Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

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28.11.2011 - Wie „Trici“ und „Edmonto“ ins Museum kamen

Drei Senckenberg-Dinos feiern 100jähriges Jubiläum

Frankfurt, den 29.11.2011. Sie sind das Wahrzeichen und Publikumslieblinge des Senckenberg Naturmuseums in Frankfurt: Die Dinosaurier. Drei von ihnen feiern dieses Jahr ein Jubiläum. Seit nun bereits 100 Jahren schauen Besucher den beiden Triceratops-Schädeln und Edmontosaurus in die Augenhöhlen. Aus Anlass des Jahrestages bietet Senckenberg an drei Adventssonntagen Sonderführungen sowie Bastelaktionen an und erzählt, wie die drei Dinos ins Museum kamen und was sie so außergewöhnlich macht.

Dreihornschädel Triceratops prorsus im Senckenberg Naturmuseum 1922
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Dreihornschädel Triceratops prorsus im
Senckenberg Naturmuseum 1930 © Senckenberg

Die drei Jubilare sind ganz besondere Stücke. Die beiden Schädel des Dreihorn-DinosauriersTriceratops prorsus sind nahezu komplette Originale und zieren außerdem das Wappen des Naturmuseums. Der Entenschnabelsaurier Edmontosaurus annectens zählt zu den wertvollsten Besitztümern Senckenbergs, denn was kaum einer weiß: Der Dino ist eine Mumie. Es existieren weltweit nur zwei Exemplare dieser Art.

Die Museumsgeschichte der Triceratops-Schädel beginnt am 19. August 1910 mit einem Telegramm. Kurator Fritz Drevermann benachrichtigt den damaligen Senckenbergdirektor Otto zur Strassen, dass der amerikanische Fossiliengräber Charles H. Sternberg die beiden Schädel zum Verkauf anbietet. Die Antwort kommt postwenden und lautet: Kaufen! Der Geheime Kommerzienrat Otto von Braunfels kommt Senckenberg zur Hilfe und finanziert mit 5000 Mark den Erwerb der Fossilien samt Transport aus den USA – eine Summe, die heute etwa 25.000Euro entspricht.

Der Triceratops-Schädel wird präpariert
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Der Triceratops-Schädel
wird präpariert © Senckenberg

Zwei Jahre braucht Präparator Christian Strunz, um den Knochen des vollständigeren Triceratops-Schädels herauszuarbeiten und fehlende Stücke zu rekonstruieren. „Als erster Schädel auf dem europäischen Festlande“ wird er 1913 im Lichthof des Senckenberg Naturmuseum ausgestellt. Sein Artgenosse gesellt sich 1930 hinzu, denn andere dringende Präparationsarbeiten stehen an. Wer den gewaltigen Nackenschild des Triceratops aus der Nähe betrachtet, sieht tiefe Eindrücke von Blutgefäßen, die beweisen, dass der Schild im Leben mit Horn überzogen war.

Auf der Verkaufsliste des Fossiliensammler Charles H. Sternberg steht 1910 aber noch ein weiteres Dinosaurierfossil: Ein spektakulär gut erhaltener Edmontosaurus. Wie die Triceratops-Schädel auch wurde er in Wyoming (USA) gefunden und aus den etwa 70 Millionen Jahre alten Gesteinsschichten der Lance Formation gemeißelt.

Edmontosaurus wird mit Sandsäcken vor Luftangriffen im 2.Weltkrieg geschützt
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Edmontosaurus wird mit Sandsäcken vor Luftangriffen im 2. Weltkrieg
geschützt © Senckenberg

Der Fund ist eine Sensation, denn außer dem ungewöhnlich vollständigen Skelett finden sich auch versteinerte Abdrücke der schuppigen Haut sowie Reste der letzten Mahlzeit, wie Zweige und Nadeln einer Konifere. Der Grund für den außergewöhnlichen Erhaltungszustand: Pflanzenfresser „Edmonto“ war nach seinem Tod einer schnellen und effektiven Austrocknung durch Luft und Sonne ausgesetzt; feinkörniger Sand und Schlamm deckten den Körper zu. So wurde er zu einer „Dinomumie“. Davon zeugt auch der zurückgebogene Kopf, denn durch die Trocknung zieht sich die Nackenmuskulatur zusammen.

Geheimrat Arthur von Weinberg, Frankfurter Mäzen und späterer Direktor des Senckenberg Naturmuseums, ermöglicht mit einer Spende von 10.500 Mark den Kauf des Fossils. Nach zweimonatiger Schiffsreise erreicht „Edmonto“ im März 1911 in fünf Kisten von mehr als insgesamt vier Tonnen Gewicht das Museum. Zehn Jahre dauert es, das Fossil aus dem harten Gestein zu befreien. Durch den ersten Weltkrieg und mangelndes Material verzögert sich die Arbeit, bis der Entenschnabelsaurier 1922 endlich für die Besucher zu sehen ist.

Edmontosauruswie er heute im Senckenberg Naturmuseum zu sehen ist
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Edmontosaurus wie er heute im Senckenberg
Naturmuseum zu sehen ist © Senckenberg

Bis heute verdankt das Senckenberg Naturmuseum tatkräftigen Freunden und Förderern den Erhalt einer herausragenden Sammlung. So auch, als Bürger im zweiten Weltkrieg die Dinosaurier zunächst mit Sandsäcken vor den Bombenangriffen schützen und die Ausstellungstücke schließlich evakuiert werden müssen, darunter auch die drei inzwischen hundertjährigen Jubilare. Nun brauchen die Sammlungen des Senckenbergs einmal mehr die Hilfe der Frankfurter Bürger. Ein neues, größeres Zuhause wird benötigt. Dem Um- und Neubau des Museum kommen alle Spenden zugute.
 

Adventsbasteln unter Dinosauriern: „Glitzersaurier und Dinoengel“
4., 11. und 18. Dezember 2011, 11 bis 17 Uhr
Ob als Weihnachtskarten, Baumschmuck oder einfach nur so – mit Pappe und Papier lassen sich allerlei lustige Dinos basteln. „Dino-Schlüsselanhänger“ aus Filz mit edlen Glas-Steinchen. Wir helfen dir beim Gestalten und Filzen deines ganz individuellen Freundes.
Teilnahmegebühr: 2 Euro, Schlüsselanhänger: 4 Euro
Ort: Sauriersaal des Naturmuseums. Anmeldung nicht erforderlich.

Dino-Führungen Edmonto und Trici: „Dinos, die Geschichte schrieben“
4., 11. und 18. Dezember 2011, 14 und 16 Uhr
Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums und zu Ehren der Spender bietet das Senckenberg Naturmuseum spezielle Führungen rund um die Dinosaurier an.
Treffpunkt: Triceratops im Sauriersaal des Naturmuseums. Es wird nur der Museumseintritt erhoben. Anmeldung nicht erforderlich.

Kontakt

Dr. Bernd Herkner
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum
Leiter Abteilung Museum
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt am Main
Tel. 069- 7542 1552
bernd.herkner@senckenberg.de

Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Alexandra Donecker
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt am Main
Tel. 069- 7542 1561
Fax 069- 75421517
Alexandra.donecker@senckenberg.de

 

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Tel.: 069 7542-1580

Judith Jördens
Tel.: 069 7542-1434
Mobil: 0172-5842340

Anna Lena Schnettler
Tel.: 069 7542-1561

Email: pressestelle@senckenberg.de

Fax: 069 7542-1517

Senckenberg
Forschungsinstitut und Naturmuseum
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt

 

19.01.2018 09:50:07


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