszinierten uns einerseits die teils wunderhübschen Klein- und Kleinstspinnen, die allerorten ihre feinen Netze aufspannen. Andererseits flößten uns die immer und überall präsenten, häufig handtellergroßen Kammspinnen regelmäßig Respekt ein. Glücklicherweise sind sie aber äußerst scheu und suchen bei der kleinsten Erschütterung ihrer meist pflanzlichen Unterlage schnellstens das Weite.

 

Spinnenmahlzeit
Vor diesen Spinnen scheint nichts sicher zu sein. Auch Spinnen in ihrer Größenordnung nicht.

Skolopender
Auch mit weniger als hundert Füßen sind die Skolopender blitzschnell unterwegs.

 

 

Die großen Spinnen der Insel teilen sich die Aufgabe als laut- und wirbellose Jäger mit über 10 cm langen Skolopendern (Hundertfüßer), die nachts auf Beutefang gehen. Vertreter beider Gruppen dürften angesichts ihrer Größe, Giftigkeit und Schnelligkeit auch ausgewachsene Individuen von Anolis townsendi und Sphaerodactylus pacificus überwältigen können.

 

 

Gleiches gilt wohl auch für ein leicht als solches zu erkennendes Schmankerl für Arthropoden-Freunde: den einzigen von hier bekannten Skorpion. Opisthacanthus valerioi kommt nämlich wie die beiden hier heimischen Echsen ausschließlich auf der Kokosinsel vor. Die Skorpione sind im Wald allerdings längst nicht so offensichtlich wie die Spinnen – wir fanden sie entweder unter auf dem Boden liegendem Totholz oder in den hohlen Stümpfen abgestorbener Baumfarne, für die sie offenbar eine gewisse Vorliebe haben.

 

Skorpion
Noch ein Endemit: Opisthacanthus valerioi gibt sich meistens nicht sehr gesellig, von zu engem Kontakt ist eher abzuraten.

 

 

Heteropoda venatoria
Und noch ein Neubürger, der die Umgebung des Menschen mag: 
Ein hübsches Männchen der weltweit verschleppten Riesenkrabbenspinne
Heteropoda venatoria, freundlicherweise bestimmt von Dr. Peter Jäger.

 

 

Letztlich muss man aber gar kein Zelt im Wald aufschlagen oder irgendwelches Totholz umdrehen um die Vielfalt der Krabbeltiere hautnah zu erleben: Schon ein abendlicher Gang zur Toilette an der Rückseite der Casa de Voluntarios bietet die Möglichkeit, einen ansehnlichen Querschnitt ihrer Formenvielfalt hautnah zu erleben – spätestens rund um die Energiesparlampe, die die Waschbecken durchgehend erhellt.

 

Nachwuchs
Das wir das noch erleben durften! Unsere Hausspinne hat Nachwuchs.

 

 

 

Auch die Glühlampe in unserem Zimmer wird genutzt: von einer kleinen Kugelspinne, die ihr komplexes Netz ringsherum an die Decke geheftet hat und uns damit kontinuierlich lästige Plagegeister vom Leib hält. Just in der Nacht vor unserer Abreise trug ihre reichliche Ernährung endlich Früchte: dutzende winziger Spinnlinge schlüpften aus ihrem runden Kokon, den sie wochenlang umsorgt hatte.

 

 

Nymphe
Herrlich seltsam mutet diese Nymphe einer Zikade an.


von Sebastian Lotzkat und Joseph Vargas

 



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