Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Presse

zur Übersicht

24.04.2015 - Satoyama – die japanische Kulturlandschaft als Modell für Nachhaltigkeit

Vortrag aus der Reihe „Schutz und Nutzung – (k)ein Widerspruch? Biodiversität und Landnutzung in Zeiten des globalen Wandels“

Foto Senckenberg, Krohmer
Satoyama, die traditionelle japanische Kulturlandschaft,
besteht aus einem kleinteiligen Mosaik vielfältiger
ökologischer Nischen. © J. Krohmer

Frankfurt, den 24.4.2015. Beim Stichwort Japan denken die meisten Menschen heute an moderne Hightech-Infrastrukturen und dichtbesiedelte, neonglitzernde Metropolen. Doch der größte Teil des Landes wird von steilen, bewaldeten Gebirgslandschaften eingenommen, in denen eine kleinteilige, arbeitsintensive Landwirtschaft stattfindet – eine uralte Kulturlandschaft. Stefan Hotes stellt in seinem Vortrag „Satoyama – die traditionelle Kulturlandschaft Japans als Modell für Nachhaltigkeit“ diesen Landschaftstyp vor und diskutiert seine Eignung als globales Modell für eine nachhaltige, zukunftstaugliche Landnutzung.
 
Vortrag: Satoyama – die traditionelle Kulturlandschaft Japans als Modell für Nachhaltigkeit
Referent: Dr. Stefan Hotes, Fachbereich Biologie, Philipps Universität Marburg
Datum: Mittwoch, 29. April 2015, 19:15 Uhr
Ort: Hörsaal des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F), Georg-Voigt-Straße 14-16, 60325 Frankfurt.
Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Der Vortrag ist Teil der Reihe „Schutz und Nutzung – (k)ein Widerspruch? Biodiversität und Landnutzung in Zeiten des globalen Wandels“ der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.

Foto Senckenberg, Krohmer
Aufgrund des demographischen Wandels
kann die traditionelle, umweltschonende
Bewirtschaftung kaum aufrechterhalten
werden. © J. Krohmer

Seit der UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt 2010 in Nagoya ist der japanische Begriff „Satoyama“ namensgebend für eine globale Initiative. Ihr Ziel ist es, weltweit Landschaften zu bewahren und zu fördern, die durch menschliche Nutzung entstanden sind und nachhaltig über lange Zeiträume erhalten wurden – unter der Annahme, dass hier Biodiversität und menschliches Wohlbefinden im Einklang sind.
In der japanischen Sprache bezeichnet „Satoyama“ die Einheit aus Siedlungen, der umliegenden, landwirtschaftlich genutzten Flächen (sato) und zumeist bewaldeten Hügeln (yama), die daran angrenzen. Dieses Grundmuster findet sich in vielen Variationen auf dem ganzen japanischen Archipel. Stets handelt es sich um ein sehr harmonisch wirkendes Mosaik kleinteiliger, oft terrassierter Reis- oder Gemüsefelder, durchzogen von grasumsäumten Wasserkanälen, während sich an den Rändern der Terrassen sanft gerundete, waldige Hügel ins Blickfeld schieben. Diese traditionelle Nutzungsweise hat zur Entwicklung vielfältiger Lebensgemeinschaften beigetragen. Jedoch hat seit den 1950er Jahren ein rasanter Verlust dieser traditionellen Kultur- und Naturlandschaften eingesetzt, der sich bisher kaum verlangsamt hat. Die herkömmliche Bewirtschaftung kann unter aktuellen ökonomischen und sozialen Trends kaum aufrechterhalten werden, denn der demographische Wandel und die Konzentration wirtschaftlicher Aktivitäten in den Metropolen führen zu einer Entvölkerung des ländlichen Raums. Vielleicht gerade wegen der fortschreitenden Verluste von Satoyama-Landschaften gibt es Versuche gegenzusteuern. Eine wichtige Voraussetzung ist die Schaffung eines Bewusstseins für die Bedeutung von Satoyama, sowohl für die Produktion von Nahrungsmitteln und Rohstoffen als auch für die Regulierung von Wasser- und Nährstoffkreisläufen. Nicht zuletzt steht Satoyama auch für ein kulturelles Konzept der Beziehung zwischen Mensch und Umwelt, das in verschiedenen japanischen Medien regelmäßig aufgegriffen wird. Der Vortrag stellt diesen Landschaftstyp und seine Lebensgemeinschaften vor und diskutiert Lösungsansätze für eine langfristige, nachhaltige Nutzung. Dabei kommen sowohl naturwissenschaftliche als auch kulturelle Aspekte zur Sprache.

