Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

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15.03.2012 - Sehen und Verstehen. Zum 100. Geburtstag Wilhelm Schäfers.

Zum 100. Geburtstag Wilhelm Schäfers, Direktor des Senckenberg Naturmuseums und Forschungsinstitutes 1961 bis 1978


Wilhelm Schäfer 1961 in seinem Wilhelmshavener Arbeitszimmer (c) A. Schäfer
Wilhelm Schäfer, im Jahre 1961 in seinem
Wilhelmshavener Arbeitszimmer, denkt über
die neuen großen Aufgaben im Frankfurter
Museum nach. © A. Schäfer
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Frankfurt/M. 15. März 2012. Ein Bild sagt manchmal mehr als tausend Worte. Das wusste auch Senckenberg-Direktor Wilhelm Schäfer (*1912 – †1981). Der geistige Vater des Senckenbergs in der Nachkriegszeit konzipierte die Dauerausstellung in den 60er Jahren neu. Nun gab es grafische Elemente zum besseren Verständnis der eigentlichen Exponate, die das erklärten, was man sah. Das Museum wurde zum publikumsnahen Erlebnisraum für alle und die Besucherzahlen stiegen um das Dreifache. Am 18. März 2012 wäre Schäfer einhundert Jahre alt geworden. Eine Ausstellung mit seinen Zeichnungen und Skizzen eröffnet im Rahmen des Kongresses „Exhibit Nature & Explain Science“ im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt am 6. und 7. Juni 2012.

So beeindruckend die ausgestellten Präparate des Senckenberg Naturmuseums auch sind, das Verständnis erschließt sich dem Betrachter nicht nur durch einfaches Hin- und Ansehen, sondern durch Begreifen und Einordnen. Die Form folgt der Funktion, heißt es zum Beispiel. Aber wie und warum? „Die Bildgraphik – sie vereinfacht Verwickeltes, sie stellt Bruchstückhaftes in die rechte Beziehung, sie zeigt den Weg zum organischen Zusammenhang und sie hilft schließlich in der Form auch Funktion zu sehen“, schrieb Wilhelm Schäfer schon 1967. Visuelle Medien wie Grafiken, Bilder oder Filme helfen, Inhalte zu veranschaulichen und das große Ganze zu verstehen.

Wilhelm Schäfer (Mitte) Mit Grafikern vor der Tyrannosaurus-Grafik (c) Senckeneberg
Wilhelm Schäfer (Mitte) mit Grafikern bei einer
Besprechung zur Tyrannosaurus-Grafik
© Senckenberg
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Mit seinem Antritt als Direktor der Senckenberg Museums und Forschungsinstitutes 1961 krempelte er Zug um Zug das alte Museumskonzept zu einer erlebnisorientierten Inszenierung von Themen für alle Besucher um. In jeder Phase des Umbaus brachte sich Schäfer ein: Er skizzierte Objekte, machte Entwürfe und schaute, wie seine Skizzen in den Werkstätten in Betongrafiken umgesetzt und mit Stahlplatten versehen wurden – ein innovativer Ansatz zur stilisierten Verdeutlichung der Gestalt und Begehbarmachung von Objekten. Er machte das Museum zu einer „Schule des Sehens“, wie er es nannte. Der Erfolg gab ihm Recht. Lagen die Besucherzahlen vor der Umgestaltung bei 50.000, so schnellten sie danach um das Dreifache in die Höhe und kletterten stetig weiter.

Das Geheimnis dieser Leistung lag nicht zuletzt in Schäfers ganzheitlicher Sicht der Dinge, die er auch bei anderen anregte. Er war vielfältig ausgebildet und hatte in Gießen Zoologie, Botanik, Geographie, Kunstgeschichte und Malerei sowie als Lehramtskandidat Philosophie und Pädagogik studiert. Geboren im Hessischen Ried in Crumstadt am 18. März 1912 interessierte er sich schon als Kind für die heimische Flora und Fauna. Für die Zoologie begeisterte ihn sein akademischer Lehrer Wulf Emmo Ankel, der ihn 1936 auf einer Exkursion in die Wilhelmshavener Forschungsstation „Senckenberg am Meer“ mitnahm. Damit waren die Weichen gestellt. Nach seiner Promotion über den Farbwechsel bei Tintenfischen absolvierte Schäfer ein kurzes Volontariat im Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt und wurde ab 1938 mit der Leitung des „Senckenberg am Meer“ in Wilhelmshaven betraut. Der Zweite Weltkrieg unterbrach 1941 seine Arbeit. Schäfer wurde eingezogen und kehrte erst im Frühjahr 1947 mit seiner Familie nach Wilhelmshaven zurück und begann dort mit dem Wiederaufbau. 1961 berief die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ihn zum Direktor und er begann mit der großen Aufgabe, das Museum zeitgemäß umzubauen.

Wilhelm Schäfer vor der Zeichnung eines Urzeitelefanten im Museum (c) Senckenberg
Wilhelm Schäfer vor der Zeichnung eines
Urzeitelefanten im Museum © Senckenberg
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Wilhelm Schäfers innovativer Ansatz lebt fort: Eine Ausstellung mit seinen Zeichnungen und Skizzen eröffnet im Rahmen des zweitägigen Kongresses „Exhibit Nature & Explain Science“ am 6. und 7. Juni 2012. Wissenschaftskommunikatoren, Museumsschaffende, Design- und Medienexperten, Unternehmen der Museumstechnik und -didaktik kommen an diesen beiden Tagen zusammen und diskutieren über Möglichkeiten und Erfolgsmodelle moderner Ausstellungspräsentation. Denn so wie sich wissenschaftliche Erkenntnisse sich nicht nur vermehren, sondern auch neu eingeordnet werden, wandeln sich auch Sehgewohnheiten und mit ihnen die Instrumente des Zeigens und Erklärens. Doch wie erklärt man Naturforschung anschaulich, unterhaltsam und verständlich, wie stellt man Naturphänomene zeitgemäß aus? Der Kongress „Exhibit Nature & Explain Science“ widmet sich diesen Fragen und ist gleichzeitig der Auftakt für das zukünftige Projekt Senckenberg: der geplanten Erweiterung des Naturmuseums in Frankfurt und Neugestaltung der Dauerausstellung.

Weitere Informationen zum Kongresse "Exhibit Nature & Explain Science" unter http://future.senckenberg.de

 

 

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Tel.: 069 7542-1580

Judith Jördens
Tel.: 069 7542-1434
Mobil: 0172-5842340

Anna Lena Schnettler
Tel.: 069 7542-1561

Email: pressestelle@senckenberg.de

Fax: 069 7542-1517

Senckenberg
Forschungsinstitut und Naturmuseum
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt

 

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