Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

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23.06.2010 - Primatenfossil "Ida" klettert wieder - Neu im Senckenberg-Kino: Zwei aktuelle Messelfilme

Ida animiert
Primatenfossil Ida animiert © Dirk Baum


Frankfurt/M., 23. Juni 2010. Die Grube Messel präsentiert sich heute auf den ersten Blick eher unspektakulär als etwa sechzig Meter tiefer, grauer Einschnitt in die Landschaft. Doch unter der Oberfläche des UNESCO Weltnaturerbes schlummern, eigeschlossen in den so genannten Ölschiefer, zu Stein gewordene Zeitzeugen einer ganz anderen Welt. Vor 47 Millionen Jahren existierte hier ein ca. 300 Meter tiefer Maarsee, umgeben von dicht wucherndem tropischem Urwald. Eine vierteilige filmische Rekonstruktion des eozänen Lebensraums entführt den Besucher in die damalige Tier- und Pflanzenwelt. Die beiden aktuellen Produktionen, mit dem Messeler Halbaffen „Ida“ sowie Fledermaus-Fossilien in den Hauptrollen, sind ab dem 29. Juni 2010 im Kino des Frankfurter Senckenberg Naturmuseums zu sehen. Die Dokumentation fußt auf der wissenschaftlichen Arbeit der Abteilung Messelforschung des Senckenberg Forschungsinstituts und rollt die Diskussion wissenschaftlicher Theorien rund um die Rekonstruktion des ehemaligen Lebensraumes auf. Die mit Unterstützung der Merck KGaA Darmstadt entstandenen Filme sollen einer breiten Öffentlichkeit den Blick auf ein Stückchen Urgeschichte der Erde ermöglichen.

In der aktuellen Produktion „Ida completed“ begegnet der Zuschauer Darwinius masillae alias „Ida“, die als Animation vor der Kulisse der Messelwelt zu neuem Leben erwacht. Mit Muskeln, Haut und Fell vervollständigt, klettert das junge Primatenweibchen in HD-Qualität durch das Geäst des einstigen Tropenwaldes. Basis dieser Rekonstruktion ist der Einsatz hocheffizienter Hightech-Methoden in der Messelforschung. Denn erst 3 D-Scanner, spezielle Röntgen- und Computertomografie-Verfahren sowie Hochleistungsrechner ermöglichen die präzise dreidimensionale Wiedergabe kleinster Details der fossilen Skelette und lassen Aussagen über Aussehen und Bewegungsabläufe zu. Diese Verfahren kamen auch bei der Bestimmung von Darwinius masillae zum Einsatz. So wurden wesentliche Schlüsselmerkmale identifiziert, nach denen Ida im Stammbaum der Primaten zu den Trockennasenaffen zählt, jener Gruppe, die viel später auch zu uns Menschen führt.

Hochgeschwindigkeitsaufnahmen von lebenden Tieren im Frankfurter Zoo stellen im vierten Teil „Urzeit am Geistersee“ die akrobatisch anmutenden Flugkünste früher Fledermäuse nach und erläutern die Evolution der nachtaktiven Säuger. Gleichzeitig illustriert der Film die Suche der Forscher nach einem heutigen Lebensraum, der dem des urzeitlichen Messel entspricht. Von der Vulkan-Eifel führte die Expedition nach Bolivien und zum See „Laut Tinggal“ in Sumatra inmitten der letzten unberührten Urwälder Südostasiens. Der von den Ureinwohnern gefürchtete „Geistersee“ liegt rund 300 Meter tief in einem Bergkrater. Klima, Vegetation sowie Form und Struktur stimmen weitgehend mit den Verhältnissen in Messel überein und stützten so die Vorstellungen der Wissenschaftler.

Die neuen Produktionen schließen an die beiden früheren Teile der Filmserie an. Den Auftakt bildet die Frage nach der Entstehung des Messeler Urzeitsees. Basierend auf den Auswertungen der großangelegten Forschungsbohrung 2001 zeigt der Film, dass das Maar infolge einer riesigen Wasserdampfexplosion entstand. Der zweite Teil „Ein Urpferd geht 3D“ begleitet den ersten Schritt auf dem Weg zur Rekonstruktion der längst vergangenen Lebenswelt. Das Urpferdchen, nachgebildete als Modell, lernt in der Computeranimation laufen.

Folgen und Titel:
1. „Weltnaturerbe Messel – Entstehung eines Naturwunders“ (SD 15 Min.)
2. „Ein Urpferd geht 3D – Vom Fossilfund zur (Re-)Animation“ (SD 15 Min.)
3. „Ida completed – Die Geschichte eines Primatenfundes aus Messel“ (HD 25 Min.)
4. „Urzeit am Geistersee – Auf der Suche nach dem Messel von heute“ (HD 45 Min.)

Das Kino des Senckenberg Naturmuseums in Frankfurt zeigt die beiden jüngsten Produktionen in HD-Qualität ab 29. Juni 2010, die beiden früheren Filme werden in der Messelausstellung des Museums zu sehen sein. Der Kinosaal ist während der Museumszeiten, täglich von 9 - 17 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen bis 18 Uhr geöffnet. Es wird kein gesonderter Eintritt erhoben. Ab Ende August 2010 stehen die Filme auch für das neue Besucherzentrum der Grube Messel zur Verfügung.

Ida animiert
Primatenfossil Ida © animiert Dirk Baum

 
Weitere Informationen zur Grube Messel unter www.senckenberg.de

Dr. Jörg Habersetzer
Messelforschung
Telefon: 069 7542 1268

Dr. Renate Rabenstein
Messelforschung
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