Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Presse

zur Übersicht

10.04.2015 - Vortrag: Bäume und Gräser als Zukunftsoption

Vortrag aus der Reihe „Schutz und Nutzung – (k)ein Widerspruch? Biodiversität und Landnutzung in Zeiten des globalen Wandel“´

Frankfurt, den 10.4.2015. Die Natur ist durch viele Faktoren bedroht: Flächenverbrauch für Lebensmittelproduktion oder Siedlungsbau, aber auch Eingriffe zur Rohstoffversorgung, wie beispielsweise die Gewinnung fossiler Rohstoffe oder der Anbau von Energiepflanzen machen  ihr weltweit zu schaffen. Die Nutzung von Cellulose aus Pflanzen, heute oft noch Abfallstoff, eröffnet hier völlig neue Perspektiven. Regina Palkovits vom Lehrstuhl für Heterogene Katalyse und Technische Chemie der RWTH Aachen stellt in ihrem Vortrag „Bäume und Gräser als Zukunftsoption – Lignocellulose als Ausgangsstoff für die chemische Industrie und potentielle Biotreibstoffe“ diesen Grenzbereich von Chemie und Ingenieurwissenschaften vor.
 
Vortrag: Bäume und Gräser als Zukunftsoption – Lignocellulose als Ausgangsstoff für die chemische Industrie und potentielle Biotreibstoffe
Referentin: Prof. Dr. Regina Palkovits, Lehrstuhl für Heterogene Katalyse und Technische Chemie, RWTH Aachen
Datum: Mittwoch, 15. April 2015, 19:15 Uhr
Ort: Hörsaal des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F), Georg-Voigt-Straße 14-16, 60325 Frankfurt.

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Der Vortrag ist Teil der Reihe „Schutz und Nutzung – (k)ein Widerspruch? Biodiversität und Landnutzung in Zeiten des globalen Wandel“ der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.

Aufgrund schrumpfender Erdölreserven müssen sich ganze Branchen künftig nach neuen Rohstoffen umsehen. Alternative Rohstoffe kommen zum Einsatz und sollen von vorneherein möglichst effizient genutzt werden. Aus Biomasse gewonnene Lignocellulose ist in der chemischen Industrie beispielsweise ein vielversprechender neuer Ausgangsstoff: Cellulose ist die häufigste organische Verbindung der Erde und steckt voller Energie – ihre Bestandteile, Zuckermoleküle, sind aber besonders stabil verknüpft. Cellulose kann deswegen bisher nur mit großem Aufwand aufgespalten werden. Deshalb ist sie heute noch oft ein Abfallstoff – zu Unrecht. Denn sie kann anstelle des energieintensiven Anbaus herkömmlicher Nutzpflanzen wie Mais oder Raps genutzt werden, konkurriert nicht mit der Nahrungsmittelkette und erlaubt – da sie aus nachwachsenden Quellen stammt – CO2-neutrale Prozesse. Die Umsetzung der Cellulose mittels neuer katalytischer Verfahren ermöglicht hier vielversprechende Wertschöpfungsketten für zukünftige Bioraffinerien.
In ihrem Vortrag diskutiert Regina Palkovits verschiedene Wertschöpfungsketten und die Herausforderungen der katalytischen Verfahren. So kann aus Cellulose ein Ersatz für sogenannte Bulkchemikalien (d.h. Grundchemikalien, die in Mengen von mehr als 10.000 Tonnen pro Jahr hergestellt werden) gewonnen werden. Ein Beispiel ist Terephthalsäure, die bei der Herstellung von PET (Polyethylenterephthalat, z.B. bei Getränkeflaschen) in großen Mengen zum Einsatz kommt. Auch die Entwicklung neuer Biotreibstoffe mit deutlich günstigeren Verbrennungseigenschaften als konventionelle Treibstoffe ist möglich. Exemplarisch werden im Vortrag Chancen und Entwicklungsbedarf für eine nachhaltige und wirtschaftliche Nutzung von Lignocellulose als Rohstoff beleuchtet.

