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23.05.2013 - Ich schau Dir in die Stielaugen, Kleiner

Neues Riesenmodell der Stielaugen-Zwergspinne im Senckenberg Naturmuseum

Frankfurt, den 23.5.2013. Im Original ist die Stielaugen-Zwergspinne (Walckenaeria acuminata) nur etwa 3 Millimeter groß. Den äußerst skurrilen Kopffortsatz der Männchen, der sonst nur unter dem Mikroskop zu erkennen ist, können Besucher ab sofort im Senckenberg Naturmuseum mit bloßem Auge sehen. Ein 100fach vergrößertes, also 30 cm großes Modell des winzigen Achtbeiners bereichert seit Anfang dieser Woche den Spinnensaal im zweiten Obergeschoss.

(c) Jäger Senckenberg
Die männlichen Spinne nutzt ihre Taster
am Kopf zur Spermaübertragung
© Senckenberg

Die bizarr geformte Zwergspinne lebt nicht etwa in exotischen Ländern, sondern tummelt sich in der Laubstreu deutscher Wälder und kommt in ganz Europa vor. Im Herbst sieht man die für den „Altweibersommer“ typischen Fäden der Winzlinge im Sonnenlicht glitzern. Mittels ihres Spinnfadens lassen sie sich oft kilometerweit durch die Luft tragen. Aus dem rötlichen Kopfbereich des Männchens ragt ein dünner Fortsatz, auf dem alle acht Augen des Tieres liegen: vier in der Mitte und vier am oberen Ende. Warum das so ist, ist noch kaum erforscht.

(c) Jäger, Senckenberg
Stielauge Walckenaeria acuminata ist in
Wirklichkeit nur etwa drei Millimeter groß
© Senckenberg

Auch bei vielen weiteren Arten der Zwergspinnen besitzen die Männchen eine modifizierte Kopfregion. Sie wird während der Paarung vom Weibchen mit ihren Fangzähnen ergriffen, ohne dass das Männchen zu Schaden kommt. Die Stielaugen-Zwergspinne besitzt die in Deutschland auffälligste Form einer solchen Modifikation. Auch das Weibchen weist als absolute Ausnahme im Vergleich zu anderen Arten eine kleine Verlängerung im Augenbereich auf.

Eine wichtige Funktion erfüllen wie bei allen Spinnen die Taster der männlichen Tiere. Sie dienen der Fortpflanzung, denn mit ihnen nimmt das Tier einen Samentropfen auf, der zuvor auf ein sogenanntes Sperma-Netzabgegeben wurde. Mit gefülltem Taster macht es sich auf den Weg zum Weibchen und überträgt das Sperma bei der Paarung. „Fremdgehen“ zu einer anderen Art ist dabei ausgeschlossen, denn besonders geformte Strukturen am Taster passen exakt zum artgleichen Weibchen. Diese Charakteristik machen sich die Forscher zunutze. Sie können anhand der individuell geformten Kopulationsorgane genau bestimmen, um welche der über 43.000 bekannten Spinnenarten es sich handelt.

Das Modell von Walckenaeria acuminata war in Frankfurt bereits während der Sonderausstellung „Faszination Spinnen“ zu sehen und zog dann weiter nach Dresden. Nun findet die von der Hamburger Designerin Julia Stoess gestaltete und kolorierte Spinne ihren Platz in der Dauerausstellung des Frankfurter Museums. Zu finden ist sie gengenüber der japanischen Riesenkrabbe, die entgegen der Vermutungen erstaunter Besucher kein vergrößertes Modell ist, sondern mit ausgestreckten Beinen tatsächlich bis zu 3,7 Meter misst. Als weitere Neuheit im Spinnensaal können Besucher eine Bilderserie über aktuelle Spinnenforschung in Laos betrachten.

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Kontakt

Dr. Peter Jäger
Senckenberg Forschungsinstitut
Sektion Arachnologie
Tel. 069 7542 1340

Julia Stoess
Diplom-Designerin
Tel. 040- 32038825

Alexandra Donecker
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1561
Fax 069- 75421517

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Tel.: 069 7542-1434
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Email: pressestelle@senckenberg.de

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