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16.12.2013 - Auf der Spur der mongolischen Gazellen – Thomas Müller neuer Robert Bosch Juniorprofessor in Frankfurt

Frankfurt, 16.12.2013. Die Mongolei erlebt derzeit aufgrund ihrer Bodenschätze – Öl, Kupfer und Gold – einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. In dem bisher wenig erschlossenen Land werden neue Straßen und Eisenbahnlinien gebaut. Welche Auswirkungen diese Eingriffe in Kombination mit dem Klimawandel auf die Wanderbewegungen der dort heimischen riesigen Gazellenherden haben, erforscht der jetzt an die Goethe-Universität berufene Biologe Dr. Thomas Müller. Nach zehn Jahren in den USA kehrt er als Robert Bosch Juniorprofessor nach Deutschland zurück. Diese Juniorprofessur vergibt die Robert Bosch Stiftung einmal jährlich an herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die die Wechselwirkungen zwischen natürlichen Prozessen und menschlichen Umwelteingriffen erforschen.

Thomas Müller
Thomas Müller © U. Dettmar


Für die Berufung von Thomas Müller haben sich drei Frankfurter Institutionen gemeinsam eingesetzt: Die Goethe-Universität, das LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) Frankfurt und die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Am BiK-F hat Thomas Müller bereits vor einigen Jahren als Postdoktorand gearbeitet. Damals erforschte er mit Prof. Katrin Böhning-Gaese die Bewegungen von Hornvögeln in Südafrika. Diese Vögel haben eine wichtige Funktion für das Ökosystem, weil sie Pflanzensamen zwischen benachbarten Waldgebieten transportieren. Solche „tierischen Taxis“ werden in Zeiten des Klimawandels zunehmend wichtiger, müssen doch künftig immer mehr Arten ihren sich verschiebenden Lebensräumen hinterher wandern – und gerade Bäume sind dazu ohne tierische Samentransporteure kaum in der Lage. Mit einer Analyse von Vogelzugdaten der nordamerikanischen Schreikraniche konnte Müller aufklären, in wieweit der Vogelzug in den Genen liegt und was daran erlernt ist. Diese Arbeit schaffte es sogar auf den Titel der renommierten Fachzeitschrift „Science“.

Gazelle
Die mongolische Gazelle
(Procapra gutturosa)

Neues Arbeitsfeld: Bewegungsökologie der Tiere

Als Juniorprofessor wird Thomas Müller nun eine eigenständige Arbeitsgruppe leiten, die sich mit der jungen Forschungsdisziplin „Movement Ecology“ – der Bewegungsökologie von Tieren – beschäftigt. Bereits 2007 half er einem Kollegen in der Mongolei einzelne Gazellen einzufangen und mit einem Peilsender auszustatten. In seiner Doktorarbeit wertete er die Daten aus und fand heraus, dass die Migrationsbewegungen „völlig chaotisch“ sind. Allerdings zeigten die Daten auch, dass die Zäune entlang der 2.215 Kilometer langen transmongolischen Eisenbahnlinie von Ulaanbaatar nach Peking sowie entlang der mongolisch-chinesischen Grenze ein unüberwindbares Hindernis für die Tiere darstellen. Dasselbe gilt für die wenigen, von LKWs stark befahrenen Straßen. „Meine Forschungsergebnisse sollen in praktische Empfehlungen für die Mongolei münden, wie sie ihren wirtschaftlichen Aufschwung ökologisch verträglicher gestalten kann“, so Müller. Vorstellbar wäre beispielsweise die Modifikation oder Entfernung von Zäunen. Seine Erkenntnisse möchte er schrittweise auch auf andere Ökosysteme und Regionen der Welt übertragen.
Thomas Müller studierte an der Universität Marburg Biologie und promovierte an der University of Maryland in den USA. Anschließend arbeitete er in Frankfurt und in Maryland als PostDoc und als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Smithsonian Conservation Biology Institute, USA.

Gazelle
Mit GPS-Sender ausgestattete Gazelle.
Die so gewonnenen Daten helfen den
Wissenschaftlern, die Wanderungen
der Herden zu verstehen, über die
bislang wenig bekannt ist.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:

Juniorprofessor Dr. Thomas Müller, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität und
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)
 Tel.: +49 (0)69 7542 1889 
 ,

oder

Dr. Julia Krohmer
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F),
Transferstelle
Tel. +49 (0)69 7542 1837

Link zur Robert Bosch Stiftung:

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LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum, Frankfurt am Main
Mit dem Ziel, anhand eines breit angelegten Methodenspektrums die komplexen Wech-selwirkungen von Biodiversität und Klima zu entschlüsseln, wird das Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK‐F) seit 2008 im Rahmen der hessischen Landes‐Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) gefördert. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und die Goethe Universität Frankfurt sowie weitere direkt eingebundene Partner kooperieren eng mit regionalen, nationalen und internationalen Akteuren aus Wissenschaft, Ressourcen‐ und Umweltmanagement, um Projektionen für die Zukunft zu entwickeln und wissenschaftlich gesicherte Empfehlungen für ein nachhaltiges Handeln zu geben. Mehr unter
www.bik‐f.de.


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