Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

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08.10.2014 - Ausgezeichnet: Bestimmung der marinen Artenvielfalt

Wilhelmshaven, den 08.10.2014. Die Arbeitsgruppe „Molekulare Taxonomie Mariner Organismen“ der Abteilung Deutsches Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung von Senckenberg am Meer wird heute als offizielles Projekt der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“ gewürdigt. Die Ehrung wird an Projekte verliehen, die sich in nachahmenswerter Weise für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen.

Über 226.000 Arten aus den verschiedensten Tiergruppen wurden in den letzten 250 Jahren in den Weltmeeren identifiziert und beschrieben. Häufig ist die korrekte Bestimmung schwierig und zeitaufwendig. Besonders bei Jungtieren, Larven, Eiern oder wenn nur Gewebestücke vorliegen wird die Arbeit der Taxonomen mühsam.

Material für die DNA-Barcode-Bibliothek © Senckenberg am Meer/Thorben Hofmann
Material für die DNA-Barcode-Bibliothek
© Senckenberg am Meer/Thorben Hofmann

„Eine genaue Identifizierung der Arten ist aber essentiell, zum Beispiel zur Beurteilung der Schutzwürdigkeit eines Lebensraums oder der Bewertung eines Biotops“, erklärt Dr. Michael Raupach, Leiter der Arbeitsgruppe „Molekulare Taxonomie Mariner Organismen“ bei Senckenberg am Meer und ergänzt: „Auch in der Lebensmittelkontrolle ist eine genaue Bestimmung der vorliegenden Arten von hoher Bedeutung – etwa bei der Frage, welcher Fisch im Fischfilet verarbeitet wurde,– und dient somit auch dem Verbraucherschutz.“

Die seit 2010 bestehende Arbeitsgruppe rund um den Wilhelmshavener Biologen hat es sich daher zum Ziel gesetzt neue Methoden zu entwickeln, um die Erfassung der Artenvielfalt schneller und kostengünstiger zu machen. Ein Arbeitsfeld umfasst die Erstellung einer DNA-Barcode-Bibliothek. „Unsere ‚Sequenzbibliotheken‘ beinhalten so genannte DNA-Barcodes, das sind genetische Identifizierungs-Codes, vergleichbar mit dem Strichcode an der Supermarktkasse, sowie weitere molekularbiologische Marker“, erläutert Raupach. Durch den Vergleich mit den gespeicherten Daten in einer solchen Bibliothek können einzelne Individuen schneller erkannt und Veränderungen in der Meeresfauna zeitnah dokumentiert werden.

Eine genaue Bestimmung ist für den Schutz der Artenvielfalt unerlässlich. © Senckenberg am Meer/Thorben Hofmann
Eine genaue Bestimmung ist für den Schutz der
Artenvielfalt unerlässlich.
© Senckenberg am Meer/Thorben Hofmann

Heute wird die Arbeitsgruppe für ihre innovativen Ideen als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet.
„Um Veränderungen der Meeresfauna als Folge von Klimawandel und menschlichen Einflüssen zu beobachten, sind schnelle Bestimmungsmethoden nötig. Genau hier setzt die molekulare Arterfassung an", sagt UN Dekade Botschafter, Polarforscher und Klimaschützer Arved Fuchs und fügt hinzu: „Die Arbeitsgruppe um Dr. Michael Raupach hat eine effiziente Bestimmungsmethode für ökologisch und ökonomisch bedeutsame Arten in der Nordsee entwickelt. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag für den Schutz der heimischen biologischen Vielfalt. Ich gratuliere allen Mitgliedern der AG sowie den beteiligten Wissenschaftlern herzlich zur verdienten Ehrung!"

Die Auszeichnung ist eine der Aktivitäten zur UN-Dekade Biologische Vielfalt, die von den Vereinten Nationen für den Zeitraum von 2011 bis 2020 ausgerufen wurde. Ziel der internationalen Dekade ist es, den weltweiten Rückgang der biologischen Vielfalt aufzuhalten. Dafür strebt die deutsche UN-Dekade eine Förderung des gesellschaftlichen Bewusstseins in Deutschland an.

 „Wir hoffen, dass sich möglichst viele Menschen die ausgezeichneten Projekte als Beispiel nehmen, selbst im Natur- und Artenschutz aktiv zu werden!“, so Raupach.

Kontakt
Dr. Michael Raupach
DZMB
Senckenberg am Meer
Tel. 04421 – 9475 180

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
 

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten undnachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

Pressekontakt

Dr. Sören Dürr
Tel.: 069 7542-1580

Judith Jördens
Tel.: 069 7542-1434
Mobil: 0172-5842340

Anna Lena Schnettler
Tel.: 069 7542-1561

Email: pressestelle@senckenberg.de

Fax: 069 7542-1517

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Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt

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