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16.12.2016 - Alles für die Liebe: 50.000 und ein Ruf in der Nacht

Frankfurt, den 16.12.2016. Senckenberg Wissenschaftler haben die Rufleistung der südamerikanischen Froschart Leptodactylus mystacinus untersucht. Sie kommen zu dem Schluss, dass die männlichen Tiere bis zu 50.000mal pro Nacht rufen. Dabei müssen die kleinen Tiere eine enorme Energie aufbringen – das Werben um Weibchen scheint im Leben der Frösche das energetisch kostspieligste Verhalten zu sein. Noch unerforscht ist, welche Prozesse es denn Frösche erlauben stundenlang „quaken“ zu können. Die Studie ist heute im Fachjournal „Salamandra“ erschienen.

Der Pfeiffrosch Leptodactylus mystacinus kann bis zu 50.000 Rufe in der Nacht von sich geben. © Senckenberg/Jansen
Der Pfeiffrosch Leptodactylus mystacinus kann bis zu
50.000 Rufe in der Nacht von sich geben. © Senckenberg/Jansen

Schnauzbärtiger Frosch – so wird der Pfeiffrosch Leptodactylus mystacinus im Volksmund genannt. Doch nicht seine auffällige Gesichtszeichnung setzt der kleine Frosch ein, um den Weibchen zu imponieren. Vielmehr verausgabt sich der zwischen 3 und 6 Zentimeter große Frosch hierfür mit seiner Stimme. „Uns hat interessiert, wie oft und wie lange ein Froschmann in der Nacht ruft und wie er zu dieser Hochleistung fähig ist“, erklärt Dr. Martin Jansen vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt und fährt fort: „Darüber hinaus wollten wir wissen, wie variabel – oder im Gegensatz dazu stereotypisch – die Männchen ihre Rufe produzieren und welche Vorteile es hierbei eventuell bei der Partnerwahl gibt.“

Zu diesem Zweck haben Jansen und seine Kollegen mehrere Stunden von kontinuierlichen Froschrufen ausgewertet. Aufgenommen wurden diese von 22 bis 6 Uhr morgens mit einem Langzeitaufnahmegerät und einer Infrarotkamera in der bolivianischen Savanne, nahe der Senckenberg-Forschungsstation „Chiquitos“. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Pfeiffrösche über 700 Sekunden in der Stunde rufen können, dass macht 12 Minuten aufgeteilt auf über 15.000 Rufe. In einer Nacht geben sie über 50.000 Rufe von sich“, erläutert Jansen. Der Frankfurter Herpetologe vermutet, dass es andere „Hochleistungsquaker“ gibt, die mit einer höheren Rate Rufen und somit noch weit mehr Rufe in einer Nacht von sich geben können. Die Abschätzung der Rufleistung der verwandten Art Leptodactylus cupreus ergab beispielsweise über 50.000 Rufe in nur einer Stunde – und bis zu 300.000 Rufen in einer Nacht. Diese hohen Schätzzahlen müssen aber in empirischen Studien erst noch belegt werden.

Besonders zwischen 23 und 1 Uhr nachts geht es bei den Fröschen „heiß“ her.  © Senckenberg/Jansen
Besonders zwischen 23 und 1 Uhr nachts geht es bei
den Fröschen „heiß“ her. © Senckenberg/Jansen

Besonders rund geht es laut dem Forscherteam gegen 23 Uhr; nach 1 Uhr Nacht werden die Amphibien dann wieder deutlich ruhiger. „Ob es an den schwindenden Kräften liegt oder andere Gründe hat, können wir aber noch nicht mit Sicherheit sagen“, ergänzt Jansen.

Die Studie zeigt, dass die männlichen Frösche unterschiedliche Strategien verfolgen, um bei den Weibchen zu landen: Einige Arten quaken weniger pro Zeiteinheit, die einzelnen Rufe sind dafür deutlich länger. Andere Arten setzen eher auf eine Dauerbeschallung. „Wie die Frösche diese höchst anstrengende Leistung über so einen langen Zeitraum aufrechterhalten können, ist uns immer noch völlig unklar“, sagt Jansen und gibt einen Ausblick: „Hier möchten wir zukünftig untersuchen, welche inneren und äußeren Einflüsse eine Rolle spielen, und welche verschiedenen Strategien die verschiedenen Arten im Laufe der Evolution entwickelt haben.“

Kontakt

Dr. Martin Jansen
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum
Tel: 069- 7542 1234
martin.jansen@senckenberg.de

 Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation: Jansen, M., A. Masurowa & R. B. O’Hara: Temporal variation, duty cycle, and absolute calling effort during sustained calling of Leptodactylus mystacinus (Anura: Leptodactylidae). pp. 328-336. http://www.salamandra-journal.com/index.php/home/contents/2016-vol-52

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Pressekontakt

Dr. Sören Dürr
Tel.: 069 7542-1580

Judith Jördens
Tel.: 069 7542-1434
Mobil: 0172-5842340

Anna Lena Schnettler
Tel.: 069 7542-1561

Email: pressestelle@senckenberg.de

Fax: 069 7542-1517

Senckenberg
Forschungsinstitut und Naturmuseum
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt

 

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