Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

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09.06.2017 - Neue Namen für geschichtsträchtige Häuser

Frankfurt, den 09.06.2017. Die aufwendigsten Baumaßnahmen in der 200-jährigen Geschichte von Senckenberg haben einen neuen Meilenstein erreicht: Die Arbeiten am südlichen Gebäudekomplex des neuen Senckenberg-Forschungsinstitutes sind nahezu abgeschlossen. Mit Fischen, Muscheln, Schnecken sowie diversen anderen Meerestieren sind bereits erste Sammlungen in die neuen Räumlichkeiten eingezogen. Heute wurde in Anwesenheit von Boris Rhein, Hessischer Minister für Wissenschaft und Kunst, die ehemalige „Alte Physik“ feierlich eingeweiht und nach Senckenbergs Ehrenpräsidenten in „Arthur-von-Weinberg-Haus“ umbenannt. Gleichzeitig erhielt das Gebäude des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums (SBiK-F) einen neuen Namen: „Maria-Sibylla-Merian-Haus“.

Boris Rhein, Hessischer Minister für Wissenschaft und Kunst bei der feierlichen Einweihung.
Boris Rhein, Hessischer Minister für
Wissenschaft und Kunst bei der feierlichen Einweihung
© Daniel Kummer Photography

Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung hat 2017 allen Grund zu feiern – neben dem 200-jährigen Jubiläum schreiten auch der Umbau und die Erweiterung des Senckenberg Forschungsinstituts in Frankfurt zügig voran. „Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle dem Bund und dem Land Hessen – ohne sie wäre die bislang größte Umbaumaßnahme von Senckenberg nicht möglich gewesen“, freute sich Senckenberg-Generaldirektor Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger beim heutigen Festakt und ergänzte: „Die wertvollen Sammlungen Senckenbergs beziehen als erstes ihr neues Zuhause, unsere Wissenschaftler können hier demnächst unter exzellenten Voraussetzungen forschen. Alles, was wir über die Natur lernen und wissen, kann so auch direkt ins Museum und zu unseren Besuchern fließen“.

Senckenberg-Generaldirektor Volker Mosbrugger bei seiner Ansprache. © Daniel Kummer Photography
Senckenberg-Generaldirektor Volker Mosbrugger
bei seiner Ansprache. © Daniel Kummer Photography

Als ein „Geschenk für Senckenberg zum 200. Geburtstag“ bezeichnet Boris Rhein, Minister für Wissenschaft und Kunst des Landes Hessen, die Fertigstellung des neuen Forschungsinstitutes. „Mit dem Arthur-von-Weinberg-Haus erhält Senckenberg eine funktionelle Infrastruktur an seinem Gründungsort Frankfurt. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stehen nun neue Möglichkeiten offen, Naturforschung zu betreiben und die Sammlung auf höchstem Standard zu pflegen und zu erhalten. Für die gesamte Sanierung und den Umbau stellen Bund und Land insgesamt 116,8 Millionen Euro zur Verfügung, davon investiert Hessen 71 Millionen Euro. So schaffen wir für Senckenberg beste Voraussetzungen, um auch künftig seiner herausragenden Rolle für den Wissenschaftsstandort Frankfurt, Hessen, Deutschland und sogar weltweit gerecht zu werden“, erklärte Rhein.

Die Einweihung des Gebäudes diente gleichzeitig dessen Umbenennung in „Arthur-von-Weinberg-Haus“. Damit würdigt die Forschungsgesellschaft einen berühmten Frankfurter Industriellen, Wissenschaftler und Mäzen, der sich um die Senckenberg Gesellschaft besonders verdient gemacht hat. Dem Senckenberg Naturmuseum stiftete Weinberg unter anderem 1911 den zweiten Fund der bis heute extrem seltenen Edmontosaurus-Trockenmumien, die damals wie heute zu den Highlights der Dauerausstellung zählt. Seit 1930 war er Ehrenpräsident und zuvor verschiedene Male Direktor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Beruflich baute er die familieneigenen Cassella-Farbwerke zum weltweit größten Hersteller synthetischer Farbstoffe auf. Später war er Aufsichts- und Verwaltungsratsmitglied der IG Farben. Wegen der jüdischen Herkunft seiner Familie von den Nationalsozialisten verfolgt, starb Weinberg 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt.

