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09.08.2012 - Es werde Licht! Weltweit erste augenlose Riesenkrabbenspinne entdeckt

Frankfurt, den 09.08.2012. Ein Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes in Frankfurt hat in Laos die erste augenlose Riesenkrabbenspinne der Welt entdeckt. Die zugehörige Studie ist im Fachjournal Zootaxa erschienen.

Mit nur sechs Zentimetern Beinspannweite und einer Körpergröße von etwa zwölf Millimetern zählt die Spinne Sinopoda scurion sicherlich nicht zu den größten Vertretern der Riesenkrabbenspinnen. Doch sie ist weltweit die erste augenlose Spezies dieser über 1100 Arten fassenden Familie.

Sinopoda scurion
Ein besonderer Höhlenbewohner: die
augenlose Riesenkrabbenspinne © Senckenberg

„Ich habe die Spinne in einer Höhle in Laos gefunden, etwa 100 Kilometer von der bekannten Xe Bang Fai-Höhle entfernt“, berichtet Peter Jäger, Leiter der Sektion Arachnologie am Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt. „Spinnen dieser Gattung waren uns schon aus anderen Höhlen bekannt, aber sie hatten immer Augen und eine komplette Pigmentierung. Sinopoda scurion ist die erste Riesenkrabbenspinne ohne Augen.“

Die Zurückentwicklung der Augen ist auf das dauerhafte Leben ohne Tageslicht zurückzuführen. Diese Anpassung konnte von dem Frankfurter Arachnologen auch bei weiteren höhlenlebenden Spinnenarten der Gattung beobachtet werden. „Die von mir beschriebenen Sinopoda-Arten zeigen alle möglichen Übergänge zur Höhlenanpassung – von acht funktionierenden Augen über Formen mit sechs, vier und zwei Linsen bis hin zu blinden Spinnen“, erklärt Jäger.
Die Spinnen sind dabei in guter Gesellschaft: In den Höhlen von Laos wurden bereits an Höhlen angepasste Fische, Skorpione und Krabben entdeckt.

Sinopoda scurion von vorne
Vorderansicht von Sinopoda scurion –
die Augen der Spinne fehlen vollständig © Senckenberg

Insgesamt hat der Frankfurter Spinnenforscher neun neue Arten der Gattung Sinopoda beschrieben. Dass alle Arten in Höhlen gefunden wurden, bestätigt die Vorliebe der Tiere für unterirdische Lebensräume. Anhand der nur kleinräumig vorkommenden Spinnenarten kann die Anpassung an den Lebensraum Höhle untersucht werden – durch die Anzahl der vorhandenen Augen und das Sehvermögen können möglicherweise Aussagen über den Zeitpunkt der Besiedlung getroffen werden. „Außerdem können die Spinnen als Indikator für die Gefährdung ihrer Habitate herangezogen werden. Nicht selten sind diese durch Tourismus oder Abbau der Kalkfelsen für die Zementgewinnung in Gefahr“, sagt Jäger.

Die augenlose Riesenkrabbenspinne wurde nach der Schweizer Firma für Höhlen-Stirnlampen „Scurion“ (www.scurion.ch) benannt. „Sinopoda scurion ist die erste Art, die ich im Biopatenschaftenprogramm für eine Firma beschreibe“, erläutert Jäger. „Die Stirnlampen von Scurion helfen mir auf meinen Höhlentouren, die dunkelsten Winkel auszuleuchten, und so Gefahren wie giftige Schlangen und Skorpione rechtzeitig zu erkennen, aber auch ganz kleine Organismen aufzuspüren.“

Mit einer einmaligen Spende an den gemeinnützigen Verein BIOPAT kann man einen Namen seiner Wahl "verewigen" lassen, indem man eine neu entdeckte Tier- oder Pflanzenart taufen lässt (www.biopat.de).

Als Dank für die Benennung spendete die Firma vier Sets der hochwertigen Lampen für den Einsatz in den laotischen Höhlen. Zwei der Sets werden gemäß den Richtlinien des Biopatenschaftsprogramms an die laotischen Kollegen gehen – so werden auch in Zukunft die Spinnen aus den Höhlen ins Rampenlicht geholt!

Kontakt
Dr. Peter Jäger
Senckenberg Forschungsinstitut
Sektion Arachnologie
Tel. 069 7542 1340

Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Judith Jördens
Tel. 069- 7542 1434

Publikation
JÄGER, P. (2012) Revision of the genus Sinopoda Jäger 1999 in Laos with discovery of the first eyeless huntsman spider species (Sparassidae: Heteropodinae). — Zootaxa 3415: 37–57 (2012)
http://www.mapress.com/zootaxa/2012/f/zt03415p057.pdf
 

Die Erforschung von Lebensformen in ihrer Vielfalt und ihren Ökosystemen, Klimaforschung und Geologie, die Suche nach vergangenem Leben und letztlich das Verständnis des gesamten Systems Erde-Leben – dafür arbeitet die SENCKENBERG Gesellschaft für Naturforschung. Ausstellungen und Museen sind die Schaufenster der Naturforschung, durch die Senckenberg aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit den Menschen teilt und Einblick in vergangene Zeitalter sowie die Vielfalt der Natur vermittelt. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

Pressekontakt

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Anna Lena Schnettler
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Email: pressestelle@senckenberg.de

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