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03.11.2014 - Ein Jaguar für das Senckenberg Naturmuseum

Neues Exponat in der Dauerausstellung in Frankfurt

Jaguar_Foto_Senckenberg, Becker
Die fertiggestellte Plastik, wie sie im Museum zu sehen ist
Foto: Senckenberg, Becker

Frankfurt, den 3.11.2014. Der Jaguar ist die einzige Großkatze, die ihre Beute mit einem Biss in den Schädel töten kann. Sein Gebiss ist fast doppelt so stark wie das eines Löwen. Ab dem 4. November 2014 können Besucher ein Exemplar des anmutigen Jägers im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt aus der Nähe betrachten. Udo Becker hat das aus dem Zoo Landau in der Pfalz stammende Tier als Dermoplastik präpariert. Der Jaguar, ein 77 Kilo schweres und über 20 Jahre altes Männchen, war dort am 31. Januar 2012 gestorben. Es ist das erste Mal seit über 40 Jahren, dass ein Jaguar im Senckenberg Naturmuseum gezeigt wird.

Jaguarkörperplastik noch ohne Fell_Foto_Senckenberg, Becker
Die fertige Jaguarkörperplastik noch ohne Fell
Foto: Senckenberg, Becker

Nach dem Tiger und dem Löwen ist der Jaguar die drittgrößte Katzenart der Welt. In weiten Teilen seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes ist er durch die Zerstörung seines Lebensraumes stark gefährdet oder schon verschwunden. Experten nehmen an, dass noch zwischen 15.000 und 25.000 Tiere in freier Wildbahn leben. Für die wertvolle Spende des Jaguars ist die Senckenberg Gesellschaft dem Zoo Landau in der Pfalz daher sehr dankbar. Erst diese Schenkung ermöglichte es, die Schausammlung des Museums mit einem ansprechenden Exponat zu bereichern. Das präparierte Skelett des Tieres wurde in die wissenschaftliche Sammlung des Forschungsinstitutes aufgenommen.
 
Der Jaguar, der nun in der Dauerausstellung zu sehen ist, wurde naturgetreu im sogenannten dermoplastischen Verfahren präpariert. Dabei wird ein künstlicher Körper modelliert, der in seinen Abmessungen und in seiner Anatomie bis ins Detail dem lebenden Muskelkörper des Tieres entspricht. Vom Originalmaterial des toten Jaguars wird lediglich das Fell für das das Präparat verwendet. „Neben den von dem Tier genommenen Maßen sind Abgüsse des Körpers, angefertigte Zeichnungen sowie Fotografien lebender Jaguare sehr hilfreich, um eine möglichst realistische Darstellung zu erreichen“, erklärt Präparator Udo Becker, der Haltung und Bewegungsabläufe des Tieres für seine Arbeit genau studierte. Für den Jaguar hat er eine liegende Position auf einem Baumstamm gewählt. Auch einige individuelle Merkmale, z. B. die Gestalt des Kopfes und die Irisfarbe der Augen dieses Jaguarmännchens möchte der Präparator im Exponat berücksichtigen.

Udo Becker modelliert die Körperplastik des Jaguars
Präparator Udo Becker modelliert die Körperplastik des Jaguars
Foto: Senckenberg, Becker

Wer von ausgestopften Tieren spricht, macht sich im Fachkreis der Tierpräparatoren schnell unbeliebt. „Es heißt naturgetreu präparieren“, erklärt Becker, der seit 31 Jahren im Senckenberg Naturmuseum tätig ist. Bei der dermoplastischen Präparationsmethode arbeitete er beim Jaguar nach dem Verfahren von Herman ter Meer, der bis 1934 im Zoologischen Institut Leipzig tätig war. Bei diesem Verfahren wird zunächst ein stabiles Eisengerüst aufgebaut, wobei die geplante Haltung des Körpers, Halses sowie der Extremitäten schon beachtet werden muss. Nach dem Aufbringen eines leichten Kernmaterials beginnt das Aufragen eines spachtelfähigen und formbaren Materials – in diesem Fall Gips. Die anschließende plastische Ausarbeitung der Anatomie, also der Muskeln, Weichteile bis hin zu den feinen Strukturen und typischen Falten erfolgt sowohl durch das Auftragen von Gipsmasse als auch durch Teilabtragen des ausgehärteten Materials. Die Glasaugen fertigte eine spezialisierte Firma nach einem Foto des lebenden Tieres an.

Die vorsichtig vom Körper getrennte Haut muss nach Erhalt des Tieres rasch konserviert werden und wird anschließend von einer Fachfirma gegerbt. In feuchtem und dadurch formbaren Zustand wird die Haut auf die fertige, künstliche Körperplastik gelegt, ausgerichtet und verklebt. Die beim Abhäuten möglichst verdeckt gesetzten Schnitte werden sorgfältig vernäht. Während der anschließenden Trocknungsphase fixieren feine Stahlnadeln die Haut in der gewünschten Position.
 
Hintergrund Jaguar
Der Jaguar wird auf den ersten Blick oft mit dem Leoparden verwechselt. Er hat jedoch einen wesentlich kräftigeren Körperbau und die Rosetten auf seinem Fell sind größer und weisen meist zentrale Flecken auf. Durch die ausgeprägten Wangenmuskeln und Unterkiefer haben Jaguare ein runderes Gesicht. Sie besitzen die stärkste Kieferstruktur in der gesamten Katzenfamilie und töten ihre Beute daher in der Regel mit einem Biss in den Schädel. Die meisten anderen Katzen erlegen ihre Beutetiere hingegen mit einem Nacken- oder Kehlbiss. Der Jaguar ist ein ausgezeichneter Schwimmer und jagt neben Nabelschweinen, Hirschen, Nagern, Gürteltieren oder Affen auch Wasserbewohner wie Fische, Schildkröten und Krokodile. Wie die meisten seiner Verwandten ist der Jaguar ein Einzelgänger, der seinen Geschlechtspartner zur Paarung mit speziellen Rufen anlockt. Sein Zuhause ist im Wesentlichen der tropische Regenwald rund um den Amazonas; das heutige Verbreitungsgebiet erstreckt sich jedoch auch über Mittelamerika bis nach Arizona.

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