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02.07.2019 - Fossiler Wasserfloh erwacht zum Leben

Frankfurt, 02.07.2019. Senckenberg-Wissenschaftler Kay Van Damme hat in Zusammenarbeit mit einem internationalen Team einen als ausgestorben geglaubten Wasserfloh in einem See in Finnland wiederentdeckt. Die Wasserflohart ist fossil relativ häufig überliefert, die Forschenden erbrachten nun den ersten rezenten Nachweis. Anhand der Morphologie des Krebstieres konnten die Wissenschaftler*innen den Wasserfloh als Rhynchotalona latens beschreiben und revidierten damit die bisherige taxonomische Zuordnung. Wasserflöhe sind wichtige Umweltanzeiger für heutige und vergangene Ökosysteme. Die Studien erschienen kürzlich in den Fachjournalen „Hydrobiologia“ und „Zootaxa“.

Wasserflöhe – Kleinkrebse aus der Gruppe der Cladocera – sind in der Regel nur zwischen 0,2 und 2 Millimeter groß. „Dies ist wohl einer der Gründe warum diese, in allen aquatischen Lebensräumen vorkommenden, Tiere häufig übersehen werden und zur sogenannten ‚unsichtbaren Biodiversität’ gehören“, erklärt Dr. Kay Van Damme vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt und fährt fort: „Trotz ihrer geringen Größe haben Wasserflöhe aber wichtige Aufgaben als Filtrierer, Detritusfresser und Bestandteil der Nahrungskette in den Ökosystemen. Zudem sind sie für uns kostbare Umweltanzeiger – heute und auch in der Vergangenheit.“

Der Frankfurter Biologe hat gemeinsam mit einem Team aus Finnland eine als ausgestorben angenommene Wasserfloh-Art in mehreren Seen im finnischen Lappland wiederentdeckt. Erstautorin Dr. Liisa Nevalainen von der University of Helsinki erzählt: „Bisher war diese Art nur als Fossil bekannt. Umso größer war unsere Überraschung, als wir die winzigen Krebse während einer Geländeexpedition mit einem 100-Mikrometer-Netz in fünf von neun untersuchten Seen in Nord-Finnland gefunden haben!“
Die Morphologie der wiederentdeckten Wasserflöhe führte anschließend zur Einordnung der Art in die seit 1903 bekannte Gattung Rhynchotalona. Die winzigen Krebse leben als bodenlebende Substratfresser in flachen Seen mit hohem organischen Anteil.
„Die ältesten fossilen Nachweise von Rhynchotalona latens sind etwa 10.000 Jahre alt – die Gattung der Wasserflöhe gibt es demnach schon eine lange Zeit. Die Erforschung der heutigen und der fossilen Wasserflöhe kann uns dabei helfen zu verstehen, wie sich das Leben in Gewässern bei veränderten Klima- und Umweltbedingungen entwickelt und anpasst“, resümiert Van Damme.

Publikation
Nevalainen, L., Kivilä, E.H., Luoto, T.P. et al. Hydrobiologia (2019) 837: 47. https://doi.org/10.1007/s10750-019-3958-z

Van Damme, Kay; Nevalainen, Liisa (2019): The most latent cladoceran in the Holarctic revealed—sinking Unapertura Sarmaja-Korjonen, Hakojärvi & Korhola, 2000 into the genus Rhynchotalona Norman, 1903 (Branchiopoda: Cladocera: Chydoridae). Zootaxa, DOI: http://dx.doi.org/10.11646/zootaxa.4613.3.3.


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pressestelle@senckenberg.de


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Der wiederentdeckte und neubeschriebene Wasserfloh Rhynchotalona latens.
Foto: Senckenberg/Van Damme/University of Helsinki/Nevalainen

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In diesem finnischen See wurde der Wasserfloh erstmals lebend gefunden.
Foto: Senckenberg/Van Damme/University of Helsinki/Nevalainen


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