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02.06.2015 - Die ersten Menschen in Eurasien

Frankfurt, den 02.06.2015. Der diesjährige Alexander von Humboldt-Forschungspreisträger und Senckenberg-Gastforscher Prof. Dr. David Lordkipanidze, Generaldirektor des Nationalmuseums von Georgien, hält am kommenden Montag einen öffentlichen Vortrag im Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum. Der georgische Paläoanthropologe wurde aufgrund seiner Ausgrabungen am Fundort Dmanisi im südlichen Kaukasus international bekannt. Dort wurden unter seiner Leitung die ältesten Fossilien der Gattung Homo außerhalb Afrikas entdeckt. In seinem Vortrag berichtet er über diese Frühmenschen-Funde. 

Der Vortrag „Die ersten Menschen in Eurasien“ von Prof. Dr. David Lordkipanidze, Generaldirektor des Nationalmuseums von Georgien findet am Montag den 08. Juni 2015 um 19 Uhr
im Hörsaal des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums (Georg-Voigt-Straße 14-16, 60325 Frankfurt) statt.

Prof. Dr. David Lordkipanidze, diesjähriger Alexander von Humboldt-Forschungspreisträger © Lordkipanidze
Prof. Dr. David Lordkipanidze, diesjähriger
Alexander von Humboldt-Forschungspreisträger
© Lordkipanidze

Es gibt große und kleine, kräftige und schmächtige, helle und dunkle Menschen – die heutige Art Homo sapiens ist vielfältig. Diese Vielfalt vermutet Prof. Dr. David Lordkipanidze, Generaldirektor des Nationalmuseums von Georgien, auch bei unseren frühen Vorfahren, dem Homo erectus. Seine These stützt er auf die einzigartigen Schädelfunde aus der Fossilienfundstelle Dmanisi in Georgien.
Dort wurden seit 1991 unter Lordkipanidzes Leitung fünf fast vollständig erhaltene Schädel von Frühmenschen ausgegraben. Mit einem Alter von knapp 1,8 Millionen Jahre gelten die Dmanisi-Funde als frühester Nachweis unserer Vorfahren außerhalb Afrikas. Und nicht nur das macht die kaukasische Fundstelle so außergewöhnlich: Es gibt Schädel von jungen und alten Individuen, von Männern und Frauen und unterschiedlichste Schädelformen. Die Rekonstruktionen am Computer zeigen aber, dass es sich – trotz des unterschiedlichen Aussehens – höchstwahrscheinlich um eine Art handelt. Da sie alle aus einer geologischen Schicht stammen, spricht vieles dafür, dass diese auch einer Population zugeordnet werden können. Lordkipanidze spricht in diesem Zusammenhang von einem „Schnappschuss aus der Menschheitsgeschichte“.
Anhand der Dmanisi-Funde entbrannte eine rege wissenschaftliche Diskussion: Welche Merkmale sind ausschlaggebend für die Zuordnung zu einer Art? Sind es die Zähne? Die Schädelform? Die Gestalt des Kiefers?

Und noch eine weitere Frage werfen die außergewöhnlichen Funde auf: Wie konnten diese frühen Vorfahren des heutigen Menschen sich bereits auf die Reise nach Europa begeben? Bisher nahm man an, dass nur Frühmenschen mit einem gut entwickelten, großem Gehirn und der Fähigkeit zur Herstellung von komplexen Werkzeugen zu solchen Wanderungen fähig seien. Die Dmanisi-Bewohner verfügten aber weder über das eine noch das andere Merkmal.

Einer der außergewöhnlich gut erhaltenen Frühmensch-Schädel aus Dmanisi. © Lordkipanidze
Einer der außergewöhnlich gut erhaltenen
Frühmensch-Schädel aus Dmanisi. © Lordkipanidze

In seinem Vortrag beleuchtet Lordkipanidze diese Fragestellungen und stellt die außergewöhnlichen Funde der Öffentlichkeit vor.

Prof. Dr. David Lordkipanidze promovierte 1992 in Moskau und arbeitete von 1992 bis 1997 an der Georgischen Akademie der Wissenschaften, an der Universität Göttingen, am Muséum national d’histoire naturelle in Paris sowie am Deutschen Archäologischen Institut in Lissabon und Madrid. Seit 1997 leitet  Lordkipanidze paläoanthropologische Ausgrabungen an mehreren Orten in Georgien. Er habilitierte 2001 und ist seit 2004 Generaldirektor des Nationalmuseums von Georgien, in dem auf seine Initiative hin die zehn führenden Museen des Landes sowie zwei Forschungsinstitute vereint wurden.

Im Anschluss an den Vortrag besteht für Pressevertreter die Möglichkeit Gespräche mit Prof. Lordkipanidze zu führen.

Kontakt
PD Dr. Angela Bruch
The Role of Culture in Early Expansions of Humans
Senckenberg Forschungsinstitut
Tel: 069-7542 1568

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
 

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

Pressekontakt

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