Bauleiter Gerd Mangel im neuen Sammlungsraum der Ichthyologie. © Daniel Kummer Photography
Bauleiter Gerd Mangel im neuen
Sammlungsraum der Ichthyologie.
© Daniel Kummer Photography

Das nun nach Weinberg benannte Gebäude in der Robert-Mayer-Straße wurde 1907 vom Physikalischen Verein errichtet, deren Vorsitzender zu dieser Zeit Arthur von Weinbergs Onkel Leo Gans war. Der Bau beherbergte nach Gründung der Goethe-Universität auch deren Physikalische Fakultät. Seit 2014 entstehen dort neue moderne Räumlichkeiten für das Senckenberg Forschungsinstitut. Dabei werden in unmittelbarer Nähe zum Naturmuseum unter anderem Labore und Unterbringungsmöglichkeiten für über 22 Millionen Sammlungsobjekte geschaffen – ganz im Sinne von Weinbergs außergewöhnlichem Einsatz für die Naturforschung und -vermittlung.

Maria Sibylla Merian ist für ihre naturkundlichen Zeichnungen wunderschöner Falter, haariger Raupen oder der „Vogelspinne“, die einen Kolibri erlegt, weltweit bekannt. 1647 in Frankfurt geboren, interessierte sich Merian schon früh für die Natur – sie sammelte Insekten, vor allem die Raupen von Schmetterlingen, und dokumentierte deren Verwandlung zum geflügelten Tier. Die Benennung des Gebäudes des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums (SBiK-F) in „Maria-Sibylla-Merian-Haus“ schlägt eine Brücke von modernster Forschung zum Werk der Frankfurter Naturforscherin: Die über 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des SBiK-F erforschen die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen Klimawandel und biologischer Vielfalt. Auch Merian interessierte sich nicht nur für Arten und ihre Verwandtschaftsverhältnisse, sondern auch für Prozesse, wie die Metamorphose und Interaktionen zwischen Arten. In den Jahren 1699 bis 1701 fuhr sie auf Forschungsreise nach Surinam in Südamerika und wurde damit vor 300 Jahren zur Pionierin der Forschungsreisen. Als Künstlerin gelang es ihr zudem die Natur nicht nur systematisch zu erforschen, sondern ihre Erkenntnisse auch einem breitem Publikum zu vermitteln. Darüber hinaus war Merian eine der bedeutendsten Wegbereiterinnen für die Gleichberechtigung der Frau und den Einzug von Frauen in die Wissenschaft. Das nun auf ihren Namen getaufte Gebäude an der Georg-Voigt-Straße wurde in den 1950er-Jahren nach Plänen des Architekten Ferdinand Kramer errichtet.

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Judith Jördens
Lena Schnettler
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1561/ -1434
pressestelle@senckenberg.de

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Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können – dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

200 Jahre Senckenberg! 2017 ist Jubiläumsjahr bei Senckenberg – die 1817 gegründete Gesellschaft forscht seit 200 Jahren mit Neugier, Leidenschaft und Engagement für die Natur. Seine 200-jährige Erfolgsgeschichte feiert Senckenberg mit einem bunten Programm, das aus vielen Veranstaltungen, eigens erstellten Ausstellungen und einem großen Museumsfest im Herbst besteht. Natürlich werden auch die aktuelle Forschung und zukünftige Projekte präsentiert. Mehr Infos unter: www.200jahresenckenberg.de.

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Senckenberg
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Senckenberganlage 25
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16.08.2017 13:40:14


16.08.2017 11:28:44


15.08.2017 14:06:53


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