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Bolivien Blog

Auf den Spuren von el tigre

15.11.2014, 12:00

Wir haben uns mit Don Herber verabredet, dem Administrador - also dem Vorarbeiter auf San Sebastián. Er will uns heute Nacht auf unserem Streifzug in das Reservat in Richtung Nordgrenze begleiten. Wir wollen das noch trockene Flussbett entlanglaufen, um einen kleinen Pfeilgiftfrosch zu finden, der eigentlich tagaktiv ist, aber zu Beginn der Regenzeit auch nachts aufgespürt werden kann.

Also marschieren wir nach Einbruch der Dunkelheit los – wir bepackt mit Kameras und Aufnahmegeräten für Froschrufe, Don Herber mit Machete und Revolver. Jeder hat also mit, was er nachts so braucht. Nach einigen Viehweiden schlagen wir uns ins Dickicht und kommen bald an das überwiegend noch trockene Flussbett, welches sich hier in vielen Windungen Richtung Nordspitze richtet. Der Boden ist sandig in den Senken und Vertiefungen hat sich noch etwas Wasser in trüben Pfützen halten können. Hier sammeln sich die Flussbewohner und harren auf den nächsten Regen. Verschiedene Fische, darunter kleinere Welse, Krabben und unzählige Insektenlarven sitzen dichtgedrängt. Dazwischen wimmelt es in fast jeder Pfütze von Kaulquappen des großen, waldbewohnenden Laubfrosches Osteocephalus taurinus in unterschiedlichen Wachstumsstadien.

Junge Korallenschlange

Eine junge Korallenschlange (Micrurus lemniscatus) in der Uferböschung.

Teilweise kommen wir gut im Bachbett voran, doch immer wieder versperren uns umgefallene Baumstämme, Ranken und Lianen den Weg, so dass wir auf allen Vieren unter den Stämmen hindurch kriechen müssen. Der Wald ringsum ist zu dicht und dornig, als dass man dort selbst mit Hilfe der Machete schneller vorankommen würde. Nachdem wir einen noch kleinen Pfeilgiftfrosch (Amereega picta) aufgeschreckt haben, der aber leider sofort in einem Erdloch verschwunden ist, können wir keinen weiteren mehr finden. Dafür stoßen wir im lockeren Sand immer wieder auf Spuren von Pekaris und Tapiren.

AufderSpurvonELTIGRE

Auf den Spuren von el tigre – eine Herpetologenhand als Größenvergleich mit einer Jaguarspur.

Aus der braunen Uferböschung leuchtet im Lichtkegel unserer Taschenlampen eine kleine Korallenschlange mit ihren schwarz, weiß, roten Körperringen auf. Wenn auch ihr Kopf nicht sehr groß ist, verfügt sie trotzdem über ein sehr starkes Gift und wandert daher mit äußerster Vorsicht in eine der Sammeltüten. Eine neue Spur weckt Don Hebers Aufmerksamkeit: deutlich zeichnet sich im Sand der Tritt einer großen Katze ab, eines Jaguars. Die Leute begegnen der Raubkatze, dem tigre, wie er genannt wird, mit großem Argwohn und Furcht, was auch den Revolver an Don Hebers Gürtel erklärt. Soviel Glück der schönen Katze direkt zu begegnen haben wir allerdings nicht, wenn sie auch laut ihrer Spuren erst vor kurzer Zeit denselben Weg genommen hat. Nach einigen Stunden erreichen wir die Nordspitze der Hacienda und verlassen das trockene Bachbett für den Rückweg zur Forschungsstation.        

 



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