Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

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01.12.2017 - Neue Technologien, limitierte Ressourcen: Schule denkt Zukunft

Frankfurt. Die Weichen für gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Veränderungen werden früh gestellt. "Der Faktor Nachhaltigkeit ist entscheidend für die Zukunft unserer Welt", betont Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger. Der Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung plädierte in Frankfurt dafür, junge Menschen möglichst früh und systematisch auf die zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts vorzubereiten. "Ohne Zukunftstechnologien und Ressourceneffizienz ist eine nachhaltige Gestaltung der Erde nicht möglich", sagte der international renommierte Wissenschaftler bei einer Veranstaltung der Initiative Schule 3.0 – Zukunftstechnologien in den Unterricht vor rund 200 Gästen aus Wirtschaft und Bildung. Aus ganz Hessen waren Schulleitungen und Lehrkräfte aus 90 Schulen der Einladung des Zentrums für Chemie und der Arbeitsgeberinitiative MINT Zukunft schaffen gefolgt.

Mosbrugger verdeutlichte, wie eng moderne Technologien – und damit auch die Energiewende – von einem effizienten Umgang mit den natürlichen Schlüsselressourcen abhängig sind. "Durch limitierte Rohstoffe verlassen wir den sicheren Betriebszustand für die Menschheit", so Prof. Mosbrugger im Senckenberg-Naturmuseum. Globale Probleme könne man niemals separat, sondern nur systemisch lösen. Und das am besten schon am Beginn der Bildungskette: "Wir müssen diese Themen an die Jugend vermitteln. Und damit gehören sie an die Schulen."

Der vielfach ausgezeichnete Wissenschaftler fordert didaktische Konzepte für einen plastischen Schulunterricht, in dem relevante Zukunftstechnologien eine Hauptrolle spielen. Mosbrugger will den Komplex Zukunftstechnologien und Ressourceneffizienz nicht nur in Klassenräume und Lehrerzimmer transportieren, sondern in die gesamte Gesellschaft. "Das Thema verändert unsere Welt." Als prominente Einrichtung der Allgemeinbildung mit rund 400.000 Besuchern im Jahr plant das Senckenberg-Museum in Kooperation mit dem Zentrum für Chemie eine Ausstellung, die das Thema begreiflich macht.

Um nicht weniger als die Konsequenzen für die deutsche Bildungslandschaft von morgen ging es am vergangenen Montag im Arthur-von-Weinberg-Haus, wo Akteure aus Wirtschaft, Forschung, Schule und Hochschule über neue Wege im Schulunterricht diskutiert haben. Die in ihrer prominenten Besetzung beispielhafte Tagung vereinte nicht nur hessische Schulen, die an einem nachhaltigen und berufsorientierenden Workshop-Programm zum besagten Themenkomplex interessiert sind: Das Treffen forcierte auch den öffentlichen Diskurs über eine Bildungsreform, die im Zeichen rasanter technologischer Entwicklungen keine Zeit zu verlieren hat.

"Die Initiative bringt Welten zusammen", sagt der Geschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) in Hessen, Gregor Disson. Der fruchtbare Dialog von Schule 3.0 und Wirtschaft müsse als dauerhafter Prozess weitergeführt werden, um im Unterricht eine praktische Umsetzung sicherzustellen. Disson, dessen Verband mit dem ZFC seit über zehn Jahren zusammenarbeitet, hält es für dringend notwendig, neue Technologien ins Klassenzimmer zu bringen, um deren Akzeptanz zu stei-gern. "Aber auch, um den Schülern mehr Orientierung bei der Berufswahl zu bieten."

Die Realität sieht anders aus. Noch immer fühlt sich rund die Hälfte der deutschen Schüler, die unmittelbar vor der Berufswahl stehen, nicht ausreichend informiert, so ZFC-Vorstand Dr. Thomas Schneidermeier. Entsprechend hoch rangiert die Quote der Studienabbrecher. Im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaf-ten und Technik) liegt sie sogar bei rund 50 Prozent. "Jugendliche werden mit ihrer Zukunft allzu häufig allein gelassen." Die Initiative Schule 3.0 möchte dies ändern, indem sie Themen wie Elektromobilität, organische Elektronik und virtuelle Kraftwerke in den Regelunterricht integriert und so konkret greifbar macht. "Zukunftsthemen prägen die Gesellschaft und bieten zudem spannende Perspektiven für Berufsanfänger", so Schneidermeier, der als Lehrer des Goethe-Gymnasiums Bensheim den Unterrichtsalltag bestens kennt.

