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01.12.2014 - Insekt des Jahres 2015: Silbergrüner Bläuling

Frankfurt/Müncheberg/Berlin, den 01.12.2014. Heute wurde der „Silbergrüne Bläuling“ in der Bundesgeschäftsstelle des NABU zum „Insekt des Jahres 2015“ gekürt. Die Schirmherrschaft der Auszeichnung übernahm Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Der Silbergrüne Bläuling gilt unter den mitteleuropäischen Tagfaltern als Indikator für gut erhaltene, basenreiche Magerrasen.

Männchen des Silbergrünen Bläulings © Thomas Schmitt/SDEI
Männchen des Silbergrünen Bläulings
© Thomas Schmitt/SDEI

Ab Juli flattern sie über die Wiesen: Der Silbergrüne Bläuling (Polyommatus coridon) ist ein auffallend gefärbter, mittelgroßer Schmetterling mit silbrigen, zur Basis hin grün-bläulichen Flügeln. Seit heute ist der hübsche Tagfalter „Insekt des Jahres 2015“.
„Mit dem Titel ‚Insekt des Jahres‘ machen wir auf die weltweit artenreichste Gruppe von Tieren aufmerksam. Insekten sind viel mehr als Schädlinge oder lästige Tiere – sie weisen die größte biologische Vielfalt aller Lebewesen auf“, erklärt Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Schirmherr der Aktion.
„Der ‚Silbergrüne Bläuling‘ wurde aus einer Gruppe von Schmetterlingen als Repräsentant von Tieren ausgewählt, die im Trockenrasen leben – dies ist ein besonders empfindliches und schützenswertes Biotop“, ergänzt Prof. Dr. Thomas Schmitt, Leiter des Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut in Müncheberg.

Seitenansicht des „Insekt des Jahres 2015“. © Thomas Schmitt/SDEI
Seitenansicht des „Insekt des Jahres 2015“.
© Thomas Schmitt/SDEI

Es gibt weltweit mehr als 5.000 Arten von Bläulingen, von denen etwa 50 in Mitteleuropa vorkommen. Die Tagfalter sind – entgegen ihres Namens – nicht immer blau, sie können auch rot, braun oder, wie beim Männchen des Silbergrünen Bläulings, grünlich-türkis gefärbt sein. Der etwa 2,5 bis 3 Zentimeter große Silbergrüne Bläuling ist überwiegend in Süddeutschland, Österreich, der Schweiz, aber auch in Nordspanien, Frankreich und Italien zu finden und fühlt sich besonders auf Kalkböden wohl.
Der Falter braucht kurzen Magerrasen mit hohem Blütenreichtum, wo ausreichend Nektar zu finden ist. Wird die Nutzung seiner Lebensräume intensiviert, verschwindet er – beispielsweise bei verstärkter Düngung, oder wenn durch fehlende Bewirtschaftung das Gras verfilzt und langsam Sträucher und Bäume wachsen. Daher gilt der Silbergrüne Bläuling unter den mitteleuropäischen Tagfaltern als Indikatorart für gut erhaltene, basenreiche Magerrasen. Da er aber auch an kleinflächigen Lebensräumen wie Böschungen, Wegrändern und Bahndämmen vorkommt, ist sein Bestand bisher nicht gefährdet.

Paarung des Silbergrünen Bläulings. Das Weibchen ist braun, das Männchen silbrig blau gefärbt.  © Thomas Schmitt/SDEI
Paarung des Silbergrünen Bläulings. D
as Weibchen ist braun, das Männchen
silbrig blau gefärbt. © Thomas Schmitt/SDEI

Ab Mitte Juli schlüpfen die Männchen, kurz darauf folgen die samtig-braunen weiblichen Tiere mit ihrem charakteristischen Muster an der Flügelunterseite.
Die Eier der Schmetterlinge werden an trockenen Pflanzen oder am Boden abgelegt. In den im Sommer abgelegten Eiern entwickeln sich die Larven, überwintern im Ei und schlüpfen im nächsten Frühjahr. Die Larven gedeihen überwiegend an Hufeisenklee (Hippocrepis comosa). In Brandenburg, Sachsen und Ostösterreich hat man sie auch auf der Bunten Kronwicke (Coronilla varia) gefunden. Die grünen Raupen haben auf dem Rücken zwei Längsreihen gelber Flecken und sind mit hellen Haaren bedeckt. Sie sind dämmerungs- und nachtaktiv und sitzen tagsüber in kleinen Gruppen im Geröll oder Moos unter den Nahrungspflanzen. Anfang Juni verpuppen sie sich unter vertrockneten Pflanzen am Boden. Die Puppe ist glatt und olivgrün.

Ein Männchen des Silbergrünen Bläulings auf einem gelben Schmetterlingsblütler. © Thomas Schmitt/SDEI
Ein Männchen des Silbergrünen Bläulings
auf einem gelben Schmetterlingsblütler.
© Thomas Schmitt/SDEI

Wie viele andere Bläulinge geht auch das Insekt des Jahres 2015 eine enge Beziehung mit Ameisen ein. Davon profitieren beide Partner: Die Raupen besitzen spezielle Drüsen, aus denen sie ein süßes Sekret ausscheiden, das die Ameisen aufnehmen. Hierzu winken die Raupen den Ameisen sogar mit zwei Fortsätzen am Hinterleib zu, um sie anzulocken. Die Ameisen verteidigen „ihre“ Raupen wiederum gegen Feinde und verhindern, dass parasitische Wespen Eier in die Raupen legen.

Das „Insekt des Jahres“ wird seit 1999 ausgerufen. Die Idee hierzu stammte vom Prof. Dr. Holger Dathe, damaliger Leiter des Senckenberg Deutschen Entomologischen Instituts in Müncheberg. Ein Kuratorium, dem namhafte Insektenkundler und Vertreter wissenschaftlicher Gesellschaften und Einrichtungen angehören, wählt jedes Jahr aus zahlreichen Vorschlägen ein Insekt aus.
Nicht unwesentlich ist dabei die Wirkung von Insekten auf viele Menschen. So werden in der Regel meist sehr auffällige oder interessante Arten, die über einen gewissen Bekanntheitsgrad verfügen, gewählt. Damit wird auch für den zoologischen Laien die Wiedererkennung gewährleistet.

Kontakt
Dr. Wohlert Wohlers
Pressesprecher Kuratorium „Insekt des Jahres“
Tel. 0531 299 33 96
Sekretariat Tel. 0531 299 32 05

Prof. Dr. Thomas Schmitt
Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut Müncheberg (SDEI)
Tel. 033432 - 73 698 3700

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434

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Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

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