Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Presse

zur Übersicht

02.02.2012 - Vom Knochenfragment zum Urmenschen – neue Sonderausstellung im Senckenberg Görlitz

 Görlitz. Wie man mit Hilfe modernster Computertechnologie aus den Schädeln von Urmenschen Aussagen über deren Leben und die Evolution des Menschen machen kann, zeigt die Ausstellung „Im Fokus digitaler Techniken – Menschheit in 3D“ vom 11.02. bis 19.08. im Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz. Die Eröffnung findet am 10. Februar um 18:00 Uhr statt. Dr. Philipp Gunz vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie hält einen Einführungsvortrag.

Die Ausstellung zeigt, wie Anthropologen mit virtuellen Rekonstruktionen komplizierte anatomische Strukturen des Körpers sichtbar machen und analysieren. Mit mathematischen Verfahren können so im Computer fehlende Skelettteile ergänzt und die unvollständigen und zerbrochenen Fossilfunde wieder in ihre ursprüngliche anatomische Gestalt überführt werden. Der Vergleich fossiler Knochen von Frühmenschen lässt sich im Computer durchführen, ohne die wertvollen Originale durch ständige Berührungen in Mitleidenschaft zu ziehen.

Im Mittelpunkt dieser Forschung, der virtuellen Anthropologie, stehen die Schädel vorzeitlicher Menschen. Die Fossilfunde werden durch Oberflächen¬scans und Computertomografie erfasst, zusammenge¬fügt und rekonstruiert. Die dreidimensionalen Modelle sind derart genaue Abbilder der Originale, dass sie zur Erforschung der Stammesgeschichte des Menschen dienen können, ja sogar Rückschlüsse auf die Ernährung unserer Vorfahren zulassen. Die neu entwickelten digitalen Methoden finden in der medizinischen Diagnostik und Therapie genauso Anwendungen, wie in der Evolutionsforschung. So kann die Anatomie von Mumien am Computer untersucht werden oder auch chirurgische Eingriffe können mit dreidimensionalen Patientendaten genau geplant werden. An Computermodellen von Schädeln kann untersucht werden wie sich unsere Vorfahren entwickelt haben und wie sich die Schädelproportionen vom Kind zum Erwachsenen verändern. Mit Hilfe der Magnetresonanztomographie und anthropologischen Vermessungsmethoden können die Gehirnwindungen von unterschiedlichen Krankheitsbildern, wie z.B. Alzheimer Patienten virtuell verglichen werden, um Veränderungen in der Struktur festzustellen. Internstrukturaufnahmen durch Mikrocomputertomographie geben Auskunft über die Feinarchitektur der Zähne.  Auf digitalen Zahnoberflächen lässt sich herausfinden wie unsere Vorfahren gekaut haben und wie wir heute Zahnersatz gestalten sollten, damit er präzise funktioniert.

Die Besucher der Ausstellung können die virtuellen Welten der Forscher erleben und sich über die wissenschaftlichen Aktivitäten des »European Virtual Anthropology Network« informieren, einem internationalen Forschungskonsortium, dem auch Senckenberg angehört.


Text: O. Kullmer und U. Menz, Ch. Düker

Pressekontakt

Dr. Sören Dürr
Tel.: 069 7542-1580

Judith Jördens
Tel.: 069 7542-1434
Mobil: 0172-5842340

Anna Lena Schnettler
Tel.: 069 7542-1561

Email: pressestelle@senckenberg.de

Fax: 069 7542-1517

Senckenberg
Forschungsinstitut und Naturmuseum
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt

18.10.2018 09:05:10


17.10.2018 09:50:15


16.10.2018 09:55:12


https://die-welt-baut-ihr-museum.de