Mit dem praxiserprobten Projekt Energiewende in den Unterricht ist das ZFC bereits neue Wege gegangen. Die Workshopreihe läuft in ihrer Pilotphase mit 13 hessischen Schulen und der Unterstützung des Hessischen Kultusministeriums. Hauptförderer ist die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU). In Frankfurt wurden am Montag die Ergebnisse der ersten Evaluation vorgestellt. Prof. Dr. Martin Lindner von der Universität Halle attestierte dem Projekt nach drei Workshops in den Fachgruppen Chemie, Physik und Mathematik/Informatik einen erfolgreichen Start. "Gute Zusammenarbeit, hohe Wertschätzung", lautete sein Resümee. Auch der Unterricht stieß auf positive Resonanz. Lindner erkennt Interesse, Motivation und Lernvergnügen. "Das Programm hat Tritt gefasst und kann nun durchstarten." Für die Reihe hat sich das ZFC renommierte Fachleute ins Boot geholt: Prof. Birgit Scheppat vom Fachbereich Ingenieurwissenschaften an der Hochschule Rhein-Main begleitet die Gruppe Physik. Prof. Jens Gallenbacher und Prof. Martin Kiehl (TU Darmstadt) unterstützen das Team für Mathematik und Informatik. Jun.- Prof. Amitabh Banerji (Universität Köln) steht den Chemielehrern beim Thema Organische Elektronik zur Verfügung.

Monika Biewald vom Referat Berufliche Bildung beim Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung hält die Initiative für ein sehr wirkungsvolles Instrument, um die Praxis in die Schule zu bringen und umgekehrt. "Wir müssen diesen wertvollen Ansatz weiter verfolgen, der in der Vergangenheit immer zu kurz gekommen ist. "Inhalte, die im konventionellen Unterricht vermittelt würden, seien häufig aus dem Kontext gerissen. Dies mache es Schülern schwer, die konkreten Berufs- und Studienbilder hinter dem Fach erkennen zu können. "Schule 3.0 muss unbedingt weitergeführt werden. Allein der hohe Fachkräftebedarf in den MINT-Bereichen ist Grund genug." Sie plädiert für eine engmaschige MINT-Bildungskette vom Kindergarten über die Grundschule bis zu den weiterführenden Schulen, um keinen einzigen zu verlieren. Leuchtturmprojekte seien zu kurz gedacht. "Wir brauchen lange und abgestimmte Prozesse, um Kontinuität zu gewährleisten."

"Ich hätte mir an meiner damaligen Schule etwas Vergleichbares gewünscht", sagt Prof. Dr. Helge Bode von der Goethe-Universität Frankfurt. Er begrüßt mehr Interaktion zwischen Schule und Forschung auf Augenhöhe. Dr. Ullrich Treubert-Zimmermann, Lehrer am Alten Kurfürstlichen Gymnasium Bensheim, stellte beispielhaft vor, wie komplexe Themen der Biotechnologie bereits in der Sekundarstufe I unterrichtet werden können. "Eine enge Zusammenarbeit zwischen Schule, Hochschule und Industrie wie in Schule 3.0 ist für eine erfolgreiche Umsetzung im Unterricht zwingend notwendig." Dr. Ute Dechert ist Personalverantwortliche beim Biotechnologie-Unternehmen BRAIN AG in Zwingenberg. Sie sagt: "Schule 3.0 sollte fortgesetzt werden." Neue Technologien würden immer komplexer und vernetzter. "Wir müssen die Saat möglichst früh säen."

Ein Weg, den Merck seit 15 Jahren konsequent verfolgt. Dr. Christa Jansen, bei Merck federführend für die Schulförderung verantwortlich, stellte in Frankfurt erfolgreiche Schulprojekte vor und betonte die langjährige, fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Chemie.

Der Grundschulleiter Christian Zimmermann (Schlossbergschule Bensheim) bestätigt die Notwendigkeit der Frühförderung. Er erkennt einen gesteigerten "Forscherdrang" bei Kindern, die bereits im Kindergarten Berührung mit naturwissenschaftlichen Themen hatten. "Wir müssen junge Menschen früh begeistern. Es geht darum, dass sie die Welt verstehen."

"Mit klugen Köpfen neue Technologien voranbringen: Das macht Deutschland auch in Zukunft wettbewerbsfähig", so Matthias Rust, Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft Schule-Wirtschaft Hessen

Im Rahmen der Tagung wurden 35 hessische Schulen mit dem Zertifikat "MINT-freundliche Schule" ausgezeichnet. 17 davon erhielten das Gütesiegel zum ersten Mal. Weitere 18 wurden nach dreijähriger erfolgreicher Profilbildung in den Naturwissenschaften erneut geehrt. Die Auszeichnung steht unter der Schirmherrschaft des Hessischen Kultusministers Prof. Dr. Ralph Alexander Lortz.

"Die MINT-freundlichen Schulen in Hessen leisten mit ihrem klaren Fokus der Förderung der MINT-Unterrichtsfächer eine ganz hervorragende Arbeit. Sie tragen damit ganz wesentlich dazu bei, dass sich unsere Schülerinnen und Schüler nicht nur für diese Unterrichtsfächer begeistern können, sondern dass es auch zukünftig ausreichend qualifizierte Bewerber für MINT-Ausbildungsberufe gibt." Der Minister dankte dem Netzwerk MINT Zukunft schaffen für sein Engagement und die Auszeichnung der Schulen.

Das Zentrum für Chemie gehört zu den Partnern der Initiative, die Lernenden und Lehrenden in Schulen und Hochschulen sowie Eltern und Unternehmern die vielfältigen Entwicklungsperspektiven, Zukunftsgestaltungen und Praxisbezüge der MINT-Bildung nahe bringen will.


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