Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

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11.06.2012 - Vortrag im Senckenberg: Toxische Lebensretter - Einsatz von Tiergiften in der modernen Arzneiforschung

Frankfurt am Main, den 11. Juni 2012. In den natürlichen Giftcocktails von Schlangen, Skorpionen, Spinnen, Schwämmen, Moostierchen, Kegelschnecken, Färberfröschen und anderen Tieren sehen Wissenschaftler den Schlüssel zu neuen Heilmitteln. Im Rahmen der Vortragsreihe „Natur wirkt“ wird Prof. Dr. Dietrich Mebs, Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) und Goethe Universität Frankfurt, erläutern, wie das natürliche Gift bereits genutzt wird und welche Einsatzgebiete in Zukunft möglich sind.

Der Vortrag „Gesund dank Gift – Tiertoxine als Medikamente“ findet statt

am Mittwoch, den 13. Juni 2012 um 19 Uhr
im Festsaal des Senckenberg Naturmuseums
, Senckenberganlage 25, 60325 Frankfurt.

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Viele Tierarten setzen beim Beutefang  oder zur Verteidigung auf Gift. Welches Heilungspotential für den Menschen in diesen mehr als 100.000 Gifttieren, die wir derzeit kennen, steckt, ist bislang nur wenig erforscht. Mehr als 30% der gegenwärtig auf dem Markt befindlichen Medikamente sind pflanzlichen Ursprungs, aber dies könnte sich bald ändern, denn die Medizin interessiert sich zunehmend für die Verwendung von Tiergiften.

Die südamerikanische Lanzenotter setzt mit ihrem Biss beispielsweise ein Gemisch von bis zu 100 Giftstoffen, sogenannten Toxinen, frei. Für die Beute der Giftschlange schlägt damit das letzte Stündlein, für den Menschen verspricht der Giftmix Heilung, denn durch Extrahieren einzelner Toxine könnten neuartige Arzneimittel gewonnen werden, die den Blutdruck senken, Thrombosen verhindern auch oder Blutgerinnsel auflösen, beispielweise nach einem Schlaganfall. Andere vielversprechende Giftlieferanten sind Kegelschnecken, die im Indo-Pazifik leben. Im Gift einer einzigen Art können 50 bis 150 unterschiedliche Toxine enthalten sein, aus denen unter anderem Schmerzmittel entwickelt werden können.

Einzelne Giftkomponenten dieser und anderer Tierarten können außerdem in der Behandlung der Volkskrankheiten Bluthochdruck, Diabetes und Thrombosen, die häufig zum Herzinfarkt führen, eingesetzt werden. Die Giftstoffe selbst geraten dabei meist nicht direkt in den Körper; ihre chemische Struktur dient lediglich als Muster für die Medikamente und wird im Labor nachgebaut. Verschiedene Mittel sind bereits in der Erprobung, teilweise sogar schon im Gebrauch. Langfristige Vision der Wissenschaftler ist es aber, Tiertoxine auch zur Behandlung anderer Krankheiten wie Krebs, Alzheimer oder Parkinson zu nutzen.

Doch mit dem Verlust biologischer Vielfalt durch die fortschreitende Zerstörung artenreicher Ökosysteme wie Regenwälder und Korallenriffe droht auch hier: Was noch gar nicht entdeckt oder erforscht ist, geht als wertvolle Ressource verloren.    

Der Vortrag von Prof. Dr. Mebs ist Teil der Vortragsreihe "Natur wirkt!? - Was biologische Vielfalt für unsere Gesundheit bedeutet“. Die Reihe wird in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum Biodiversität und Klima (BiK-F) organisiert.

Nächster Termin ist:

27. Juni 2012 - Prof. Dr. Carl Beierkuhnlein (Lehrstuhl für Biogeografie, Universität Bayreuth):  „Alle Mücken sind bald da? Klimawandel und vektorübertragene Krankheiten in Europa“  

Kontakt

Prof. Dr. Dietrich Mebs
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) &
Goethe-Universität
Tel. 06109-22129
mebs@em.uni-frankfurt.de

Sabine Wendler
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) Pressereferentin
Tel.: 069- 7542 1838
sabine.wendler@senckenberg.de

Alexandra Donecker
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Pressestelle
Tel. 069- 7542 1561
Fax 069- 75421517
alexandra.donecker@senckenberg.de

Die Erforschung von Lebensformen in ihrer Vielfalt und ihren Ökosystemen, Klimaforschung und Geologie, die Suche nach vergangenem Leben und letztlich das Verständnis des gesamten Systems Erde-Leben – dafür arbeitet die SENCKENBERG Gesellschaft für Naturforschung. Ausstellungen und Museen sind die Schaufenster der Naturforschung, durch die Senckenberg aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit den Menschen teilt und Einblick in vergangene Zeitalter sowie die Vielfalt der Natur vermittelt. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

Mit dem Ziel, anhand eines breit angelegten Methodenspektrums die komplexen Wechselwirkungen von Biodiversität und Klima zu entschlüsseln, wird das Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK‐F) seit 2008 im Rahmen der hessischen Landes‐ Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich ökonomischer Exzellenz (LOEWE) gefördert. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und die Goethe Universität Frankfurt sowie weitere direkt eingebundene Partner kooperieren eng mit regionalen, nationalen und internationalen Institutionen aus Wissenschaft, Ressourcen‐ und Umweltmanagement, um Projektionen für die Zukunft zu entwickeln und wissenschaftlich gesicherte Empfehlungen für ein nachhaltiges Handeln zu geben. Mehr unter www.bik‐f.de

Pressekontakt

Dr. Sören Dürr
Tel.: 069 7542-1580

Judith Jördens
Tel.: 069 7542-1434
Mobil: 0172-5842340

Anna Lena Schnettler
Tel.: 069 7542-1561

Email: pressestelle@senckenberg.de

Fax: 069 7542-1517

Senckenberg
Forschungsinstitut und Naturmuseum
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt

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