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31.05.2013 - Eingeschleppt: Zickzack-Blattwespe bei Berlin entdeckt

Müncheberg/Frankfurt, den 31.05.2013. Mit der Zickzack-Blattwespe ist ein Schadinsekt nach Europa eingeschleppt worden, dessen Larven ausschließlich an Ulmenblättern nagen. Dabei vermehrt sich das Tier rasch. Bis zu vier Generationen pro Saison tun sich am Laub gütlich. Um die nun auch in Berlin und Brandenburg gesichtete Wespe und ihre Ausbreitung in Europa besser verfolgen zu können, bitten die Insektenkundler des Senckenberg Deutschen Entomologischen Institutes in Müncheberg um Mithilfe. Bürger, die Zickzack-Blattwespen in Deutschland gesichtet haben, können Probenmaterial einschicken.

Fraßspuren der Zickzack-Blattwespe
Junge Larven fressen ein charakteristisches Zickzackmuster
in Ulmenblätter. Später wird fast die ganze Blattfläche aufgefressen.
Foto: Dr. Gábor Vétek, Budapest, Ungarn

Mal nagt sie nach rechts, mal frisst sie nach links: Ihren Namen verdankt die Zickzack-Blattwespe (Aproceros leucopoda) dem typischen Fraßmuster, das ihre Larven in die Blätter von Ulmen beißen. Sie gilt als invasive Art, ist also eine gebietsfremde Species, die in Europa die biologische Vielfalt beeinträchtigt.
Insektenforscher des Senckenberg Deutschen Entomologischen Institutes (SDEI) in Müncheberg entdeckten diesen Ulmenschädling vor wenigen Tagen erstmals in Berlin und Brandenburg. Der Fund bedeutet, dass diese Wespe in Deutschland ihr Verbreitungsgebiet bereits weiter nach Norden ausgedehnt hat als bisher angenommen.

Das Potenzial zum Schädling

Die Zickzack-Blattwespe stammt aus Ostasien. In Europa erstmals vor zehn Jahren gesichtet, galt diese Spezies als mittlerweile von der Ost-Ukraine bis Italien und von Rumänien bis Warschau verbreitet. In Deutschland wurde sie erstmals vor zwei Jahren in Südostbayern bei Passau beobachtet.
Die bis zu ein Zentimeter langen Larven fressen nur an Ulmen. Solch ein Befall kann zu völligem Kahlfraß führen. Schäden wurden sowohl in Wäldern als auch in Ortschaften und Gärten beobachtet, wo Ulmen als Zier- oder Alleebäume stehen.
Ulmen sind in vielen Regionen Europas bereits vom sogenannten "Ulmensterben", einer Pilzinfektion, betroffen. Mit der Zickzack-Blattwespe kommt ein weiterer Schädling dazu, der die Bestände schwächen kann. Wie sich das auf die Ulmen auswirkt und wie die Verbreitung des Schädlings voran schreitet, sollte daher dringend untersucht werden.

Citizen Science – Bürger finden die Zickzack-Blattwespe

„Um einen räumlich besseren Überblick zu erhalten, wo und wie schnell sich dieses Tier in Deutschland ausbreitet, hoffen wir sehr auf die Beteiligung naturinteressierter Bürger“, sagt Dr. Stephan Blank vom SDEI in Müncheberg. Die Zickzackfraßspur ist sehr charakteristisch und leicht zu erkennen, so dass jeder die Tiere entdecken kann. Die Futterpflanzen, Ulmen, erkennt man leicht daran, dass das Blatt an der Basis asymmetrisch ist. Das unterscheidet Ulmen deutlich von anderen heimischen Bäumen und Büschen. „Toll wäre, wenn uns die Entdecker Fotos oder besser Blätter mit Fraßschäden, Larven oder die netzartigen Kokons einschicken, zusammen mit Angaben zu Fundort, Funddatum und ihrer Email-Adresse“, konkretisiert Blank die Bitte: „Wir bestimmen die Proben, und die Einsender erhalten auf jeden Fall eine Antwort per Email.“
Die Daten werden dann in Form einer Verbreitungskarte auf der Senckenberg-Website zur Verfügung gestellt.

Kokon Zickzack-Blattwespe
Die Larven der Sommergenerationen spinnen zur Verpuppung
einen etwa 8 mm langen, netzartigen Kokon an die Blätter und
Zweige von Ulmen. Bildautor: Dr. Stephan M. Blank, Müncheberg

Weiberwirtschaft – schneller geht es ohne Männer

Die Zickzack-Blattwespe bringt bis zu vier Generationen pro Jahr hervor. Dabei pflanzt sie sich rein parthenogenetisch fort. Das bedeutet, dass das Weibchen unbefruchtete Eier legt, aus denen wieder nur Weibchen schlüpfen.
Da sie obendrein eine sehr schnelle Entwicklung vom Ei zum erwachsenen Tier absolviert, kann sie sich rasant vermehren. Vor allem die Sommergenerationen haben es eilig, sie verpuppen sich nur in den einfachen Kokons, die gleich an die Blätter oder Zweige der Ulmen gesponnen werden. Die überwinternden Tiere schützen sich vor Witterungseinflüssen durch einen dichtwandigen Kokon, den sie im Boden anlegen.

 

Probenmaterial oder Fotos von Vorkommen der Zickzack-Blattwespe bitte an folgende Adresse:

Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut (SDEI)
z.Hd. Dr. Stephan M. Blank
Eberswalder Straße 90
15374 Müncheberg
Mail: stephan.blank@senckenberg.de

Senckenberg möchte die Bürgerbeteiligung an der Forschung („Citizen Science“) stärken. Daher freuen wir uns über Einsendungen und Beobachtungen. Portokosten können jedoch leider nicht erstattet werden.
Die Verbreitungskarte wird ab August hier zu finden sein: http://www.senckenberg.de/root/index.php?page_id=16580 und wird regelmäßig aktualisiert.

Pressemitteilung zum Download

Larve Zickzack-Blattwespe
Die etwa 10 mm lange Larve der Zickzack-Blattwespe trägt
auf dem Kopf einen dunklen Streif und auf den Vorderbeinen
T-förmige Makel. Foto: Dr. Stephan M. Blank, Müncheberg

 

Kontakt

Dr. Stephan Blank
Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut
Eberswalder Straße 90
15374 Müncheberg
Tel: 033432 - 73698-3730

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