Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

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20.05.2011 - Alles im Fluss? Neuartige Lebensgemeinschaften in unseren Auenlandschaften – Herausforderungen und Chancen.

 Vortrag am 25. Mai 2011, 19 Uhr, SENCKENBERG Naturmuseum Frankfurt, Festsaal 2. OG

Frosch
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Frankfurt, den 20. Mai 2011. Flusslandschaften sind ein Sammelbecken der biologischen Vielfalt. Zugleich werden sie seit Jahrhunderten von den Menschen genutzt, geprägt und neu strukturiert – sie sind domestizierte Ökosysteme. Durch die Eingriffe und Klimaveränderungen wandern auch exotische Tierarten in heimische Flüsse ein und neuartige Lebensgemeinschaften entstehen. In seinem Vortrag am 25. Mai im Festsaal des Senckenberg Naturmuseums geht Dr. Klement Tockner vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei der Frage nach, wie sich der Lebensraum Fluss weiterentwickeln wird und welche Konsequenzen dies sich für den Menschen und die Tierwelt hat.

Natürliche Auen sind sehr dynamische Ökosysteme, denn hier treffen die großen Lebensräume Wasser und Land aufeinander. Dies macht sie zu Orten einer einzigartigen biologischen Vielfalt, die besonders günstige Bedingungen für das Entstehen und die Weiterentwicklung unterschiedlichster Arten bieten. Flussauen fungieren zudem als eine Art biologische Kläranlage, denn in Ihnen besteht ein eigenes ökologisches Gleichgewicht, in dem Schweb- und Schadstoffe wie Nitrate und Stickstoff abgebaut werden.

Große Flusslandschaften, wie wir sie heute kennen, sind jedoch durch den Menschen unwiderruflich geprägt und geformt. Durch Veränderungen wie Gewässerregulierung und Begradigungen ist nicht nur die Hochwassergefahr gestiegen, auch viele Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht, so dass die biologische Vielfalt nur durch aktive Gegenmaßnahmen zu erhalten ist. Da viele Flüsse durch Kanäle miteinander verknüpft sind, haben es exotische Arten leichter, in neue Gebiete einzuwandern. So gleichen sich die Lebensgemeinschaften immer weiter an und ein Teil der Vielfalt verschwindet. Diese neuartigen Lebensgemeinschaften haben jedoch keine gemeinsame Entwicklung durchlaufen und sind in ihrer Zusammensetzung so noch nie vorgekommen. Aus diesem Grund ist es beispielsweise schwierig, Vergleichswerte zu finden, an denen der Qualitätszustand eines Gewässers gemessen werden kann.

Diese irreversiblen Veränderungen und die damit verbundenen Wissenslücken stellen auch große Herausforderungen für die Wissenschaft und das zukünftige Management großer Flusslandschaften dar, da gängige Schutz- und Renaturierungsmaßnahmen nicht mehr greifen. So verändern sich die neuen Lebensgemeinschaften beispielsweise sehr schnell. Gleichzeitig fehlen wissenschaftliche Grundlagen und Erfahrungswerte, wie ein nachhaltiges Management dieser neuartigen Ökosysteme aussehen muss. Begünstigt die Durchmischung der Fauna und Flora die Artbildung und erhöht sie das Potenzial der Anpassungsfähigkeit von Lebensgemeinschaften? Oder sind nicht-einheimische Arten schädlich für das Ökosystem? Die Beantwortung dieser Fragen ist wichtig, um Flusslandschaften und ihren vielseitigen Nutzen für den Menschen wirkungsvoll zu schützen.

Datum:  Mittwoch, 25. Mai 2011
Ort:   Festsaal, Senckenberg Naturmuseum, Senckenberganlage 25, 60325 Frankfurt
Beginn:  19 Uhr

Die Veranstaltung findet im Rahmen der neunteiligen Vortragsreihe „Wasser! – Lebenselixier, Lebensraum, Lebensgefahr“ statt. Organisatoren sind das SENCKENBERG Naturmuseum in Zusammenarbeit mit dem LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F). Die Teilnahme ist kostenlos. Mehr unter www.senckenberg.de

Das Pressefoto steht für die aktuelle Berichterstattung zur Verfügung.

Pressekontakt Senckenberg:

Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Alexandra Donecker
Tel.: 069 7542 1561
Fax: 069 7542 1517
E-Mail: alexandra.donecker@senckenberg.de

Pressekontakt BiK-F:

LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)
Sabine Wendler
Tel.: 069 7542 1838
Fax: 069 7542 1800
E-Mail: sabine.wendler@senckenberg.de

Mit dem Ziel, anhand eines breit angelegten Methodenspektrums die komplexen Wechselwirkungen von Biodiversität und Klima zu entschlüsseln, wird das Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) seit dem 2008 im Rahmen der hessischen Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich ökonomischer Exzellenz (LOEWE) gefördert. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und die Goethe Universität Frankfurt sowie weitere direkt eingebundene Partner kooperieren eng mit regionalen, nationalen und internationalen Institutionen aus Wissenschaft, Ressourcen- und Umweltmanagement, um Projektionen für die Zukunft zu entwickeln und wissenschaftlich gesicherte Empfehlungen für ein nachhaltiges Handeln zu geben. www.bik-f.de

Die Erforschung von Lebensformen in ihrer Vielfalt und ihren Ökosystemen, Klimaforschung und Geologie, die Suche nach vergangenem Leben und letztlich das Verständnis des gesamten Systems Erde-Leben – dafür arbeitet die SENCKENBERG Gesellschaft für Naturforschung. Ausstellungen und Museen sind die Schaufenster der Naturforschung, durch die Senckenberg aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit den Menschen teilt und Einblick in vergangene Zeitalter sowie die Vielfalt der Natur vermittelt. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

Pressekontakt

Dr. Sören Dürr
Tel.: 069 7542-1580

Judith Jördens
Tel.: 069 7542-1434
Mobil: 0172-5842340

Anna Lena Schnettler
Tel.: 069 7542-1561

Email: pressestelle@senckenberg.de

Fax: 069 7542-1517

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Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt

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