Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Presse

zur Übersicht

21.03.2012 - Viren aus dem Regenwald

Vortrag aus der Reihe „Natur wirkt!?“

Frankfurt, den 22. März 2012. Tropische Regenwälder sind die artenreichsten Gebiete auf der Erde. Diese Hotspots der Biodiversität beherbergen nicht nur unzählige Tier- und Pflanzenarten, sondern auch zahlreiche, oft noch kaum bekannte Viren. Doch was passiert, wenn der Mensch in das bestehende hochkomplexe Ökosystem Regenwald eingreift? Und wie wirkt sich dies auf die Verbreitung von Viren und ihren Überträgern aus? Antworten gibt Dr. Sandra Junglen vom Institut für Virologie der Universität Bonn in ihrem

Vortrag „Gesunde Vielfalt? Virusdiversität in tropischen Regenwäldern“ aus der Reihe „Natur wirkt!?“
am Mittwoch, den 28. März, um 19 Uhr,
im Festsaal des Senckenberg Naturmuseums, Senckenberganlage 25, 60325 Frankfurt.

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Uranotaenia_Pseudoficalbia_mashoaensis
Aus der Mückenart Uranotaenia Pseudoficalbia mashoaensis isolierte
Sandra Junglen das bisher unbekannte Flavivirus © Sandra Junglen
download (1653 KB)

Viren stellen immer wieder eine ernsthafte Bedrohung für die Menschheit dar, welche durch Globalisierung und Zunahme der Weltbevölkerung gewachsen ist. Besonders die Übertragung von Erregern von Tieren auf den Menschen, so genannten Zoonosen, ist zunehmend ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Prominente Beispiele sind Ebola, Influenza, Humanes Immundefizienz -Virus (HIV) und SARS-Coronavirus. Eine wichtige Rolle bei der Übertragung von Erregern von einem Organismus auf den anderen spielt dabei die Gruppe der Arboviren, welche durch blutsaugende Insekten zwischen Menschen und Tieren übertragen werden können. Besonders diese Virengruppe breitet sich global stark aus und kann zu verheerenden Epidemien führen, wie die Ausbreitung von Dengue Virus, Gelbfiebervirus und Chikungunyavirus gezeigt haben.

In den Regenwäldern der Elfenbeinküste, Mexikos und Ugandas untersucht Sandra Junglen die Vielfalt unterschiedlicher Moskitospezies und das Vorkommen neuer und bekannter Viren in Moskitos. Insbesondere den Grenzgebieten zwischen Regenwald und menschlich genutzten Flächen gilt Junglens Aufmerksamkeit. Die Studien zeigen, dass sich vor allem dort, wo der Mensch durch Waldrodung und verstärkte Landnutzung das Ökosystem Regenwald beeinflusste, die Zusammensetzung von Moskito-assoziierten Viren und deren Überträgern verändert haben. Gerade hier können Erreger aus dem Regenwald in Kontakt mit domestizierten Tieren, Moskitos als Überträger oder dem Menschen selbst kommen. „Unsere Studien liefern damit wichtige Hinweise auf den Einfluss von ökologischen Veränderungen auf die Verbreitung von Moskitos und deren Viren in neue Gebiete“, erklärt Junglen und ergänzt „Außerdem erhalten wir wichtige Erkenntnisse über die biologischen Mechanismen, die beim Wirtswechsel von Viren eine Rolle spielen.“

Im Vortrag wird deutlich, dass eine Vielzahl von Erregern sich erst ausbreiten und zu einem gesundheitlichen Problem werden können, nachdem Menschen vorher stabile Ökosysteme verändert haben, und so Erreger in neue Gebiete eingeschleppt werden. Das Eindringen von Viren in fremde Ökosysteme gilt als besonders folgenschwer, da diese Ökosysteme vollkommen naiv gegenüber dem Erreger sind und sich neue Viren möglicherweise ungehemmt ausbreiten können. Diese Fälle zeigen, wie wichtig es ist, potenzielle Krankheitserreger tropischer Reservoire zu kennen, um Ansatzpunkte für Kontrollstrategien zu bieten.

download der Pressemitteilung

download des Programmflyers "Natur wirkt!?"

Dieser Vortrag gehört zu der Vortragsreihe "Natur wirkt!?"
Was biologische Vielfalt für unsere Gesundheit bedeutet

Weitere Termine der Vortragsreihe sind:
mittwochs, jeweils um 19 Uhr, im Festsaal des Senckenberg Naturmuseums

11. April 2012
„Spinnenseide - Wunderwerkstoff in der plastischen Chirurgie“
Christina Allmeling, Labor für Regenerationsbiologie in der Plastischen Chirurgie, Medizinische Hochschule Hannover

2. Mai 2012
„Gefährliche Gäste - Parasit-Wirt-Beziehungen in terrestrischen und aquatischen Ökosystemen“
Prof. Dr. Sven Klimpel, Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F), Frankfurt am Main und Senckenberg Deutsches Etymologisches Institut (SDEI), Müncheberg

16. Mai 2012
„Die Bedeutung von Natur und naturnahen Räumen für Gesundheit und Lebensqualität“
Prof. Dr. Claudia Hornberg, Arbeitsgruppe Umwelt und Gesundheit, Universität Bielefeld

30. Mai 2012
„Ambrosia & Co. - Wie wirkt sich der Klimawandel auf allergene Pflanzen aus“
Prof. Dr. Oliver Tackenberg, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Goethe-Universität, Frankfurt am Main

13. Juni 2012
„Gesund dank Gift - Tiertoxine als Medikamente“

Prof. Dr. Dietrich Mebs, Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) und Goethe-Universität, Frankfurt am Main)

27. Juni 2012
„Alle Mücken sind bald da? Klimawandel und vektorübertragene Krankheiten in Europa“
Prof. Dr. Carl Beierkuhnlein, Lehrstuhl für Biogeografie, Universität Bayreuth

 Kontakt

Dr. Sandra Junglen
Institut für Virologie, Universität Bonn
Sigmund Freud-Str. 25
53127 Bonn
Tel. 0228- 287 13064
junglen@virology-bonn.de

Sabine Wendler
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) Pressereferentin
Tel.: 069- 7542 1838
sabine.wendler@senckenberg.de

Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Alexandra Donecker
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt am Main
Tel. 069- 7542 1561
Fax 069- 75421517
alexandra.donecker@senckenberg.de

 

Pressekontakt

Dr. Sören Dürr
Tel.: 069 7542-1580

Judith Jördens
Tel.: 069 7542-1434
Mobil: 0172-5842340

Anna Lena Schnettler
Tel.: 069 7542-1561

Email: pressestelle@senckenberg.de

Fax: 069 7542-1517

Senckenberg
Forschungsinstitut und Naturmuseum
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt

17.07.2018 12:25:08


17.07.2018 09:25:05


17.07.2018 08:17:07


https://die-welt-baut-ihr-museum.de