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10.11.2017 - Die Evolution von Gewalt beim Menschen

Frankfurt, den 09.11.2017. Anlässlich der diesjährigen Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald-Lecture wird Prof. Dean Falk, Florida State University und School for Advanced Research in Santa Fe, einen Gastvortrag im Senckenberg Naturmuseum halten. Die renommierte US-amerikanische Paläoneurologin widmet sich in ihrer Forschung vor allem der Evolution des menschlichen Gehirns und der damit verbundenen Entstehung von Sprache, Musik, Kunst und Wissenschaft. In ihrem Vortrag zeigt Falk auf, dass sich Menschen gewalttätiger als Schimpansen entwickelten und widerspricht der Behauptung, dass kleinere Gesellschaften grundsätzlich gewalttätiger als sogenannte „zivilisierte Staaten“ sind.

Falk
Zu Gast bei Senckenberg: Dean Falk
© Dean Falk/Garret P Vreeland

Der Vortrag „Large brains, canned salmon, and the atomic bomb: The evolution of lethal violence in humans“ von Prof. Dean Falk findet am Mittwoch den 15. November 2017 um 19:30 Uhr im Senckenberg Naturmuseum statt.

Der Namensgeber der jährlich stattfindenden Vorlesung Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald stellte einst scherzhaft einen Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Gehirns und der Erfindung gefährlicher Waffen her: „Die große Gehirnkapazität ist es, die es dem Menschen ermöglicht, als Mensch zu leben, Steuern, Dosenlachs, Fernsehen und die Atombombe zu genießen“. Diesen Ansatz greift Dean Falk in ihrem Vortrag auf und räumt dabei gleich mit einigen gängigen Thesen zum Gewaltverhalten von Menschen auf.

In ihrer Forschungsarbeit vergleicht Falk die Zahl der Gewaltdelikte mit tödlichem Ausgang mit der absoluten Populationsgröße in Schimpansengruppen, in kleinen menschlichen Gesellschaften und mit den Großmächten während des Ersten und Zweiten Weltkriegs.  Demnach steigt die Anzahl der jährlichen Todesfälle durch Schlachten und Kriege innerhalb der untersuchten Stichproben bei Menschen gleichbleibend und dramatisch mit der Bevölkerungsgröße an – bei Schimpansen ist dies aber nicht der Fall. Die amerikanische Paläoneurologin vermutet daher, dass sich die Neigung zu innerartlichen Gewalt bei Menschen deutlich stärker entwickelt hat, als bei ihren nahen tierischen Verwandten.


Brainwar
Die Zeichnung aus der Feder
von Dean Falk greift einen der dunkelsten
Tage der Menschheitsgeschichte auf:
den Atmombombenabwurf von Nagasaki 1945

Dies widerspricht der Behauptung einiger Wissenschaftler, dass prähistorische und heute lebende kleinere Gemeinschaften grundsätzlich gewaltbereiter seien als jene in den sogenannten „zivilisierten“ Staaten. Falk argumentiert, dass das Ausmaß der Kriegstoten vielmehr mit der Entwicklung in der Waffentechnik verknüpft ist – der untersuchte Trend geht einher mit dem Weg zu immer komplexeren Werkzeugen, der bereits bei unseren prähistorischen Vorfahren mit ihren relativ kleinen Gehirnen begann.

 Prof. Dean Falk ist eine Paläoneurologin von Weltruf, die als Senior Scholar an der School for Advanced Research in Santa Fe, New Mexico, und zugleich Distinguished Research Professor und Hale G. Smith Professor of Anthropology an der Florida State University in Tallahassee tätig ist. Sie hat einschlägige wissenschaftliche und populäre Bücher – unter anderem „Wie die Menschheit zur Sprache fand: Mütter, Kinder und der Ursprung des Sprechens“ – sowie Artikel veröffentlicht und hält öffentliche Vorträge zur Entwicklungsgeschichte der kognitiven Fähigkeiten von Vormenschen (Australopithecinen) bis hin zu Albert Einstein.


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