© Carsten Terres
Prof. Dr. Regina Palkovits
© Carsten Terres

Die Chemieingenieurin Prof. Dr. Regina Palkovits promovierte am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr. Nach einem Aufenthalt an der Universität Utrecht im Jahr 2007 leitete sie am MPI in Mülheim dort eine eigene Arbeitsgruppe, wurde 2010 auf eine Professur für Nanostrukturierte Katalysatoren an der RWTH Aachen berufen und hat dort seit 2013 den Lehrstuhl für Heterogene Katalyse und Technische Chemie inne. Sie erhielt zahlreiche Forschungs- und Innovationspreise, Stipendien und Ehrungen und ist Mitglied der Jungen Akademie der Leopodina, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften sowie der Global Young Faculty der Stiftung Mercator. 2010 erhielt sie zudem die Robert Bosch Juniorprofessur für die nachhaltige Nutzung erneuerbarer Rohstoffe. Zum Thema hat sie bereits über 50 wissenschaftliche Artikel veröffentlich und hält mehrere Patente.
Der Vortrag findet statt in Kooperation mit der Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. 

Download PM

Weitere Termine der Reihe auch unter www.senckenberg.de/veranstaltungen

29.4.2015
Satoyama die traditionelle Kulturlandschaft Japans als Modell für nachhaltige Landnutzung?
Dr. Stefan Hotes, Fachbereich Biologie, Philipps Universität Marburg)

6.5.2015
Landnutzung und Biodiversität in der Großstadt das Beispiel Frankfurt a. M.
Prof. Dr. Georg Zizka, Senckenberg Forschungsinstitut und Goethe-Universität, Frankfurt a. M.

20.5.2015
Nachhaltigkeit, biologische Vielfalt, gutes Leben geht das zusammen? Beispiele aus den Tropen
Friederike Kraemer und Dr. Alberto Camacho-Henriquez, Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), Eschborn

3.6.2015
Verborgene Schädlinge Oomycetenvielfalt in Land- und Forstwirtschaft
Prof. Dr. Marco Thines, Senckenberg Forschungsinstitut und Goethe-Universität, Frankfurt a. M.

17.6.2015
Gerechtigkeit und das Gute Leben: Zwei unterschätzte Dimensionen der Biodiversitätskommunikation
Dr. Uta Eser, Büro für Umweltethik, Tübingen

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit rund 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die GDCh hat 27 Fachgruppen und Sektionen sowie 59 Ortsverbände. JungChemikerForen sind an 52 Hochschulstandorten etabliert.

Kontakt:
Stab Wissenschaftskoordination
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Dr. Julia Krohmer
Tel. 069- 7542 1837

Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Dr. Alexandra Donecker
Tel. 069- 7542 1561
Fax 069- 75421517

Pressestelle

Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Rechtsfähiger Verein gemäß § 22 BGB
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt

Direktorium: Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Prof. Dr. Andreas Mulch, Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Prof. Dr. Uwe Fritz,  PD Dr. Ingrid Kröncke 
Präsidentin: Dr. h.c. Beate Heraeus
Aufsichtsbehörde: Magistrat der Stadt Frankfurt am Main (Ordnungsamt
)www.senckenberg.de
Neuigkeiten, interessante Veranstaltungstipps, echte Highlights? Mit www.twitter.com/Senckenberg und www.facebook.de/SenckenbergWorld sind Sie immer auf dem Laufenden!

Pressekontakt

Dr. Sören Dürr
Tel.: 069 7542-1580

Judith Jördens
Tel.: 069 7542-1434
Mobil: 0172-5842340

Anna Lena Schnettler
Tel.: 069 7542-1561

Email: pressestelle@senckenberg.de

Fax: 069 7542-1517

Senckenberg
Forschungsinstitut und Naturmuseum
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt

19.09.2018 09:45:14


19.09.2018 09:06:54


19.09.2018 07:26:44


https://die-welt-baut-ihr-museum.de