Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

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09.07.2009 - Mammute wanderten bis weit in den Süden.

Frankfurt a.M., 9. Juli 2009 _ Dass einige der Eiszeitriesen sogar bis in den Süden Spaniens gezogen sind, stellte sich heraus, als dort die fossilen Überreste von vier betagten Mammutbullen entdeckt wurden. Die Tiere lebten vor etwa 30 bis 40 Tausend Jahren in der Nähe von Padul, einer kleinen Stadt im heutigen Granada. Eine kürzlich veröffentlichte Studie beschreibt die Funde und erläutert, was die Mammute in den Süden zog und welche Relevanz die neuen wissenschaftlichen Ergebnisse für das Verständnis globaler Klimaereignisse haben.

Europas südlichste Skelettfunde von Mammuthus primigenius wurden in einem Moor auf dem 37. Breitengrad geborgen. Das ist deutlich südlicher als die Gefilde mit dem trocken-kalten Klima der Eiszeit, die man den zotteligen Kolossen im allgemeinen zuordnet.

Die fossilen Überreste der Padul-Mammute wurden in einem wissenschaftlichen Kooperationsprojekt von einer internationalen Forschergruppe untersucht. An der Studie beteiligt sind die Senckenberg Forschungsinstitute mit der Abteilung für Quartärpaläon-tologie in Weimar, die Universitäten Madrid und Oviedo sowie das Naturmuseum Rotterdam.

Felmammut

„Die Fellmammuts haben damals zu den dauerhaften Bewohnern Granadas gehört“, sagt Diego Álvarez-Lao von der Universität Oviedo und betont, dass es sich bei den Padul-Funden nicht um einzeln versprengte Tiere handelt, die sich rein zufällig in den Süden verirrt hatten. „Unsere Untersuchungen belegen, dass die spanischen Mammute sich anatomisch nicht von ihren Artgenossen in nördlicheren Regionen unterschieden haben. Es war die gleiche Art“, ergänzt Dick Mol, Eiszeitexperte am Naturmuseum Rotterdam.

Nicht die Sehnsucht nach sommerlichen Temperaturen oder weiten Sandstränden hat die Zottelriesen in den Süden gelockt, sondern eine „Speisekarte“ mit dem passenden Nahrungsangebot aus Gräsern, verschiedenen Kräutern und niedrigem Buschwerk. Die Ausdehnung der Mammutsteppe mit der für die typisch eiszeitliche Landschaft charakteristischen Vegetation ist durch Klima- und Umweltdaten belegt.

Nuria García von der Universität Complutense de Madrid stellt dazu fest: „Fossile Pflanzen, die wir in den Bohrkernen von Forschungs-bohrungen in Spanien und dem nahe gelegenen Mittelmeer nachweisen konnten, wie auch die Untersuchungen der Padul-Sedimente belegen, dass die Tiere sich von den typischen Pflanzen der nahezu baumlosen Mammutsteppe ernährten.“

Zu dem internationalen Team von Eiszeitforschern, die Europas südlichste Mammutfunde bearbeitet haben, gehört Ralf-Dietrich Kahlke. Den Senckenberg-Wissenschaftler hat vor allem interessiert, was Mammuthus primigenius und andere Eiszeittiere gleich an mehreren Ecken der Nordhalbkugel über den 40. Breitengrad hinaus bis weit in den Süden wandern ließ. „Ein Vergleich der Fundstellen, die zwischen dem 38. und 36. Breitengrad liegen, zeigt, dass die Tiere vor 30 bis 40 Tausend Jahren auch außerhalb Europas in Richtung Süden vorgestoßen sind,“ erläutert der Paläontologe und dokumentiert das anhand seiner Kartierungsergebnisse. Danach liegen die südlichsten Fundorte der Eiszeitriesen auf einem Gürtel, der sich von Westeuropa über Georgien und die sibirische Baikal-Region bis nach Ost-China und von Korea bis in den amerikanischen Mittelwesten hinein erstreckt.

Beim Blick auf die Höhen der Sierra Nevada bei Padul wird jedoch deutlich, dass die Kolosse auch hin und wieder an natürliche Grenzen stießen, die eine weitere Verbreitung verhinderten. Einen solchen Effekt hatten auch die Rocky Mountains in Nord Amerika. Auch Regionen, die nicht das typische Nahrungsangebot der sonst insgesamt baumlos-kargen Mammutsteppe boten, bremsten den Wandertrieb der Mammute. Dazu gehörten wüstenähnliche Gebiete oder auch die weiten, sich zunehmend ausdehnenden Prärien in Nordamerika, die aufgrund einer Vegetationsänderung andere Nahrung boten.

Es gab also Impulse für den Wandertrieb der Eiszeitriesen. Die aktuelle Studie belegt erstmals die südlichen Vorstöße von Mammuthus primigenius in Europa und zeigt, dass die Migration nach Spanien und Italien zur gleichen Zeit stattfand wie ähnliche Wanderungen nach Ost-China, in den Norden Japans und nach Kamtschatka. Die Wissenschaftler führen dieses Phänomen auf die Koppelung von Klimaereignissen im Nordost-Atlantik und Nordwest-Pazifik zurück. Das Ergebnis der Studie zusammen- fassend sagt Ralf Dietrich Kahlke: „Dies ist ein Beleg für globale Mechanismen, die das Klima schon während der Eiszeit regulierten und damit auch die Vegetation so beeinflusst haben, dass die Eiszeit-Mammute weit im Süden einen reich gedeckten Tisch vorfanden.“ (dve)

Hinweis für Redaktionen:
1. Die wissenschaftliche Publikation: ÁLVAREZ-LAO, D., KAHLKE, R.-D., GARCÍA, N. & MOL, D., 2009: “The Padul mammoth finds - On the southernmost record of Mammuthus primigenius in Europe and its southern spread during the Late Pleistocene“ ist veröffentlicht in: Journal: Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology. - Reference: PALAEO5005 PII: S0031-0182(09)00169-2 DOI: 0.1016/j.palaeo.2009.04.011 Auf Anfrage erhältlich über die Senckenberg Pressestelle, Doris von Eiff

2. Fotos schicken wir auf Wunsch in höherer Auflösung gerne zu. Die Freigabe erfolgt für die Nutzung im Rahmen einer begleitenden Berichterstattung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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