Der Biologe Stefan Hotes war schon während seiner Schulzeit für ein Jahr als Austauschschüler in Tokyo, und landschaftsökologische Forschungen im Rahmen der Diplom- und Doktorarbeit führten ihn nach Hokkaido. Er promovierte 2004 an der Universität Regensburg über die Vegetation von Mooren in Hokkaido (Japan). Anschließend war er bis 2007 als Assistant Professor am Center of Excellence „Biodiversity and Ecosystem Restoration“ der Universität Tokyo tätig und forscht heute in der Arbeitsgruppe Allgemeine Ökologie und Tierökologie am Fachbereich Biologie der Philipps-Universität Marburg unter anderem zur Ökologie von Kulturlandschaften und zu nachhaltigem Landmanagement. Er koordiniert mehrere Forschungsprojekte zur nachhaltigen Landnutzung und engagiert sich an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik.

Download PM

Weitere Details zu den Terminen der Reihe auch unter www.senckenberg.de/veranstaltungen

6.5.2015
Landnutzung und Biodiversität in der Großstadt das Beispiel Frankfurt a. M.
Prof. Dr. Georg Zizka, Senckenberg Forschungsinstitut und Goethe-Universität, Frankfurt a. M.

20.5.2015
Nachhaltigkeit, biologische Vielfalt, gutes Leben geht das zusammen? Beispiele aus den Tropen
Friederike Kraemer und Dr. Alberto Camacho-Henriquez, Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), Eschborn

3.6.2015
Verborgene Schädlinge Oomycetenvielfalt in Land- und Forstwirtschaft
Prof. Dr. Marco Thines, Senckenberg Forschungsinstitut und Goethe-Universität, Frankfurt a. M.

17.6.2015
Gerechtigkeit und das Gute Leben: Zwei unterschätzte Dimensionen der Biodiversitätskommunikation
Dr. Uta Eser, Büro für Umweltethik, Tübingen

Kontakt:
Stab Wissenschaftskoordination
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Dr. Julia Krohmer
Tel. 069- 7542 1837

Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Dr. Alexandra Donecker
Tel. 069- 7542 1561
Fax 069- 75421517


Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

Pressestelle

Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Rechtsfähiger Verein gemäß § 22 BGB
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt

Direktorium: Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Prof. Dr. Andreas Mulch, Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Prof. Dr. Uwe Fritz,  PD Dr. Ingrid Kröncke 
Präsidentin: Dr. h.c. Beate Heraeus
Aufsichtsbehörde: Magistrat der Stadt Frankfurt am Main (Ordnungsamt)
www.senckenberg.de
Neuigkeiten, interessante Veranstaltungstipps, echte Highlights? Mit www.twitter.com/Senckenberg und www.facebook.de/SenckenbergWorld sind Sie immer auf dem Laufenden!

 

Pressekontakt

Dr. Sören Dürr
Tel.: 069 7542-1580

Judith Jördens
Tel.: 069 7542-1434
Mobil: 0172-5842340

Anna Lena Schnettler
Tel.: 069 7542-1561

Email: pressestelle@senckenberg.de

Fax: 069 7542-1517

Senckenberg
Forschungsinstitut und Naturmuseum
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt

17.07.2018 12:25:08


17.07.2018 09:25:05


17.07.2018 08:17:07


https://die-welt-baut-ihr-museum.de