Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Presse

zur Übersicht

24.11.2017 - Schlangen-Sammlungen aus 150 Jahren zeigen große Artenvielfalt in den Neotropen

Frankfurt, den 24.11.2017. Senckenberg-Wissenschaftler haben mit einem internationalen Team aus Brasilien, Australien, den USA, Ecuador, Schweden und Deutschland die Ergebnisse einer umfangreichen Datenbank für Schlangen der Neotropen veröffentlicht. Die Daten stammen aus Sammlungen der letzten 150 Jahre und zeigen beispielsweise, dass einige neotropische Regionen wie der Cerrado in Zentralbrasilien ein bisher unbekannter Biodiversitäts-Hotspot für Schlangen ist. Darüber hinaus ist aus den gesammelten Datensätzen zu erkennen, dass in einigen Regionen, wie zum Beispiel dem Amazonas, eine ausreichende Sammlungstätigkeit fehlt. Erstmals werden in der Datenbank alle Faktoren wie Verbreitungsmuster, Sammlungsprotokolle und Häufigkeit des Auftretens in insgesamt 147.515 Beiträgen zu 886 Schlangenarten gelistet – damit sind 74 Prozent aller Schlangenarten aus 27 Ländern erfasst. Die Datenbank, die in dieser Form bisher einzigartig ist, wird als solide Grundlage für Naturschutzkonzepte, Biodiversitäts- und Evolutionsmodelle in der Zukunft sowie für zukünftige Forschungsprojekte dienen. Die Studie wurde heute in der Zeitschrift "Global Ecology and Biogeography" veröffentlicht.

 Leptophis ahaetulla
Leptophis ahaetulla, die Dünnschlange,
hat ihren deutschen Namen aufgrund Ihrer
schlanken Körperform und ist in Mittel- und
Südamerika verbreitet.
Foto: Senckenberg/Jansen

Etwa 10.450 Reptilienarten gibt es weltweit – etwa 150 bis 200 neue Arten werden zudem jedes Jahr neu entdeckt. Schlangen machen etwa 34 Prozent dieser Klasse aus. „Wir gehen davon aus, dass es noch zahlreiche Schlangenarten gibt, die wir noch überhaupt nicht kennen. Um zu wissen, wo wir nach unbekannten Arten suchen sollten, müssen aber erst Gebiete identifiziert werden, die bisher nicht ausreichend untersucht wurden“, erklärt Dr. Thaís Guedes, Erstautorin der Studie von der Universität Göteborg und fügt hinzu: „Wir wissen dank der neuen Datenbank, dass das artenreiche Amazonasgebiet zum Beispiel eines der am wenigsten erforschten Gebiete ist – das ist dem Zusammenspiel zwischen dem sehr großen, häufig schlecht zugänglichen Gebiet, dem Mangel an lokalen Experten und den geringen Investitionen in die dortige Forschung geschuldet. Wissenschaftliche Sammlungen gibt es hier nur aus dem geographischen Umkreis von größeren Städten und Universitäten“.


Immantodes cenchoa
Große Augen für ein Leben in den Bäumen:
arboreale Schlangen, wie diese Riemennatter
(Immantodes cenchoa) haben ein wesentlich
besseres Sehvermögen als bodenlebende
Schlangen. Foto: Senckenberg/Jansen

Die internationale Gruppe von Wissenschaftlern hat Daten über Schlangensammlungen der Neotropen – Süd- und Mittelamerika, die Westindischen Inseln und den südlichen Teil von Mexiko und Florida – gesammelt, um die Vielfalt der Schlangenarten, ihre Verbreitung sowie ihre Bedrohungen aufzuzeichnen. Das Ergebnis ist eine einzigartige Datenbank mit 147.515 Einträgen für 886 Schlangenarten aus 12 Familien. Der Seniorautor Alexandre Antonelli von der Universität Göteborg freut sich: „Wir haben hier eine der größten und detailliertesten Erhebung zur Verbreitung von Schlangen veröffentlicht. Von einer der artenreichsten Reptilien-Vertreter der Welt! Was für eine gemeinsame Leistung!“




Schlangen-Sammlung
Die Schlangen-Sammlung "Alphonse Richard
Hoge" des Butantan Institut, welche lange Zeit
die wichtigste Quelle für Daten zu Schlangen der
Neotropen bot, bevor sie 2010 einem Feuer zum
Opfer fiel. Foto: Guedes/UNIFESP

Der riesige Datensatz ist das Ergebnis einer Zusammenführung von einer öffentlichen Datenbank, die von Experten geprüft wurde, und den Daten aus Sammlungen verschiedener internationaler Taxonomen. Senckenberg-Wissenschaftler Dr. Martin Jansen hierzu: „Der Gebrauch ausschließlich von Daten, die durch taxonomische Experten verifiziert wurden, hat den Datensatz enorm aufgewertet. Man könnte sagen, dass der Datensatz nun eine Art Qualitätszeichen hat, sowas wie ‚Taxonomisch einwandfrei’. Das ist sehr wichtig, denn oft fehlt es bei Biodiversitätsmodellen an dieser vertieften taxonomischen Expertise.




Thais Guedes
Erstautorin Thais Guedes bei der Arbeit
in der "Linnaeus"-Sammlung im Naturkunde-
museum Schweden. Foto: Guedes/UNIFESP

Die Ergebnisse dieser umfassendsten und neuartigen Datenbank unterstreichen auch die Notwendigkeit, Gebiete mit hoher Diversität sowie seltene Arten besser zu untersuchen, zu erforschen und zu schützen. „Unsere Datenbank bietet hierfür die ideale Grundlage und kann von anderen Wissenschaftlern – auch ohne taxonomisches Fachwissen – als solide Grundlage für weitere Modelle genutzt werden, zum Beispiel für die Erforschung evolutionärer Muster oder zu den Auswirkungen des Klimawandels", erklärt Guedes.





Publikation

Guedes TB, Sawaya RJ, Zizka A, et al. Patterns, biases and prospects in the distribution and diversity of Neotropical snakes. Global Ecol Biogeogr. 2017;00:1–8. https://doi.org/10.1111/geb.12679

Kontakt

Dr. Martin Jansen
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum
Tel. 069- 7542 1234

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434

Die Pressemitteilung als Download.

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können – dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren. Ausstellungen und Museen sind die Schaufenster der Naturforschung, durch die Senckenberg aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit den Menschen teilt und Einblicke in vergangene und gegenwärtige Veränderungen der Natur vermittelt. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie weiteren Sponsoren und Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

200 Jahre Senckenberg! 2017 ist Jubiläumsjahr bei Senckenberg – die 1817 gegründete Gesellschaft forscht seit 200 Jahren mit Neugier, Leidenschaft und Engagement für die Natur. Seine 200-jährige Erfolgsgeschichte feiert Senckenberg mit einem bunten Programm, das aus vielen Veranstaltungen, eigens erstellten Ausstellungen und einem großen Museumsfest im Herbst besteht. Natürlich werden auch die aktuelle Forschung und zukünftige Projekte präsentiert. Mehr Infos unter: www.200jahresenckenberg.de.

Pressekontakt

Dr. Sören Dürr
Tel.: 069 7542-1580

Judith Jördens
Tel.: 069 7542-1434
Mobil: 0172-5842340

Anna Lena Schnettler
Tel.: 069 7542-1561

Email: pressestelle@senckenberg.de

Fax: 069 7542-1517

Senckenberg
Forschungsinstitut und Naturmuseum
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt

 

11.12.2017 14:45:18


11.12.2017 13:09:56


10.12.2017 10:12:30


https://die-welt-baut-ihr-museum.de