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13.11.2012 - Ausgegraben: Insektenfresser, Schmetterling und Co.

 Frankfurt / Messel, den 13.11.2012. In der diesjährigen Grabungssaison gab es rund 4.400 Funde im UNESCO- Welterbe-Grube Messel. Darunter sind ein gut erhaltenes Säugetier-Fossil, ein Schmetterling und mehrere bunt glänzende Käfer. Derzeit werden die neuen Funde präpariert und können danach wissenschaftlich bearbeitet werden.

Jedes Jahr im April rückt das Grabungsteam des Senckenberg Forschungsinstitutes in Frankfurt gemeinsam mit Praktikanten, ehrenamtlichen Helfern und Senckenberg-Schülern aus, um in der Grube Messel nach Fossilien zu graben.

Grabungsteam messel
Das Grabungsteam bei
der Arbeit © Senckenberg

„Und wir werden regelmäßig belohnt“, erzählt Dr. Stephan Schaal, Leiter der Abteilung Messelforschung am Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt. „Allein in diesem Jahr konnten unsere Grabungshelfer 4.405 Funde in ihren Protokollen verzeichnen.“

Am zahlreichsten wurden Pflanzen und Pflanzenreste entdeckt, darunter einige besonders schöne Blüten und Blätter. Beinah einmalig, aber dafür umso bedeutender ist der Fund eines vollständig überlieferten Säugetierfossils. „Das Fossil des ‚kleinen Insektenfressers‘ ist extrem gut erhalten. Man kann sowohl die Hautkontur, als auch die Tasthaare, die sonst selten erhalten sind, erkennen“, erklärt Säugetierspezialist Dr. Thomas Lehmann.

kleiner insektenfresser
Der kleine Insektenfresser
(Macrocranion tupaiodon) wird
gerade präpariert © Senckenberg

Der Insektenfresser (Macrocranion tupaiodon) ist ein igelartiges Säugetier mit einer Gesamtlänge von etwa 25 Zentimetern, hat aber im Gegensatz zum heutigen Igel extrem verlängerte Hinterbeine. Der fossile Säuger war demnach wahrscheinlich sehr wendig, auch eine gelegentliche zweifüßige Fortbewegung ist nicht ausgeschlossen.

Die Grube Messel ermöglicht durch die im Tonstein exzellent konservierten Fossilien einmalige Einblicke in die Zeit vor 47 Millionen Jahren. „Sogar Farben können erhalten bleiben“, ergänzt Grabungsleiterin Dr. Sonja Wedmann. So wurden auch in der diesjährigen Grabungssaison wieder zahlreiche bunt schimmernde Käfer gefunden. „Fossile Insekten waren unsere zweithäufigsten Funde. Darunter einige ganz tolle Exemplare“, sagt die Biologin. „Mitarbeiter des mit uns kooperierenden Museumsverein Messel haben beispielsweise einen besonders gut erhaltenen fossilen Schmetterling gefunden.“

grunwidderchen
Schmetterling mit grünlichen
Strukturfarben und gut erhaltener
Flügeladerung. Das Fossil ist
auf zwei Ölschieferplatten erhalten,
die hier digital zusammengesetzt
wurden © Senckenberg

Das sogenannte „Grünwidderchen“ (Zygaenidae) zeigt nicht nur eine schöne Farberhaltung, es ist auch die Flügeladerung von Vorder- und Hinterflügel zu erkennen.

Ein zwar zufällig entstandener, aber ebenfalls farbenfroher und hübscher Fund ist ein Käfer, auf dessen Flügeldecke sich ein Blütenrest abgelagert hat. Die Blüte ist durch weniger als einen Millimeter Ölschiefer vom Insekt getrennt.

käfer mit blütenresten (c) senckenberg
Schöner Zufall: Auf der
Flügeldecke des Käfers
Ceropria messelense
hat sich ein Blütenrest
abgelagert. © Senckenberg

Darüber hinaus wurden an den drei verschiedenen Grabungsstellen im UNESCO Welterbe zahlreiche Fisch-, Fledermaus- und Vogelfossilien sowie einige Reptilien aus dem Tonschiefer geborgen.

Die neuen Funde werden derzeit präpariert, eine wissenschaftliche Bearbeitung kann erst im Anschluss erfolgen. Die Eingabe in eine Datenbank hat aber schon begonnen. „Eine Arbeit, die wir gut in den Wintermonaten erledigen können“, sagt Wedmann. Denn im Frühjahr geht es wieder raus in die Grube – neue Entdeckungen warten!

Download der Pressemitteilung

Kontakt
Dr. Stephan Schaal
Senckenberg Forschungsinstitut
Abteilung  Paläoanthropologie und Messelforschung
Tel. 069 7542 1250

Dr. Sonja Wedmann
Senckenberg Forschungsinstitut
Abteilung  Paläoanthropologie und Messelforschung
Tel. 06159 9163 3214
sonja.

Dr. Thomas Lehmann
Abteilung  Paläoanthropologie und Messelforschung
Tel. 069 7542 1338

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434

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