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04.06.2019 - Druck aus der Tiefsee

Frankfurt, 04.062019. Unter Leitung von Senckenberger*innen fand kürzlich ein Workshop für Tiefsee-Taxonomie am Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt statt.
27 Wissenschaftler*innen aus zwölf Ländern diskutierten – vor dem Hintergrund des stetigen Artensterbens – die zukünftige Ausrichtung ihrer Fachrichtung. Sie fordern unter anderem eine stärkere Digitalisierung, eine stark verbesserte finanzielle Ausstattung taxonomischer Projekte und einen Stellenzuwachs in diesem Bereich.

In 4.000 Metern Meerestiefe ist der Druck etwa 400mal höher als an der Wasseroberfläche. „Mit diesem Tiefsee-Parameter können wir recht gut umgehen“, erklärt Prof. Dr. Angelika Brandt vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt und fährt fort: „Viel mehr ‚Druck’ macht uns, dass derzeitige globale Artensterben, welches auch vor der Tiefsee nicht haltmacht!“

Laut des aktuellen Berichts des Weltbiodiversitätsrates IPBES sind ein Viertel aller beschriebenen Arten durch menschliche Einflüsse vom Aussterben bedroht. Die Tiefsee ist der größte Lebensraum der Erde und beherbergt eins der artenreichsten Ökosysteme – doch die meisten Tiefseearten sind der Wissenschaft noch gar nicht bekannt.

Dr. Torben Riehl, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Senckenberg erläutert dies an einem Beispiel: „Aktuell sind 90 Arten der in der Tiefsee weit verbreiteten Langstielasseln wissenschaftlich beschrieben, über 100 weitere Arten wurden in den letzten Jahren entdeckt – wir erwarten in dieser Gruppe aber noch ein Vielfaches an Arten. Durch Fischerei, Umweltverschmutzung, Klimawandel und Bergbau ist der Lebensraum dieser Tiere stark bedroht. Es besteht die Gefahr, dass zahlreiche Arten aussterben, bevor sie überhaupt entdeckt wurden!“

Brandt und Riehl haben sich daher mit 25 internationalen Kolleg*innen im Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt getroffen und über die zukünftige Ausrichtung der Tiefsee-Taxonomie diskutiert. Die Teilnehmenden des von der Datz-Stiftung finanzierten Workshops sind sich einig: Taxonom*innen liefern mit ihren Entdeckungen und Beschreibungen unbekannter Arten das notwendige Basiswissen für den Erhalt der Artenvielfalt. Die Wissenschaftler*innen fordern daher vermehrte Kollaboration und Standardisierung von frei zugänglichen Online-Datenbanken, sowie eine stark verbesserte finanzielle Ausstattung taxonomischer Projekte und Stellenzuwachse in der Taxonomie.

„Zudem benötigen wir technische Neuerungen für die Entdeckung und Sammlung neuer Arten – nur so können wir die Tiefseeumwelt schützen und ihre Nutzung nachhaltig gestalten“, schließt Brandt.


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Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de 

Dr. Torben Riehl
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt
Tel: 069 7542 1251
torben.riehl@senckenberg.de


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Marions Langstielassel (Macrostylis marionae) aus dem Puerto Rico Graben im Atlantik (8338 m Tiefe). Momentan sind 90 Arten aus der Gruppe der Langstielasseln beschrieben, und über 100 weitere Arten wurden in den letzten Jahren entdeckt. Ein Vielfaches davon, so wird erwartet, bleibt noch zu entdecken. Maßstab = 250 µm.
Foto: Senckenberg


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