Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

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10.04.2012 - Vortrag: Medizin am seidenen Faden – neue Anwendungsgebiete für Spinnen

Frankfurt am Main, den 10. April 2012. Das Schleppseil der Goldenen Radnetzspinne hat es in sich: Die Spinnenseide ist zugfester als Stahl, äußerst reißfest, elastischer als Gummi und dabei extrem leicht. Wissenschaftler arbeiten seit Jahren daran, diese herausragenden Eigenschaften auch medizinisch nutzbar zu machen. Im nächsten Vortrag der von Senckenberg und dem Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) organisierten Reihe „Natur wirkt!?“ berichtet Christina Allmeling, Medizinische Hochschule Hannover, über neue Forschungen zu den medizinischen Einsatzmöglichkeiten von Spinnenseide – beispielsweise zur Hautkonstruktion, Nervenregeneration oder als Nahtmaterial.

Der Vortrag „Spinnenseide – Wunderwerkstoff in der plastischen Chirurgie“ findet

am Mittwoch, den 11. April, um 19 Uhr,
im Festsaal des Senckenberg Naturmuseums, Senckenberganlage 25, 60325 Frankfurt am Main

statt. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Die einzigartigen Eigenschaften von Spinnenseide haben Menschen schon früh dazu gebracht, diese erstaunliche Substanz zu nutzen. Bereits bei den Griechen wurde sie als Naht- und Verbandmaterial benutzt. Welche medizinischen Anwendungen der Biofaden heute ermöglicht und woran die Forschung arbeitet, berichtet Christina Allmeling, Labor für Regenerationsbiologie in der Plastischen Chirurgie, Medizinische Hochschule Hannover – einer der deutschen Topadressen für Forschung auf diesem Feld. Ihr Team züchtet unter anderem im Labor künstliche Haut auf Basis von Spinnenseide. Sie soll in der plastischen Chirurgie eingesetzt werden, um Brandopfern zu helfen, die eine großflächige Hauttransplantation zur Wundabdeckung benötigen. Spinnenseide kann diese Aufgabe bestens erfüllen, denn sie ist nicht nur mechanisch äußert belastbar, sondern wird auch vom Körper nicht abgestoßen.

Aber Spinnenseide kann noch viel mehr: Aus ihr hergestelltes Nahtmaterial hat sich im Versuch als zweieinhalbmal reißfester als vergleichbares Nylon und eineinhalbfach dehnbarer erwiesen. Zudem bilden sich weniger ausgeprägte Narben. Allmeling erläutert auch, wie Nervenverletzungen nach Unfällen oder Tumorerkrankungen dank Spinnenseide in Zukunft besser geheilt werden könnten.  In verschiedenen Versuchen hat sie gemeinsam mit ihrem Forschungsteam bereits gezeigt, dass sich aus Spinnenseide eine Art Gerüst bilden lässt, an dem durchtrennte, periphere Nervenstränge an Händen, Armen, Beinen oder Füßen wieder zusammenwachsen können. Bisher wird in solchen Fällen meist auf körpereigene Transplantate zurückgegriffen. Doch jede Entnahme der Spendernerven schädigt die gesunde Körperregion; Nervengewebe auf Grundlage von Spinnenseide kann daher eine interessante Alternative sein. Insbesondere da Spinnenseide die Anheftung und das nachhaltige Wachstum von Zellen sogar fördert.

Der Vortrag ist Teil der Reihe „Natur wirkt!?- Was biologische Vielfalt für unsere Gesundheit bedeutet“ sowie der Vortragsreihe zur Sonderausstellung „Faszination Spinnen“. Der nächste Vortrag „Im Land der Riesenspinne - Spinnenforschung in Laos“ von Dr. Peter Jäger, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt, Abteilung Arachnologie findet am 23. Mai 2012 statt.

Weitere Termine der Reihe „Natur wirkt !?“ (jeweils um 19 Uhr, im Festsaal des Senckenberg Naturmuseums) sind:

2. Mai 2012 - „Gefährliche Gäste - Parasit-Wirt-Beziehungen in terrestrischen und aquatischen Ökosystemen“
Prof. Dr. Sven Klimpel, Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F), Frankfurt am Main und Senckenberg Deutsches Etymologisches Institut (SDEI), Müncheberg

16. Mai 2012 - „Die Bedeutung von Natur und naturnahen Räumen für Gesundheit und Lebensqualität“
Prof. Dr. Claudia Hornberg, Arbeitsgruppe Umwelt und Gesundheit, Universität Bielefeld

30. Mai 2012 - „Ambrosia & Co. - Wie wirkt sich der Klimawandel auf allergene Pflanzen aus“
Prof. Dr. Oliver Tackenberg, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Goethe-Universität, Frankfurt am Main

13. Juni 2012 - „Gesund dank Gift - Tiertoxine als Medikamente“
Prof. Dr. Dietrich Mebs, Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) und Goethe-Universität, Frankfurt am Main)

27. Juni 2012 - „Alle Mücken sind bald da? Klimawandel und vektorübertragene Krankheiten in Europa“
Prof. Dr. Carl Beierkuhnlein, Lehrstuhl für Biogeografie, Universität Bayreuth

Kontakt

Christina Allmeling
Medizinische Hochschule Hannover
Tel.: 05115328863
Allmeling.Christina@Mh-Hannover.de

Sabine Wendler
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) Pressereferentin
Tel.: 069- 7542 1838
sabine.wendler@senckenberg.de

Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Alexandra Donecker
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt am Main
Tel. 069- 7542 1561
Fax 069- 75421517
alexandra.donecker@senckenberg.de

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Email: pressestelle@senckenberg.de

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Forschungsinstitut und Naturmuseum
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60325 Frankfurt

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