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12.11.2015 - Auf der Suche nach der verlorenen Heimat

Auf der Suche nach der verlorenen Heimat

„Der Nabel der Welt“, Sonderausstellung von Mia Florentine Weiss
13. November 2015 bis 7. Februar 2016
Senckenberg Naturmuseum, 2. OG, Raum 211

 Foto mia Florentine Weiss
Pegasus Performance / Edges of Europe
Hafen von Kos, wo damals wie heute Flüchtlinge
übers Meer auf die griechische Insel kommen
Foto: Mia Florentine Weiss

Frankfurt, den 12.11.2015. Mit der neuen Sonderausstellung setzt das Senckenberg Naturmuseum Frankfurt die Reihe „Natur trifft Kultur“ fort, deren Konzept es ist, den wissenschaftlichen Blick auf die Natur um künstlerisches Sehen zu erweitern. Den Jahresabschluss bildet die Ausstellung „Der Nabel der Welt“ der deutschen Künstlerin Mia Florentine Weiss, die vom 13. November 2015 bis zum 7. Februar 2016 der Öffentlichkeit präsentiert wird. „Wir öffnen uns dabei dem Denken über die Welt aus der Perspektive einer jungen Künstlerin, die ihre Ideen auf performativen Reisen in zahlreichen Ländern zusammengetragen hat“, sagt Dr. Bernd Herkner, Leiter der Abteilung Museum. Kurator der Ausstellung ist Mark Gisbourne, ein renommierter Kunsthistoriker sowie Kunstkritiker und früherer Präsident der British Art Critics Association (AICA).


foto Mia Florentine Weiss
Pegasus Performance / Edges of Europe /
Stadtgrenze Athen
Foto: Mia Florentine Weiss

Die Ausstellung „Der Nabel der Welt“ zeigt Werke von Mia Florentine Weiss’ weltweiten Performances seit 1999 bis 2015 aus den Bereichen Foto- und Videodokumentation sowie Objekt- und Installationskunst. Zentrum ist die Skulptur „Pegasus“, die als Decken-Installation im Museum zu sehen ist. Der geflügelte „Pegasos“, in der griechischen Mythologie Quelle aller Weisheit, wird im übertragenen Sinne als ein vom Dichter gerittenes Sinnbild der Dichtkunst angesehen. Für Mia Florentine Weiss ist das Pferd Symbol und Substrat eines über ein Jahrzehnt andauernden, performativen Weges. Die kosmopolitische Künstlerin hat rund um den Globus Menschen aller Altersschichten und unterschiedlicher Kulturen nach ihrem persönlichen Schutzraum mit der Frage „What is your place of protection?“ konfrontiert. Von den indigenen Völkern Afrikas über die Verlierer des "Vom Tellerwäscher zum Millionär"-Roulette in Kalifornien, wo die Künstlerin Obdachlose begleitet hat, bis hin zu den Opfern mörderischer Bürgerkriege im Nahen Osten reicht das Spektrum. Viele Menschen haben Mia Florentine Weiss neben ihren Antworten auch Gegenstände mitgegeben, um sie in das Flügelpaar von Pegasus einzubauen. So steht das Symbol aus der griechischen Mythologie für die Hoffnungen und Bedürfnisse zahlreicher Menschen verschiedener Kulturkreise.

 Foto Mia Florentine Weiss
Art Angel Performance / Los Angeles 2012 /
Titel: Bang Bang & Goodbye
Foto: Mia Florentine Weiss

Die Pegasus-Skulptur, die Dermoplastik eines weißen Pferdes mit Leucht-Flügeln, symbolisiert die Unschuld aber auch den Terror unserer Zeit in einem bipolaren Spannungsfeld: Ein Flügel symbolisiert Hoffnung (Frieden), sein Gegenstück den Abgrund unserer Welt (Krieg).

Im April und Mai 2015 war Pegasus als „Moving Installation“ an den Rändern Europas zu Wasser und zu Land unterwegs und ist einer authentischen Flüchtlingsroute gefolgt, die Mia Florentine Weiss mit der Organisation Pro Asyl bereits im Vorjahr recherchiert hatte. Zu dieser Reise startet Pegasus symbolisch im Februar vom Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt aus. Durch die aktuelle Flüchtlingswelle aus dem Nahen Osten hat Pegasus eine signifikante Aktualität erhalten. „Zum Zeitpunkt der Reise war die Dimension nicht absehbar und die höchst befremdliche Koinzidenz von Luxustourismus über Wasser und toten Flüchtlingen unter Wasser noch keine schreckliche Wahrheit. Heute – nur ein halbes Jahr später – wäre die Performance ,Edges of Europe‘ nicht mehr möglich“, sagt Weiss.

 Foto Mia Florentine Weiss
Love/Hate Skulptur Prototyp vor dem Senckenberg
Naturmuseum
Foto: Mia Florentine Weiss

Mia Florentine Weiss erzählt nach dieser Reise u.a. vom Schicksal des syrischen Jungen Nart, der von der Türkei übers Mittelmeer nach Griechenland fliehen konnte. In einem verlassenen Hotel, mittlerweile eines der größten „Refugee Camps“ in den Ägäis, kreuzte sich der Weg des geflügelten Fabelwesens mit dem Narts. Der Junge teilt ein Schicksal mit Millionen Flüchtlingen weltweit, die nichts mehr besitzen außer ihrer Hoffnung und ihren Träumen. 

Die Künstlerin hinterfragt in ihren Arbeiten – auch um sich selbst zu finden – Schutzräume in individuellen und globalen Kontexten. Was ist ein Schutzraum im Alltag, in Krisensituationen, bei Lebensgefahr, im Glückszustand? Mia-Florentine Weiss geht bis zum Urzustand eines Menschen noch vor seiner Geburt zurück und thematisiert dabei physisch und auch mythologisch die Urheimat des Menschen als ungeborenes Kind, das sich noch mit dem Nabel verbunden im Uterus und damit in einer Art Paradies befindet, das getrennt von der Welt ist und zugleich geschützt vor ihr.

Foto Mia Florentine Weiss
Pegasus startet vom Senckenberg Naturmuseum
zu seiner Reise
Foto: Mia Florentine Weiss

Das Fazit der Reisen auf allen Kontinenten ist, dass die meisten Menschen, die Mia-Florentine befragt hat, immer eine Form von Heimat als einen möglichst unantastbaren und natürlichen Raum thematisiert haben. „Flüchtlinge sind dagegen im doppelten Sinne heimatlos“, sagt Mia Florentine Weiss, „sie sind entwurzelt von ihrem Zuhause, werden an ihrem Zufluchtsort im temporären Niemandsland lediglich geduldet und sind damit niemals wirklich zu Hause.“


Foto Mia Florentine Weiss
Muttertier 2014, Performance alte Apotheke
Senckenberg Naturmuseum
Foto: Mia Florentine Weiss

 Dass ein naturkundlicher Ausstellungsort einer zeitgenössischen Künstlerin Raum gibt – neben Dinosaurierskeletten und Artefakten überlebter Spezies – eröffnet dem Temporären von Mia Florentine Weiss Arbeiten eine über das Aktuelle hinausgehende Wendung: kann sich die Spezies Mensch Schutz leisten bzw. noch Schutz geben? Wenn die Verbindung zwischen Mensch und Mutter Erde und im übertragenen Sinne von Natur und Kultur zerreißt, was sind dann die neuen Nabelschnüre der digitalen Datenmenschen, die auf unserem Planeten zu Hause sind?

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