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02.04.2018 - Mit dem Vierten sieht man besser: Vieräugiges fossiles Reptil entdeckt

Frankfurt, 02.04.2018. Senckenberg-Wissenschaftler haben mit einem internationalen Team den Nachweis für eine vieräugige Echse erbracht. Anhand der ausgestorbenen Art Saniwa ensidens zeigen sie, dass der Waran zu Lebzeiten hinter dem sogenannten „Dritten Auge“ ein weiteres Sinnesorgan besaß. Sie liefern damit den ersten Beleg für ein vieräugiges höheres Wirbeltier. Die Studie erscheint heute im Fachjournal „Current Biology“.

Bei vielen Eidechsen und der neuseeländischen Brückenechse ist es vorhanden: das Scheitelauge, auch als „Drittes Auge“ oder Parietalorgan bekannt. „Ein Scheitelauge war bei den Wirbeltieren des Paläozoikums vor über 250 Millionen Jahren regulär ausgebildet“, erklärt Dr. Krister Smith vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt und Leiter der Studie. Er fährt fort: „Die Geschichte des Scheitelauges schien bisher ziemlich einfach zu sein: Wir sind davon ausgegangen, dass sich dieses Organ im Laufe der Evolution bei allen höheren Wirbeltieren außer den Eidechsen zurückgebildet hat.“ Diese Rückbildung ging mit einem Funktionswechsel zur Zirbeldrüse einher.

Dies scheint aber nach den neuesten Erkenntnissen des US-amerikanisch-deutschen Teams rund um Smith nicht der Fall gewesen zu sein: Die von ihnen untersuchte, fossile Waranart Saniwa ensidens besaß hinter dem dritten Auge sogar ein weiteres primitives viertes Sehorgan.

 Das Waranfossil aus dem Eozän von Nordamerika ist etwa 49 Millionen Jahre alt und bis zu 1,30 Meter lang. Auf dessen Kopf befinden sich die beiden zusätzlichen Sinnesorgane in einer Mittellinienposition hintereinander auf der Schädeldecke. Die Position beider Augen widerspricht dem klassischen, paarigen Modell der Zirbeldrüse. „Wir gehen daher davon aus, dass das übliche ‚Dritte Auge’ der Eidechsen nichts mit der Zirbeldrüse zu tun hat. Die Zirbeldrüse, aus der sich das vierte Auge entwickelte, ist zwar noch bei Eidechsen vorhanden, befindet sich aber innerhalb des Schädels, wie bei Säugetieren“, erläutert Smith.

In ihrer Studie sprechen die Forscher daher auch von einer „Re-Evolution“: Einem Auftreten bereits verschwundener Merkmale

nach sehr langer Zeit. „Ein vergleichbarer Vorgang wäre es beispielsweise, wenn unsere heutigen Vögel wieder Zähne bekämen“, ergänzt Smith.

Die besondere Entwicklung der Sehorgane bei Echsen hat auch Folgen für die kommende Forschung. Smith hierzu: „Es stellt sich heraus, dass die Evolution dieser beiden Organe – Zirbeldrüse und Scheitelauge – durchaus komplizierter ist, als bisher angenommen. Wir denken, dass Eidechsen eine besondere Stellung bei der Entwicklung der Augen einnehmen und daher nicht – wie bisher – als Modellorganismen für andere Wirbeltiere dienen sollten.“

Kontakt

Dr. Krister T. Smith
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Abteilung:  Messelforschung und Mammalogie
Tel. 069- 7542-1218
krister.smith@senckenberg.de

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Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Waran
An dem fossilen Waran wurde ein viertes Auge entdeckt.
Foto: A. Lachmann / Senckenberg
Gesellschaft für Naturforschung /
Digimorph.org


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