Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

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23.04.2015 - Form folgt Fuß

Form folgt Fuß. Georg Hermann von Meyer (1815–1892) und die Schuhreform
Wechselausstellung
24. April bis 19. Juli 2015 im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt, 2. OG, Raum 211

Foto Senckenberg, Tränkner
Rekonstruktion Ötzi-Schuh bestehend aus
einem Innen- und einem Außenschuh
Foto: Senckenberg, Tränkner

Frankfurt, den 23.4.2015. Dass wir heute einen rechten und einen linken Schuh tragen, ist nicht selbstverständlich. Bis vor knapp 150 Jahren schlugen die Schuster beide Schuhe über einen Leisten. Den Anstoß für eine Reform dieser symmetrischen Fußbekleidung, die auf beiden Füßen getragen wurde, gab 1858 der gebürtige Frankfurter Georg Hermann von Meyer (1815–1892). Dem bedeutenden Anatom und ewigen Mitglied der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung widmet das Senckenberg Naturmuseum Frankfurt zu seinem 200. Geburtstag eine Wechselausstellung. Rund 120 Ausstellungsstücke, darunter Modelle, Präparate, Bücher, Fotos und zahlreiche Schuhe veranschaulichen die damalige Neukonzeption der Fußbekleidung. Dazu gehört auch ein kurzer Exkurs zur Entwicklung des menschlichen Fußes und des aufrechten Ganges.

Foto Senckenberg, Tränkner
Sieht gut aus und ist stabil: Die Konstruktion
des Achilles High Heel ist inspiriert von
lasttragenden Systemen, wie Baukränen
oder Flugzeugtragwerken
Foto: Senckenberg, Tränkner

Anatomiegeschichte schrieb von Meyer 1867 durch seine Entdeckung der Architektur der Spongiosa, eines Schwammwerks feinster, sich verzweigender Bälkchen im Knocheninneren. Meyer zeigte, dass die feinen Strukturen räumlich so ausgerichtet sind, dass sie den im Knochen auftretenden Zug- und Druckspannungen folgen. Form und Funktion hängen also zusammen. Folgerichtig sollte sich auch die Form der Schuhe nach der Funktion richten, nämlich die Gehbewegung der Füße ohne Störung zu ermöglichen. Bis dahin, 350 Jahre lang, hatte sich die Art der Fußbekleidung ausschließlich nach der Mode gerichtet.

Georg Herrmann v. Meyer
Der Anatom und „Vater der Schuhreform“ Georg
Hermann von Meyer (1815-1892), um 1890.
Foto: Michael Krambrock

Dafür schlugen die Schuhmacher beide Schuhe über einen Leisten. Das Ergebnis waren zwei identisch geformte, symmetrische Schuhe, die auf beiden Füße getragen werden konnten, aber zu keinem richtig passten. Das war ebenso unbequem wie schmerzhaft, entsprach aber dem Schönheitsideal einer Zeit, in der Symmetrie als Ausdruck von Ordnung und Vollkommenheit bewundert wurde und sich auch in der Schuhmode ausdrücken sollte. Um 1600 hielt der Absatz in die Schuhmode Einzug, veränderte die Statik des Körpers und die Architektur der Schuhe. Doch die Schuhmacher blieben weiter bei einem Leisten. Wer schön sein wollte, musste leiden, denn Contenance machte „salonfähig“. Der zu entrichtende Tribut an die Gesundheit war indessen kein Thema. Stattdessen operierten neue Dienstleister, die sich „Chiropodisten“ und „Fußkünstler“ nannten, die schmerzenden Zehen der Modeopfer. An der Ursache, einer Schuhform, die nicht zu den Füßen passte, wurde nichts geändert.

Foto Senckenberg, Tränkner
Ob Kuhmaul- oder Schabelschuh, die
Formenvielfalt der Fußbekleidung ist enorm.
Foto: Senckenberg, Tränkner

Die große Wende brachte erst das 19. Jahrhundert. Georg Hermann von Meyer veröffentlichte 1858 eine Schrift, in der er einen neuen Umgang mit dem Körper und eine richtige, asymmetrische Form der Schuhe propagierte. Damit gab er einen weiteren Impuls zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Körper und Natur, die schließlich zu einer grundlegenden Umstellung des Konzepts von Fußbekleidung führte. Seit Hermann von Meyer basiert die Schuhherstellung nicht mehr nur auf Erfahrungswissen und Gewohnheit, sondern baut auf wissenschaftlichen Prinzipien auf, die – auch wenn das Wissen seither kontinuierlich gewachsen ist und weiter wächst – bis heute maßgeblich geblieben sind. Diesen Modernisierungsprozess haben schon Meyers Zeitgenossen als “Schuhreform” bezeichnet.

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten des Senckenberg Naturmuseums zu sehen. Es wird nur der Museumseintritt erhoben.

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